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Langenneufnach

28.11.2017

Lebensnarben in Kunst und Politik

Der Langenneufnacher Josef Böck ist gerne in seiner Werkstatt. Abseits seiner kommunalpolitischen Tätigkeit arbeitet er dort kreativ mit Holz. So entstehen Skulpturen mit viel Herzblut.
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Der Langenneufnacher Josef Böck ist gerne in seiner Werkstatt. Abseits seiner kommunalpolitischen Tätigkeit arbeitet er dort kreativ mit Holz. So entstehen Skulpturen mit viel Herzblut.
Bild: Siegfried P. Rupprecht

Josef Böck suchte in einer schweren Zeit als Bürgermeister von Langenneufnach Kraft in der Bildhauerei. Holz zeigt ihm Spannungen in der Natur und zugleich neue Ausdrucksstärke.

Kultur und Politik sind äußerst unterschiedliche Bereiche. Viele Hobbymusiker unter heimischen Kommunalpolitikern zeigen jedoch: Beide Themenfelder können verflochten sein. Ein Beispiel dafür ist auch Josef Böck. Der Langenneufnacher Bürgermeister hat sich seit etlichen Jahren der Bildhauerei verschrieben. Er arbeitet gerne mit Obstbaumhölzern, vor allem mit Apfel, Kirsche und Zwetschge. Wegen der schönen Maserungen, sagt er. Zudem seien diese Hölzer voller Lebensnarben. Auch das hat mit dem Leben außerhalb der Kunst zu tun. Im Naturparkhaus in Oberschönenfeld ist bis 7. Januar seine erste öffentliche Ausstellung zu sehen. Auch seine Amtskollegin Silvia Kugelmann aus Kutzenhausen stellt dort aus.

Natur gibt die Struktur vor

Bei seiner Arbeit „taucht“ Böck ins Holz ein, will dessen Seele finden und erkunden. „Die Strukturen, Furchen und Wucherungen sind lebendige Ausdrucksmittel“, verdeutlicht er. Jedes Holz sei einzigartig und habe eine eigene Geschichte. „Dabei frage ich mich, was mir das Holz wohl sagen will.“ Die Ideen kommen aus dem Holz heraus: „Ich zwinge dem Material keine Form auf. Manche Hölzer haben bereits eine von der Natur geschaffene perfekte, abstrakte Struktur.“ Da gelte es nur noch, behutsam die Rinde zu lösen und mit Flex, Fingerschleifer, Dremel-Fräser und Schleifpapier das Kunstwerk freizulegen.

Nicht immer ist es so einfach. Oft „wehre“ sich das Holz, wie Böck schmunzelnd erzählt. „Es wartet mit Überraschungen auf, mit Pilzerkrankungen, Rissen und Astlöchern.“ Was dann an kreativer Arbeit herauskomme, sei oft nicht vorhersehbar. Nicht selten legt er ein Stück hundertmal und öfters beiseite. Nach Wochen oder Monaten kommt dann plötzlich eine Idee zur fantasievollen Umsetzung. So lange gehe man mit der Arbeit schwanger, sagt er. Bis eine große Skulptur fertig ist, können mehrere Monate, zuweilen auch Jahre vergehen.

Bildhauerei ist mehr als Basteln

Holzfan ist Josef Böck seit 2004. Damals absolvierte er einen Wochenend-Workshop beim Augsburger Bildhauer Hans-Jürgen Conrad, der auch Mitglied des Kunstvereins Bobingen ist. „Hier lernte ich die Schönheit und den Umgang mit dem Material kennen“, erinnert er sich. „Und den Respekt vor dem Holz.“

Acht Jahre vergingen, bis Böck kreativ selbst Hand ans Holz legte. Auslösender Punkt seien damals die vielen kritischen Äußerungen in der Bevölkerung zur Asylunterkunft in Langenneufnach gewesen. „In dieser negativ geladenen Zeitspanne brauchte ich etwas Positives.“ Die Suche danach endete in der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Material Holz.

Schnell merkte er, dass die Bildhauerei mehr ist als nur Basteln. „Jedes Holz war anders, war einzigartig, ließ spannende Ergebnisse erzielen.“ Jedes Stück entwickle sich zu einem eigenständigen Unikat. Zugleich strahle Holz eine wohltuende Wirkung aus. Das sei bis heute so geblieben, bestätigt Böck.

Seitdem hat der Bildhauer-Bürgermeister eine beachtliche Zahl von Skulpturen geschaffen. Alle sind nichtfigürlich. „Mir hat von Anfang an das Spiel mit der Abstraktion gefallen“, gesteht er. Die figürliche Umsetzung interessiere ihn bei Weitem nicht so. Dabei wendet er viel Herzblut auf, seine Skulpturen zu verfeinern. Um mehr Aussagekraft zu erzielen, werden Specksteine integriert, LED-Lichter, Metalle, Glas- oder Lavasteine angebracht und Leinöl aufgetragen.

Ausdrücklich erlaubt: die Kunstwerke anfassen

Viel Zeit investiert Böck auch in die Titel seiner Werke. Nicht alle tragen so einfache Namen wie „Wahrheit“, „Tanzender Engel“ und „Gefangenes Herz“. Anleihen holt er sich aus nordischen Sagen oder irischen Märchen. Als Beispiel nennt er „Mili Mola“. Das heißt in der Sprache der Dani auf Neuguinea „dunkel/hell“. Oder „Yggdrasil“, die Weltesche in der nordischen Mythologie. „Die Form der Skulptur muss mit dem Titel korrespondieren“, macht er aufmerksam.

Wie Hans-Jürgen Conrad will auch Böck den Betrachtern die Scheu vor Skulpturen nehmen. Ausdrücklich fordert er auf, die Werke anzufassen. „Kunst berührt, demzufolge darf sie auch berührt werden“, zitiert er den Augsburger Bildhauer. Böck bezeichnet sich als filigranen Arbeiter. In der Politik herrsche in der Regel ein hektisches Tagesgeschäft. „Ich vergleiche sie mit dem Wellenreiten, ein ständiges Auf und Ab.“ Der 59-Jährige muss es wissen. Seit 1990 ist er in der Kommunalpolitik tätig. Kunst sei für ihn ein Ruhepol der Seele.

  • Die Ausstellung

„Duett in Holz und Farbe“ von

Josef Böck

und der Bürgermeisterin von

Kutzenhausen

,

Silvia Kugelmann

, ist bis einschließlich Sonntag, 7. Januar 2018, im Naturparkhaus

Oberschönenfeld

zu sehen. Die Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, jeweils von 10 bis 17 Uhr.

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