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Biberbach/Meitingen

18.12.2019

Lechstahl: Knatsch zwischen Nachbarn geht weiter

Es gibt eine nächste Runde im Streit zwischen Biberbach und Meitingen wegen der Erweiterungspläne der Lech-Stahlwerke.
Bild: Marcus Merk

Biberbach rüstet sich für eine juristische Auseinandersetzung mit Meitingen. Und ein Baugebiet sorgt für Ärger.

Nächste Runde im Streit zwischen Biberbach und Meitingen wegen der Erweiterungspläne der Lech-Stahlwerke: Nach Abwägung der Einwendungen am Anfang Dezember im Meitinger Marktgemeinderat sei klar, dass die Anliegen Biberbachs nicht gebührend berücksichtigt würden, sagte der Biberbacher Bürgermeister Wolfgang Jarasch seinem Gemeinderat in dessen jüngster Sitzung.

Die Belastung der Bevölkerung im Ortsteil Zollsiedlung sei seit Jahren zu hoch, die Lärmwerte überschritten. Weitere Belastungen seien nicht mehr zumutbar. In punkto Lärm- und Artenschutz bezweifle man die Qualität der Gutachten. Biberbach will kein Vorgehen in „Salamitechnik“, so Jarasch, sondern ein geordnetes Verfahren, in dem alle geplanten Veränderungen zusammengeführt betrachtet würden.

Grünes Licht für die Beauftragung von Gegengutachten

Als „große Sauerei“ bezeichnete Wolfgang Bertele (FW) das Vorgehen von Meitingen. „Genau dieser Markt Meitingen hat den Erhalt des Waldes beim Bau der Bundesstraße ganz hoch gehalten.“ Dadurch sei die Straße weiter ins Schmuttertal und näher an die Wohnbebauung gerückt. Einstimmig gab der Marktgemeinderat dem Bürgermeister grünes Licht für die Beauftragung von Gegengutachten und die rechtliche Vertretung der Gemeinde.

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Im Ortsteil Markt soll ein neues Baugebiet am Steinbichl entstehen. Der Bebauungsplan war bereits beschlossene Sache, nun kam eine Änderung dazu. Anders als bisher geplant, soll nun das gesamte im Flächennutzungsplan zur Wohnbebauung vorgesehene Areal im Plan erfasst werden. Rund 36 Bauplätze könnten dort ausgewiesen werden. Der Gemeinderat beschloss die Änderung des Bebauungsplans.

Eine einzige Einfahrt in ein Wohngebiet sei ungünstig

Eine Verkehrsverbindung zwischen dem bestehenden Wohngebiet Steinbichl zum neuen Baugebiet „Steinbichl II“ möchte Franz Bayer (CSU) aus Gründen der Verkehrsberuhigung nur über einen Fuß- und Radweg sehen. Die Bewohner von Steinbichl II sollen über eine eigene Erschließungsstraße zur Schlossstraße fahren. Eine einzige Einfahrt in ein Wohngebiet sei ungünstig, sollte es zu Bauarbeiten an der Straße kommen, so Bürgermeister Wolfgang Jarasch. Doch ein Fuß- und Radweg, der bei Bedarf für Kraftfahrzeuge geöffnet werden könnte, sei ein gangbarer Weg.

Beifallsklopfen aber auch Zwischenrufe eines aufgebrachten Bürgers gab es während der Beratun-gen. Schon bei der Aufstellung des Flächennutzungsplans gab es Einwendungen gegen die dort geplante Wohnbebauung. Bewohner des „alten“ Baugebietes möchten lieber den freien Ausblick behalten, andere Markter Bürger freuen sich über Bauplätze für junge Familien.

Nicht wie geplant im September 2020, sondern erst im Dezember könnte die Erweiterung der Kindertagesstätte fertig sein, informierte Architekt Franz Weiß vom Pla-nungsbüro Obel den Marktgemeinderat. Verzögerungen hätten sich aus Schwierigkeiten mit dem Erdaushub und der notwendigen Fällung eines Baumes ergeben.

Fundament der Betonmauer wurde ins Nachbargrundstück hineinragen

Dafür habe man eine Sondergenehmigung einholen müssen, deren Erteilung allein drei Wochen in Anspruch genommen habe. Auch bei der Anlage einer Stützmauer gibt es noch Klärungsbedarf. Gebaut wird am Hang, dafür muss viel Erdreich stabilisiert werden. Der Marktgemeinderat hatte sich für eine Betonmauer anstatt der mehr als doppelt so teuren Mauer aus Naturstein entschieden. Nun stellte sich heraus, dass das Fundament der Betonmauer weit in den Untergrund des Nachbargrundstücks hineinragen müsste. Das ist keine Option, somit muss nun doch eine Natursteinmauer her. Genaue Zahlen hatte der Planer dafür noch keine.

Nach Weihnachten werde man die Materialkosten prüfen, so die Aussage. Die würden von 160 bis 270 Euro pro Tonne rangieren. Ob es bei dem Preis von rund 75 000 Euro für die Natursteinmauer bleibt, steht in den Sternen. Durch den Bauboom gehen die Kosten auf dem Bau immer noch durch die Decke, ließ der Planer sich auf keine Zahl festlegen.

Biberbach verpflichtet sich künftig beim Bauen der Innenentwicklung den Vorrang vor neuen Baugebieten auf der grünen Wiese zu geben. Das hat der Marktgemeinderat beschlossen. Auslöser ist die Initiative „Innen statt Außen“ der Bayerischen Staatsregierung. Ortskerne sollen belebt, Flächen gespart werden. Dafür gibt es für Projekte im Innenraum 80 Prozent der förderfähigen Kosten vom Staat als Zuschuss. (sdk)

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