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Landkreis Augsburg

29.01.2021

Landkreis Augsburg: Mann schlägt seine Frau mit Kleiderstange

Ein Familienvater soll seine Frau mit einer Metallstange geschlagen haben.
Foto: Arne Dedert, dpa (Symbolfoto)

Plus Nach einem Familienstreit muss der Vater aus dem Kreis Augsburg sich vor Gericht verantworten. Er soll seine Frau geschlagen und seinen Sohn gewürgt haben.

Weil seine Frau nicht ans Telefon ging, als er sie anrief, soll ihr Mann aus dem westlichen Landkreis sie über mehrere Tage misshandelt haben. Er habe sie unter anderem gegen die Wand gedrückt, gewürgt und seine durch eine Nachtschicht komplett übermüdete Ehefrau bis in den frühen Morgen vom Schlafen abgehalten haben, heißt es in der Anklage. Als sie ihm morgens keinen Kaffee kochen wollte, soll er sie mit einer Metallstange geschlagen, und den gemeinsamen Sohn gewürgt haben, bis er blau im Gesicht war. Schließlich könne er "mit seiner Familie machen, was er will". So zumindest wird die Situation in der Anklageschrift darstellt. Während der Verhandlung vor dem Amtsgericht Augsburg wurde aber klar, dass die Situation wohl etwas komplizierter war.

Familienstreit im Kreis Augsburg eskaliert: Sohn ruft die Polizei

Der Angeklagte muss sich wegen Nötigung und Körperverletzung verantworten. Er befindet sich seit der Tat im vergangenen September in Untersuchungshaft. Die Verhandlung begann mit einer Unterbrechung, in der die Verteidigerin Ruth Sarow versuchte, per Rechtsgespräch eine "Strafe im bewährungsfähigen Bereich", also zwei Jahre oder weniger, herauszuhandeln. Die Staatsanwaltschaft ließ sich darauf aber nicht ein. Selbst bei einem vollständigen Geständnis wäre die Strafe außerhalb des bewährungsfähigen Rahmens, so die Staatsanwaltschaft.

Wie die Verteidigung in einer Erklärung des Angeklagten verlas, war er nach einem Arbeitsunfall zu Hause, als seine Frau ihn gebeten habe, ihre Schwester am Bahnhof in München abzuholen. Sie sollte einige Tage zu Besuch kommen. Der Angeklagte wollte das laut Verteidigung aber nicht und bat um seine Ruhe. Es kam zum Streit, bei dem seine Frau gedroht haben soll, ihn aus dem gemeinsamen Haus zu schmeißen. Irgendwann wurde es so laut, dass die Nachbarn die Polizei riefen. Diese sei aber abgezogen, da es zu keiner Gewalt gekommen sei. Der Angeklagte habe seine Frau lediglich an der Schulter gepackt und geschüttelt. Nach dem Streit habe seine Frau sich zu ihm ins Bett gelegt und habe sich später wegen seines Schnarchens ins Zimmer des gemeinsamen erwachsenen Sohnes gelegt. Als er die Schuhe seiner Schwägerin im Flur stehen sah, sei der Streit dann wieder eskaliert.

Familienstreit: Opfer nimmt Angeklagten vor Gericht in Schutz

Im weiteren Verlauf habe die Frau einen Tennisball nach ihm geworfen, worauf hin er mit einer Kleiderstange in ihre Richtung geschlagen habe. Daraufhin sei der Sohn auf ihn losgegangen. Er habe ihn mit der Hand auf der Brust von sich weggehalten, wobei seine Hand zu seinem Hals hinaufgerutscht sei und ihm womöglich die Luft abgeschnitten habe. Seine Frau habe ihm daraufhin mit einem Stuhl auf den Rücken geschlagen, woraufhin er sie zurück in den Bauch geschlagen habe. Er leide unter Diabetes und hohem Blutdruck und habe "die Kontrolle verloren", erklärte der Angeklagte. Die Situation endete damit, dass der Sohn erneut die Polizei rief.

Die Ehefrau bestätigte die Geschichte weitgehend, obwohl sie bei der Polizei von Schlägen und härterer Gewalt berichtet hatte. Unter anderem habe ihr Mann laut ihrer Polizeivernehmung damit gedroht, sie umzubringen. Er habe ihr Leben kontrolliert. Vor Gericht beteuerte sie hingegen, dass ihr Mann kein "Haustyrann" sei. Er kümmere sich um die Kinder und koche jeden Tag für seine Familie. "Ich werde ihm nie verzeihen, was er getan hat. Aber ich habe im Krieg schon so viele Freunde verloren, ich kann nicht noch eine wichtige Person verlieren", sagte die gebürtige Kosovarin unter Tränen.

Kreis Augsburg: Aussage vom Sohn des Angeklagten steht noch aus

Scheinbar sorgte die Vernehmung auch dafür, dass die Staatsanwältin ihre Meinung änderte. In einem zweiten Rechtsgespräch stimmte sie einer zweijährigen Bewährungsstrafe zu, sofern der Angeklagte ein vollumfängliches Geständnis ablegt. Auch weil die Geschädigte kein Interesse zeigte, die Tat zu verfolgen. Ein Urteil wurde aber nicht gesprochen. Dieses soll nach zwei weiteren Gerichtsterminen folgen, bei denen noch weitere Zeugen vernommen werden sollen. Darunter der gemeinsame Sohn der Eheleute. Auf Antrag der Verteidigung wurde die Untersuchungshaft des Angeklagten ausgesetzt.

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