Abenteuer Mama

28.12.2018

Liebe kennt kein Zuviel

Babys brauchen viel Liebe und Nähe.
Bild: Arno Burgi, dpa (Symbolfoto)

Warum gut gemeinte Ratschläge bei der Erziehung des Kindes irgendwie auch wie Schläge sind.

Wenn es ums Thema Erziehung geht, meint jeder die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben! Was man sich als junge Mutter alles anhören muss, ist echt unglaublich.

„Du verwöhnst das Kind zu sehr!“, sagen gerne mal ältere Semester. „Du wirst schon sehen, was du davon hast“, wird gerne hinzugefügt. Rein aus Höflichkeit lasse ich mich auf keine Grundsatzdiskussion ein. Aber es muss hier an dieser Stelle einmal gesagt werden: Babys kann man nicht verwöhnen.

Ein Relikt aus ganz dunklen Zeiten

All das, was mein Kind im ersten Lebensjahr von mir bekommt, fällt unter die Kategorie Bedürfnisbefriedigung. Es gibt kein zu viel an Nähe und Liebe. Ich habe mich mal schlau gemacht, woher diese Angst vor dem Verwöhnen kommt. Tatsächlich ist das noch ein Relikt aus ganz dunklen Zeiten des letzten Jahrhunderts.

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Damals war Johanna Haarers Buch „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ der Verkaufsschlager schlechthin. Darin finden sich Tipps à la „Liebe Mutter, werde hart!“, verbunden mit der eindringlichen Warnung, das weinende Kind ja nicht aus dem Bett zu nehmen. Man zöge sich sonst nur einen „unerbittlichen Haustyrannen“ an. Gruselig.

Die Mahnung hallt immer noch nach

Die Mahnung, das Kind ja nicht zu sehr zu verwöhnen, hallt wohl immer noch in den Ohren vieler gerade älterer Mütter nach. Das Kind könnte verweichlichen, wurde darin gewarnt. Man muss das Buch vor allem im gesamtgesellschaftlichen Kontext dieser Zeit sehen. Und was ich noch viel unglaublicher finde: Bis in die 1980er hinein gab es dieses „grandiose“ Nachschlagewerk im Handel – wenn auch etwas modifiziert! Ich habe definitiv keine Sorge, mein Kind könnte eine kleine Mimose werden, wenn ich es jetzt viel trage, abbussle und mit ihm kuschle. Es ist ein Baby!

Dann gibt es noch das leidige Thema Kleidung. Damit meine ich nicht die Frage, ob das Hemd zur Hose passt. Vielmehr muss ich die Frage „Friert der Bub nicht in der dünnen Jacke?“ beantworten. Wahlweise kann man „Jacke“ durch Hose oder Pulli ersetzen. Oder auch gerne gefragt: „Braucht er nicht eine Mütze/Handschuhe/Strumpfhose/was-auch-immer?“

Wer kennt das Kind am besten, würde ich manchmal am liebsten patzig zurückfragen, was mir jedoch meine gute Kinderstube verbietet. Stattdessen merke ich, wie ich nett lächle und freundlich antworte: „Nein, ihm ist nicht zu kalt. Er ist ein kleiner Heißblütler.“

Ein bisschen Abhärtung schadet nicht

Interessanterweise hat beim Thema Kleidung niemand die Ansicht, dass das Kind verweichlichen könnte. Wer dauerhaft zu dick angezogen ist, wird schneller zur Frostbeule. Davon bin ich überzeugt. Ein bisschen Abhärtung schadet doch ganz bestimmt nicht! Es gibt diesen Spruch: Ratschläge sind Schläge. Das halte ich für übertrieben, aber ein Körnchen Wahrheit steckt schon darin.

Darum: Gute Tipps gerne, Bevormundung bitte nicht! Junge Mütter wie ich wissen die Kompetenz anderer Mütter wirklich zu schätzen. Aber wenn wir uns dann doch anders entscheiden, sollte das auch respektiert werden.

Ich werde schon sehen, was ich davon habe. Im Idealfall ein nicht verweichlichtes Kind mit einem warmen Herz!

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