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Abwasser

25.11.2017

Lohnt sich eine gemeinsame Kläranlage?

So arbeitet die Kläranlage in Horgau heute.
Bild: Markt Zusmarshausen

Die Gemeinderäte von Zusmarshausen und Horgau diskutieren das Für und Wider. Warum kleine Spitzen bei der gemeinsamen Sitzung aber nicht ausbleiben

Die Horgauer kämpften einst erbittert – und erfolgreich – gegen die Eingemeindung nach Zusmarshausen. 34 Jahre nach dem historischen Urteil des Bayerischen Verfassungsgerichts könnten die beiden Gemeinden jetzt wieder gemeinsame Sache machen: bei der Kläranlage. Und damit wieder Geschichte schreiben. Zumindest nach den Worten des heutigen Bürgermeisters. „Wenn wir uns für die gemeinsame Sache entscheiden, dann wird uns das auf 50, ja sogar 100 Jahre aneinander binden“, kündigte Thomas Hafner bei einer Zusammenkunft der Gemeinderäte aus Zusmarshausen und Horgau an und saß dabei einträchtig neben dem Bürgermeister der Gemeinde, aus deren Gebietsreform-Fesseln man sich seinerzeit lösen wollte und dabei als „Rebellenort“ bundesweit Berühmtheit erlangt hatte.

Bernhard Uhl hatte zu Beginn der Beratung über ein gemeinsam betriebenes Klärsystem weitaus nüchterner dargelegt, dass es sich dabei um ein interkommunales Projekt handelte. Ein Beschluss war diesmal noch nicht vorgesehen, aber zumindest auf Zusser Seite gab es die meisten zustimmenden Diskussionsbeiträge in Richtung gemeinsamer Klärung.

Der Zusmarshauser Bürgermeister stand nach eigener Darstellung etwas mehr unter Druck, weil die wasserrechtliche Erlaubnis der örtlichen Kläranlage Ende kommenden Jahres abläuft und damit – im Gegensatz zum Nachbarort – dringender Handlungsbedarf besteht. Dennoch bescheinigte der an diesem Abend stark gefragte Planer Stefan Steinbacher der Anlage aus dem Jahr 1998 eine „Topform“ und „bestens gewartet, wie ich das noch nie zuvor irgendwo feststellen konnte“. Zwar halte das System die Belastungen noch aus, weil es auf 9000 Einwohnerwerte (EW) ausgelegt sei. Dabei handelt es sich um eine in der Abwasserbranche übliche Rechengröße für den Schmutzeintrag, die allerdings nicht mit der Einwohnerzahl gleichgesetzt werden kann. Für künftige Herausforderungen empfahl der Experte eine Festlegung auf 12600 EW.

Gute Noten gab es auch für die Kläranlage an der Roth in Horgau, die „seit Jahrzehnten gute Dienste leistet und tadellos läuft“ – allerdings „so nicht zukunftsfähig ist“. Obwohl der rechtliche Rahmen noch bis ins Jahr 2026 Bestand habe, riet der Fachmann auch hier, über eine Ertüchtigung oder „über gemeinsame Lösungen nachzudenken“. Das könne etwa der Anschluss der Horgauer Kläreinrichtung an das dann modernisierte und vergrößerte Zusmarshauser System sein. Der Planung zufolge würde von einer Pumpstation in Horgau eine sieben Kilometer lange Leitung entlang der Staatsstraße zur Kläranlage an der Zusam führen.

Anhand umfangreicher Tabellen mit Kostenvergleichen zwischen gemeinsamer wie getrennter Klärung machte Steinbacher deutlich, dass die Unterschiede in wirtschaftlicher Hinsicht kaum der Rede wert seien. Zu den eindeutigen Vorteilen einer etwas teureren Einheitslösung zählte Steinbacher etwa einen reduzierten Verwaltungsaufwand und bessere Möglichkeiten zur Qualifizierung des Personals. Hinzu käme zum Beispiel die Entlastung des Rothsees. Letzteres lag vor allem Walter Aumann (SPD) „besonders am Herzen“, sagt er: „Ich tendiere zu einer gemeinsamen Lösung.“

Mit einem gewissen Schmunzeln meldete sich daraufhin Johann Ohnesorg vom Bürgerverein Rothtal zu Wort, dass dieses Gewässer Zusser Gebiet sei und dessen Gemeinde bei einer Erneuerung der Horgauer Anlage „uns doch etwas rüberspringen lassen“ müsse. Woraufhin ein frotzelnder Zusmarshauser Rathauschef künftige Eintrittsgebühren für Badegäste aus Horgau nicht ausschließen wollte. Zurückgekehrt zur Ernsthaftigkeit lobte CSU-Fraktionschef Hubert Kraus „den Mut der beiden Bürgermeister zu diesem ersten Schritt“ und der Diskussion, die nach den guten Erfahrungen etwa mit der gemeinsamen Musikschule auf stabilen Grundlagen erfolgen könne. Daher riet Thomas Hafner, sich nicht schon jetzt an kleinsten Details festzubeißen, sondern in den kommenden Monaten darüber nachzudenken. Das Thema soll auf der Tagesordnung bleiben.

Weil die Geräuschkulisse am Schluss angesichts der geballten Anwesenheit von Mandatsträgern immer weiter anstieg, sah sich Gastgeber Bernhard Uhl gar gezwungen, das Ordnungsglöckchen zu schwingen. Verbunden mit der Idee, zur „Vertiefung“ der Debatte gemeinsam ins nahe gelegene Pilsstübchen zu marschieren.

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