1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Landwirte sind gegen das Kükenschreddern

Landkreis Augsburg

14.06.2019

Landwirte sind gegen das Kükenschreddern

Aktivisten der Albert Schweitzer Stiftung und der Tierschutzorganisation Peta protestieren vor der Urteilsverkündung mit einer symbolischen Aktion zum Kükenschreddern vor dem Bundesverwaltungsgericht. Auch Landwirte im Augsburger Land sind sich einig, dass das Kükenschreddern beendet werden muss
Bild: Jan Woitas, dpa

Männliche Tiere werden weiterhin geschreddert. Im Augsburger Land gibt es dazu eine ganz klare Meinung.

Seit gestern steht fest: männliche Küken dürfen nach der Geburt getötet werden. Die Regelung gilt, bis alternative Verfahren zur Geschlechtsbestimmung eingeführt sind. Für Heinz Paula, Vorsitzender des Tierschutzvereins Augsburg, ist das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes eine Enttäuschung: „Ich hatte gehofft, dass das sinnlose Töten aufhört.“

Weil männliche Küken später keine Eier legen und nicht so viel Fleisch ansetzten, ist ihre Aufzucht für Brütereien nicht rentabel. Die Tiere – rund 45 Millionen jährlich – werden kurz nach der Geburt geschreddert oder vergast. Tierschützer wie Heinz Paula kritisieren das Vorgehen seit Jahren. Auch bei Verbrauchern im Landkreis stößt das Gerichtsurteil auf Unverständnis.

Generell die Hühner- oder Eierproduktion überdenken

„Ich finde es schrecklich wenn man mit Leben umgeht, als wäre es nichts wert“, sagt Arthur Moser. Er zahle lieber mehr und wisse, woher die Produkte kommen. Auch Gerlinde Hoffmann sagt: „Es ist ein Unding, die Küken zu töten. Leben sollte nicht aufgrund von Wirtschaftlichkeit vernichtet werden.“ Die 63-Jährige wäre nach eigener Aussage bereit, mehr für Eier zu bezahlen, wenn männliche Küken am Leben blieben. Ein generelles Umdenken fordert die 59-Jährige Ingrid Hillebrand. „Küken töten geht gar nicht. Man müsste generell die Hühner- oder Eierproduktion überdenken. Wir brauchen das alles nicht in solchen Massen.“

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Auch Landwirte im Augsburger Land sind sich einig, dass das Kükenschreddern beendet werden muss. „Niemand befürwortet das“, ist Johannes Mayr überzeugt. Auf seinem Hof in Großaitingen leben 600 Legehennen. Er findet das Urteil nicht schlecht. Denn damit ist zumindest klar: sobald eine alternative Methode zur Geschlechtsbestimmung der Küken serienreif ist, wird das Töten eingestellt. Mayr hofft, dass den Brütereien das neue Verfahren möglichst schnell zur Verfügung steht.

Eier werden zu Tierfutter verarbeitet

Mit Hilfe eines Lasers wird dann ein winziges Loch in die Schale gebrannt und Flüssigkeit entnommen. So lässt sich das Geschlecht schon vor dem Ausbrüten im Ei erkennen. Männliche Küken schlüpfen erst gar nicht, ihre Eier werden zu Tierfutter verarbeitet. Landwirtin Anna Ostermeier ist auch von dieser Methode wenig überzeugt. Denn damit würden männliche Küken genauso ausselektiert. Auf ihrem Biohof in Adelsried leben 6000 Legehennen. Um dem Kükenschreddern etwas entgegen zu setzen, geht Ostermeier einen anderen Weg.

Ihre Küken werden in Österreich geboren. Die Weibchen kommen von einem Aufwachsbetrieb auf den Hof nach Adelsried. Die männlichen Küken, die sogenannten Bruderhähne, werden unter Bio-Standards aufgezogen. Nach der Schlachtung kommen sie nach Adelsried und werden dort verkauft. Dafür muss Ostermeier viel Aufklärungsarbeit leisten.

Kleiner sind als normale Mastgockel

„Die Kunden sind erst mal skeptisch, weil die Bruderhähne kleiner sind als normale Mastgockel“, sagt Ostermeier. Gewinn macht sie mit der Bruderhahnaufzucht nicht. „Das ist reiner Idealismus“, sagt die Landwirtin. Sie wünscht sich ein generelles Umdenken. Alles werde auf Masse gezüchtet, dadurch gehe die Rassenvielfalt verloren.

Tierschützer Heinz Paula kritisiert, dass das Gericht keine Frist gesetzt hat, bis wann die Methode zur Geschlechterbestimmung verfügbar sein muss. „Aber immerhin sind auch die Richter der Ansicht, dass wirtschaftliche Interessen allein das Töten der Küken nicht rechtfertigen.“

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar: Kükenschreddern ist nicht das einzige Tierschutz-Problem

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren