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Kultoursommer

25.07.2018

Lieder „zwischen Himmel und Erde“ verbinden

„Zwischen Himmel und Erde“ hieß das Jubiläumskonzert des Kirchenchors Emersacker. Foto: Michael Daum

Trauriges und Heiteres, Fröhliches und Nachdenkliches beim Chorkonzert in Emersacker

Wenn einmal im Jahr ein großes Konzert des gemeinsamen Chors der Pfarreiengemeinschaft Emersacker-Heretsried-Lauterbrunn ansteht, dann darf man sich wieder auf etwas ganz Besonderes freuen. So auch jetzt wieder in der Pfarrkirche St. Martin zu Emersacker. Mit der Aufführung der „Tango-Messe“ von Palmeri, die auch in Oberschönenfeld und Pfaffenhofen zu hören war, hatten sich die Sänger zuletzt einen exzellenten Ruf über die Grenzen des Holzwinkels hinaus erworben. Der große Erfolg zusammen mit dem Salonorchester belle epoque hatte aber laut Chorleiterin Sieglinde Kazemiyeh auch so seine kleine Schattenseite: Wollte man nun wieder etwas Ähnliches, zum Beispiel eine ambitionierte „Jazz-Messe“, auf die Beine stellen, „so wäre es sehr schwer, Palmeri noch zu toppen.“ Kazemiyeh hat sich aus diesem Dilemma am Sonntag mit einem cleveren Schachzug befreit: Sie machte etwas völlig anderes.

Leicht und spielerisch eröffnete der Chor mit dem ironischen Popsong „Nette Begegnung“ von Oliver Thies und gewann so im Handumdrehen die Zuneigung des Publikums. Sodann ernste Töne im direkten Anschluss: die beiden Popsongs „Wunder geschehen“ von Nena und Eric Claptons „Tears in Heaven“. Beide Musiker verarbeiteten hier auf musikalische Weise den schmerzhaften Verlust des eigenen Kindes. Ihre Melodien gingen in dem neuartig klingenden Arrangement für konzertanten Chorgesang besonders zu Herzen.

Melodien aus dem Musical „Sister Act“, dem Film „Schindlers Liste“, Gospelmusik, Trauriges und Heiteres, Fröhliches und Nachdenkliches gaben sich auch weiter die Hand, und noch mehr alte Bekannte traten in neuem Gewand auf. Leonard Cohen hätte sicher seine Freude gehabt an dieser Version von „Halleluja“.

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Fazit: Kazemiyeh setzte auf Kontrast. Sie montierte Lieder aus ganz unterschiedlichen Genres zu einer bunten, unterhaltsamen Collage mit verblüffendem Tiefgang. Und Marlies Bernhard fand wieder einmal die passenden, die richtigen Worte zwischen den Liedern. Mit ihrer einfühlsamen Moderation verhalf sie dem unter der Oberfläche verborgenen, geheimen Sinn der Lieder zum Leuchten und gab Hinweise zur Einordnung der musikalischen Puzzleteile in das große Ganze. Die „Lieder zwischen Himmel und Erde“, sie sollten verbinden. Sie sollten Brücken bauen und Mauern einreißen. Sie sollten Menschen mit Menschen verbinden und sie dazu anhalten, die Schöpfung und den Schöpfer zu loben. Marlies Bernhard fand hierfür immer wieder neue und sehr beherzte Worte. Und ließ auch mal deutliche Kritik am gegenwärtigen Umgang der Mächtigen aus Politik und Gesellschaft mit ihren weniger mächtigen Mitmenschen hören.

Mit ihrer überraschenden, insgesamt stimmigen Auswahl unterschiedlicher Melodien traf Kazemiyeh genau den Geschmack des Publikums, das bei den drei Zugaben auch laut und kräftig mitsang. Die Pianistin Liane Christian und die Violinistin Simone Clever zauberten mit ihrem Spiel noch mehr Sonnenschein in die Herzen. Strahlende Gesichter, auch Haus- und Pfarrherr Joachim Seiler zeigte sich in seinen Schlussworten fasziniert und sehr zufrieden.

Und zwischen Himmel und Erde tat sich etwas. Punkt acht Uhr trat – pünktlich vor der letzten Zugabe –das neue Geläut von St. Martin auf den Plan und zwang die versammelte Zuhörerschar für eine beachtliche Zeitspanne zum Innehalten und stillen Zuhören. Als darauf die Musiker wieder zu spielen anfangen wollten, gab die kleine Glocke Nr. 5 noch ein verspätetes Solo, was alle Anwesenden ausgesprochen erheiterte.

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