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Landkreis Augsburg

29.05.2014

Lieber einen Verweis als kein Handy

„Ein Wochenende ohne Handy ist schlimm“, sagt Schulleiter Horst Walther. Denn wer dem Handyverbot nicht folgt, dem wird es weggenommen.
Bild: Marcus Merk

In den Schulen ist einiges verboten: eingeschaltete Smartphones, Kameras und E-Zigaretten. Was passiert, wenn Schüler trotzdem rauchen und chatten, ist unterschiedlich

Als vor Kurzem das Kultusministerium offiziell das Rauchen von Shishas und E-Zigaretten an Schulen verbot, dachten sicher viele: „E-was?“ „Viele unserer Lehrer und auch Eltern hatten lange keine Ahnung, was das ist“, sagt Franz Weichselgärtner, Leiter des Justus-von-Liebig-Gymnasiums in Neusäß. Dabei war das Problem an seiner Schule schon lange vor der Anweisung des Ministeriums bekannt, und ein Elternbrief machte deutlich, dass das Rauchen von E-Zigaretten strikt verboten ist. „Im März dieses Jahres berichtete unser Hausmeister, dass Schüler der Mittelstufe auf der Toilette E-Shi–shas rauchen“, erzählt Weichselgärtner. Und meint die kleinen, aromatisierten Wasserpfeifen.

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Sie sind zwar ohne Nikotin, stehen aber im Verdacht, krebserregend zu sein. Suchtberater warnen ferner eingehend vor dem Konsum der E-Shisha als Einstiegsdroge. Das sieht auch der Neusässer Schulleiter so: „In der 7. oder 8. Klasse ist E-Shisha vielleicht noch cool, danach müssen es echte Zigaretten sein.“ Seit dem Elternbrief sei aber niemand mehr beim Rauchen erwischt worden. Sonst würde ein Verweis drohen und die Zigaretten eingezogen.

Auch am Paul-Klee-Gymnasium gab es schon zwei Fälle, in denen Schüler mit E-Zigaretten erwischt wurden. Sie haben zwischen den Stunden in den Klassenzimmern geraucht. Für Schulleiter Peter Krauß war es gar keine Frage, was mit ihnen passiert. „Die Schüler bekamen einen verschärften Verweis“, sagt er. Rauchen in der Schule verstößt gegen die Hausordnung, egal ob E oder normal. Und das schon vor der Anweisung des Kultusministeriums.

Lieber einen Verweis als kein Handy

Ein anderes Problem, das die Schulen seit Langem beschäftigt, sind Handys. „Mobiltelefone sind eine gute Erfindung, die begrüßen wir auch“, sagt Realschuldirektor Horst Walther. Aber die Geräte bergen auch Gefahren, wie Mobbing, und vor allem Ablenkung. Zwar schreibt das Bayerische Erziehungs- und Unterrichtsgesetz klare Regeln vor, wie mit Mobiltelefonen umgegangen werden soll, die Umsetzung an den Schulen ist aber ganz unterschiedlich.

Wenn das Handy nicht ausgeschaltet in der Tasche liegt, kommt es weg. Da sind sich ziemlich alle Schulleiter einig. „Diese Fälle häufen sich“, sagt Franz Weichselgärtner aus Neusäß. Dort wird dann der Name auf das Handy geklebt, und nachmittags kann es der Schüler wieder haben. Außer es kommt öfter vor – dann müssen es die Eltern abholen, und es kann einen Verweis geben. Aber der Verweis werde oftmals nicht so schlimm empfunden wie ein oder zwei Tage ohne Handy.

Das nutzen die Schulleiter in Zusmarshausen und Gersthofen aus. Am Gymnasium in Gersthofen muss der Schüler eine Woche warten, bis er sein Mobiltelefon wieder bekommt, an der Realschule in Zusmarshausen bis zum folgenden Montag. Oder die Eltern holen das Gerät sofort ab. „Ein Wochenende ohne Handy ist für die Schüler sehr schlimm“, sagt Realschuldirektor Walther. Vielleicht halten sich seine Schüler deswegen an das Verbot.

Ein bis zwei Telefone lagern auch stets im Schultresor in Diedorf. „Die müssen die Eltern dann abholen“, erklärt Günter Manhardt, Rektor des Schmuttertal-Gymnasiums. Verweis gab es wegen Handybenutzung oder E-Shishas noch keinen, Eltern und Schüler wurden vor geraumer Zeit für das Thema sensibilisiert, seit der erste Fall von Shisha-Rauchen entdeckt wurde. „Seitdem kam es nicht mehr vor“, so Manhardt.

In der Realschule Neusäß waren es vor etwa drei Wochen die Eltern, die auf den Konsum ihrer Kinder von E-Shishas hingewiesen haben. „Uns war das gar nicht bekannt, denn die Schüler rauchen offenbar vor allem auf dem Schulweg“, so Rektor Roland Hajek. Seitdem ist auch das Rauchen von E-Zigaretten – wie das Rauchen generell – streng verboten. Ebenso das Einschalten eines Handys – obwohl Hajek anders als seine Kollegen davon absieht, das Handy vorübergehend einzubehalten, wenn ein Schüler damit erwischt wird. „Ich persönlich halte das nicht für legal“, so der Schulleiter. Er wäre für ein generelles Handyverbot an Schulen. Denn die meisten Mobbingfälle werden durch die Chats per Smartphone erst richtig angeheizt. „Aber das ist nicht durchsetzbar, viele Eltern wollen es auch nicht.“

Wer gegen das Handy- oder das Rauchverbot verstößt, dem droht eine Ordnungsmaßnahme, zum Beispiel ein Verweis. „Aber wahrscheinlich nicht gleich beim ersten Mal, wir machen das mit Augenmaß“, so Roland Hajek. Ein eingeschaltetes Handy im Unterricht kann aber auch ganz andere Konsequenzen haben. Im Justus-von-Liebig-Gymnasium in Neusäß etwa gäbe es auch Lehrer, die bewerten das Handy unterm Tisch während eines Tests mit der Note sechs – wie einen Spickzettel, erzählt Franz Weichselgärtner.

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