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Meitingen/Thierhaupten

16.04.2015

Lechbrücke: Ärger um Naturschutz

Nicht gerade viel Platz haben die Radfahrer auf Lech- und Lechkanalbrücke zwischen Meitingen und Thierhaupten. Neue Radwegebrücken sind zwar geplant, doch können sie noch nicht gebaut werden.
Bild: Marcus Merk

Die Radwegbrücken über Lech und Lechkanal, die heuer gebaut werden sollten, können doch erst nächstes Jahr realisiert werden. Spezielle Untersuchungen zum Artenschutz verzögern das Projekt. Zudem haben sich die Kosten erhöht.

Radfahrer sehnen sie sicher herbei: die für heuer geplanten neuen Radwegbrücken über den Lech und den Lechkanal zwischen Meitingen und Thierhaupten. Doch aus dem Bau wird erst einmal nichts. Wegen naturschutzfachlicher Untersuchungen wurde der Baubeginn aufs nächste Jahr verschoben, bestätigte das Staatliche Bauamt auf Anfrage. Zudem werden die Brücken teurer: Statt wie bisher angenommen 1,5 Millionen Euro sollen sie nun 2,4 Millionen Euro kosten.

Ein Landschaftsplanungsbüro aus Augsburg ist mit den Untersuchungen zum Naturschutz beauftragt worden, die bis Juni dauern werden. Laut Peter Neumayer, Sachgebietsleiter Landschaftsplanung beim Staatlichen Bauamt, soll ein Landespflegerischer Begleitplan erstellt werden sowie eine Spezielle artenschutzrechtliche Prüfung (SAP) durchgeführt werden. Bei der SAP wird nach Angaben von Neumayer das Vorkommen bestimmter Tierarten wie Flussregenpfeifer und Fledermaus überprüft.

Weshalb erst jetzt feststeht, dass diese Untersuchungen gemacht werden müssen, erklärt Robert Moser, Abteilungsleiter Brückenbau beim Staatlichen Bauamt. Demnach ist man zu Beginn der Planung davon ausgegangen, dass es sich um eine unkomplizierte Maßnahme handelt. Doch als man mehr ins Detail gegangen sei, habe man feststellen müssen, dass es dort am Lech sehr hochwertige Naturbereiche und Vogelarten gebe. Moser: „Die naturschutzfachlichen Vorgaben für diesen Fall können wir nicht aushebeln.“ Sie gelten europaweit und unabhängig davon, ob im betreffenden Gebiet schon eine Straße stehe oder nicht. Geklärt werde damit auch, wie man die Natur beim Bau möglichst schonen kann. Zwar handele es sich bei den drei Brücken um Fertigbauteile, doch seien für die Bauarbeiten größere Aufschüttungen und Rodungen von etlichen hundert Quadratmetern auf jeder Seite notwendig sowie Betonarbeiten für die Pfeiler und Widerlager. Dies könnte zum Beispiel den Flussregenpfeifer, der auf den Kiesbänken brüte, beeinträchtigen. Man werde deshalb die Bauarbeiten vor der Brutzeit beginnen und gehe davon aus, dass der Vogel sich dann andere Bereiche zum Brüten suchen werde. Wie man die Fledermäuse schützen kann, müssten Experten angeben. Meitingens Bürgermeister Michael Higl zeigte sich „wenig begeistert“ von der Verzögerung und den Mehrkosten, die sich durch die Detailplanung ergeben hätten. Meitingen habe die Kostensteigerungen allerdings schon im Haushalt berücksichtigt. Man gehe bei einer staatlichen Förderung von 70 Prozent von rund 310000 Euro für Meitingen und knapp über 420000 Euro für Thierhaupten aus – denn beide Kommunen wollen die Kosten gemeinsam schultern. Froh sei man, dass die Maßnahme weiterhin vom Freistaat mit mindestens 70 Prozent gefördert werde. Auch Thierhauptens geschäftsführender Beamter Anton Berchtenbreiter findet die Verzögerungen und Mehrkosten ärgerlich und unbegreiflich.

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Die Gemeinderatsfraktionen der Freien Wähler aus Thierhaupten und Meitingen haben sogar vor Ort an der Lechbrücke zusammen mit FW-Landtagsabgeordnetem Johann Häusler über die Kostensteigerung und den Bauverzug beraten, wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht. FW-Gemeinderat Claus Braun erinnerte daran, dass er das Projekt bereits im Jahr 2012 vorgeschlagen habe. „Aufgrund der großen Arbeitgeber und der Einzelhandelsstruktur wird die Radverbindung nach Meitingen sehr stark genutzt“, so Braun. Eine Situation, in der 40-Tonner-Lkw nur wenige Zentimeter an Radfahrern vorbeidonnern, sei deshalb nicht mehr länger tragbar. „Wir brauchen dringend eine Lösung“.

Meitingens FW-Fraktionschef Fabian Mehring bezeichnete es als „absurd“, dass wegen einer kleinen Radbrücke neben einer seit Jahrzehnten bestehenden Straße über Monate hinweg artenschutzrechtliche Prüfungen durchgeführt werden müssten. „Mir ist die Sicherheit der Menschen, die dort den Lech überqueren, wichtiger, als die Frage, ob ein paar Vögel ihre Brutstätten um einige Meter verlagern müssen“, so Mehring. FW-Landtagsabgeordneter Häusler will sich nun ans Staatliche Bauamt wenden und meint: „Dieses Projekt ist zu wichtig, um es unnötig aufzuschieben“.

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