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Natur

13.01.2020

Laue Winter: Tiere im Wald kommen aus dem Takt

Nicht nur für Wildschweine birgt der bislang warme Winter Gefahren. Auch andere Tiere sind "wetterfühlig".
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Nicht nur für Wildschweine birgt der bislang warme Winter Gefahren. Auch andere Tiere sind "wetterfühlig".
Foto: Lino Mirgeler/dpa

Statt mit Schnee und Frost zeigt sich der Winter bislang eher frühlingshaft. Das wirkt sich auch auf die Natur aus. Wie Experten die Lage einschätzen.

Bei diesem Wetter kommen selbst die Waldtiere aus dem Takt: Schnee und Minusgrade lassen im heurigen Winter ganz schön auf sich warten. Tiere im Wald erwachen bei diesen milden Temperaturen daher zu früh aus dem Winterschlaf.

„Unsere Waldtiere sind eigentlich auf kalte Winter eingestellt“, sagt Wolfgang Sailer, Behördenleiter und Bereichsleiter Forsten beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Augsburg. Dennoch seien milde Winter für die Populationsentwicklung durchaus günstig. Durch höhere Temperaturen im Winter und wenig Bodenfrost sei für Waldtiere die Futtersuche nämlich erleichtert. Auch ihre Brutzeiten verändern sich, weiß Sailer. So gebären beispielsweise Wildschweine in milden Wintern oft schon früher ihre Frischlinge. Das wird zu einem Problem, wenn dann doch noch ein Wintereinbruch kommt: „Frischlinge sind dann noch viel zu schwach und auch für Räuber oder Parasiten viel anfälliger“, so Sailer.

Für die Tiere ist zur Zeit normales Herbstwetter

Hans Fürst von der Jägervereinigung Augsburg sieht bis jetzt eigentlich keine wirkliche Veränderung beim Verhalten der Tiere. „Für die Waldtiere gibt es im Moment noch nicht wirklich Probleme, für sie ist das zurzeit ganz normales herbstliches Wetter und sie finden ausreichend Futter.“ Überraschenderweise müssten die Jäger auch nicht weniger füttern als sonst. „Eine Fütterung ist eigentlich auch sonst nur in Notzeiten notwendig, wie beim Schneechaos letzten Januar“, sagt Fürst. Futternot entsteht erst bei einer geschlossenen Schnee- und Eisdecke. Ein Problem gibt es allerdings für Jäger schon: Rehe sind zurzeit deutlich schwerer zu bejagen, da sie keine großen Wege bei ihrer Nahrungssuche zurücklegen müssen.

Der Winter ist eine wichtige Jahreszahl

Allgemein sei der Winter für unsere Wälder eine ausgenommen wichtige Jahreszeit, da jetzt der Wasservorrat wieder aufgefüllt werden kann, betont Sailer vom Landwirtschaftsamt. Angesichts der trockenen und heißen Sommer der letzten Jahre sei das ausschlaggebend, da die Dürreperioden in der heißen Jahreszeit so wieder ausgeglichen werden könnten. Auch die im Wald lebenden Tiere seien auf Wasserperioden angewiesen und vor allem für Amphibien sind Dürre und ganzjährig niedrige Niederschlagsmengen existenzbedrohend.

Schädlinge wie der Buchdrucker-Borkenkäfer freuen sich über milde Temperaturen.
Foto: Ulrich Wagner

Für Schädlinge wie den Buchdrucker-Borkenkäfer, den Hauptschädling in unserer Region, ist der milde Winter jedoch durchaus vorteilhaft, so der Experte. Der Käfer könne die kalte Jahreszeit so gut überstehen. Dazu komme, dass die Bäume durch die Trockenheit im Sommer nicht genügend Wasser gespeichert haben, um sich gegen den Schädling zu wehren.

Auch im eigenen Garten vermehren sich Schädlingen rasant

Schädlinge sind dabei nicht nur in den Wäldern ein Problem, sondern auch direkt vor unserer Haustür: In unseren Gärten überleben sie durch milde Temperaturen im Winter ebenso viel besser. „Es kommt im Garten zu einer massiven Schädlingsvermehrung“, meint Thomas Haag, Betriebsleiter im Wörner Gartencenter in Neusäß-Vogelsang. Glücklicherweise überleben in milden Wintern auch Nützlinge besser, was helfen kann.

Warme Winter sind trotzdem für Gartenbesitzer problemtisch: „Pflanzen benötigen eine Ruhephase im Winter. Wenn es durch milde Temperaturen Anreize zum frühen Austreiben gibt, ist das besonders bei spätem Frost ein Problem“, so Haag. In milden Wintern sei es also wichtig, Gartenpflanzen ausreichend zu schützen: Haag empfiehlt, Pflanzen mit Jute oder Fleece zu umwickeln oder mit Fichtenzweigen abzudecken, um sie vor Temperaturwechseln abzuschirmen.

Doch nicht nur für Pflanzen und Tiere bedeuten steigende Temperaturen im Winter eine Umstellung, auch für Forstarbeiter stellen sie eine Herausforderung dar. „Bei Frost und Schnee hinterlässt die Forstarbeit weniger Bodenschäden“, so Wolfgang Sailer. Auf den matschigen Forstwegen sinken die Maschinen eher ein und verursachen damit Schäden.

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