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Asylbewerber im Landkreis Augsburg

29.04.2015

Letzter Ausweg: Flüchtlinge sollen in Turnhallen und Zelte

Die Turnhalle des Kreisjugendheims in Dinkelscherben soll mit Flüchtlingen belegt werden.
Bild: Marcus Merk

Die Lage im Landkreis spitzt sich zu. Schuld daran sei auch die Bundeswehr, sagt ein Bürgermeister

Die Lagebesprechungen des Landrats mit seinen Amtsleitern sind Routine. Doch am Dienstag geriet die Morgenrunde zum kleinen Krisengipfel. Den Grund dafür erläuterten Martin Sailer und seine Bereichsleiterin für öffentliche Sicherheit, Marion Koppe, wenig später den Bürgermeistern aus dem Landkreis.

Dieser wird voraussichtlich im Juni beginnen, Schulturnhallen mit Asylbewerbern zu belegen. Darüber hinaus denkt das Landratsamt darüber nach, für Flüchtlinge eine Zeltstadt zu errichten. Aktuell fehlen der Behörde 1000 Plätze bis Jahresende. Diese Lücke können auch die geplanten Siedlungen in Neusäß, Stadtbergen Gersthofen und Königsbrunn nicht schließen.

Nach den aktuellen Planungen soll zuerst die Turnhalle am Kreisjugendheim Dinkelscherben belegt werden, danach ist die Turnhalle am Gymnasium Schwabmünchen an der Reihe. Die weiteren Turnhallen auf der Liste sind die der Gymnasien in Königsbrunn und Neusäß. Nach Einschätzung des Landratsamtes könnten die Turnhallen für mehrere Monate, sogar Jahre belegt sein, weil der Zustrom an Flüchtlingen unvermindert anhält. Koppe: „Wir haben keine Alternative.“

Wie Landrat Martin Sailer sagte, geht der Landkreis parallel an die Planungen für den Bau größerer Aufnahmeeinrichtungen. Sailer: „Vielleicht müssen wir eine Zeltstadt errichten.“ Das seien keine Horrorszenarien, sondern „bittere Realität“. Wie bereits mehrfach berichtet, geht Sailer davon aus, dass die derzeit gültige Prognose von 2600 Asylbewerbern, die der Landkreis bis Jahresende aufnehmen muss, von der Wirklichkeit übertroffen wird.

Laut Koppe nimmt kein Landkreis in Schwaben – gemessen an der Einwohnerzahl – derzeit so wenige Asylbewerber auf wie der Landkreis Augsburg. Das sei auf Dauer nicht durchzuhalten. Die Juristin schätzt, dass die vorhandenen Unterkünfte mit „viel Glück“ im Mai noch reichen. Dann sollen mit Unterstützung von Hilfsorganisationen die Turnhallen umgerüstet werden.

Bobingens Bürgermeister Bernd Müller rief unter dem Beifall seiner Bürgermeisterkollegen zum Protest vor dem Bundesverteidigungsministerium auf: „Wie lange wollen wir uns noch die leer stehenden Kasernen auf dem Lechfeld bieten lassen, wie sollen wir das den Eltern erklären?“, fragte Müller?

Laut Sailer ist der Landkreis bislang mit jeder Anfrage bezüglich der Kasernen am Widerstand des Militärs gescheitert. Er forderte die Rathauschefs auf, bei der Suche nach Quartieren für Asylbewerber nicht mehr so große Rücksicht zu nehmen. Wie die Wortmeldungen mehrerer Rathauschefs verdeutlichten, ist die Unterbringung der Asylbewerber, von denen laut Koppe etwa 30 Prozent anerkannt werden, nur ein Problem der Kommunen in diesem Zusammenhang. Ein weiteres ist der Mangel an kleinen und billigen Wohnungen. In diesem Bereich konkurrieren die anerkannten Asylbewerber mit den Einheimischen. Meitingens Bürgermeister Michael Higl warnt deshalb vor „zusätzlichem Sprengstoff“, Stadtbergens Paul Metz drängt: „Nur mit Aussitzen werden wir dieses Problem nicht lösen.“

Ein weiteres Problem ist der Mangel an Sprachkursen. Asylbewerber, die eine Arbeitserlaubnis haben, müssen derzeit nun Monate auf einen Platz warten. Ohne Deutschkenntnisse bekommen sie aber keinen Job – für Michael Müller sind die Wartezeiten ein Unding. Emersackers Bürgermeister ist im Hauptberuf Geschäftsführer eines Jobcenters und spricht von einer „gefährlichen Mischung“. Hoch motivierte Flüchtlinge wollten arbeiten, säßen aber mangels Deutschkenntnissen untätig in den Unterkünften.

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