1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Märchen – warum sie die Seele ordnen

Meitingen-Herbertshofen

01.02.2017

Märchen – warum sie die Seele ordnen

Krimhilde Lechner ist zertifizierte Märchenerzählerin. Wenn sie demnächst in den Ruhestand geht, will sie sich dieser Aufgabe widmen. 
Bild: Foto: Simone Wanzek-Weber

Krimhilde Lechner, derzeit noch Kindergartenleiterin in Herbertshofen, hat eine Ausbildung zur Märchenerzählerin gemacht. 

Vor Krimhilde Lechner liegt ein neuer Lebensabschnitt. Nach 30 Jahren als Erzieherin, davon 20 Jahre als Leiterin des Kindergartens Herbertshofen, winkt ab März die große Freiheit. Doch was anfangen mit den vielen freien Stunden? Krimhilde Lechner hat sich frühzeitig mit dieser Frage beschäftigt und dann eine sehr ungewöhnliche Ausbildung begonnen: Ein Jahr lang hat sie in vier mal 40 Lehreinheiten bei der Sebastian-Kneipp-Akademie in Bad Wörishofen das Märchenerzählen gelernt. Die 64-Jährige aus Herbertshofen darf sich nun zertifizierte Märchenerzählerin nennen.

Ihren ersten öffentlichen Auftritt hat sie bereits hinter sich: im November letzten Jahres im Kindergarten Aystetten mit dem Märchen Frau Holle. „Die Kinder haben fantastisch reagiert und waren voll dabei“, freut sich Krimhilde Lechner über ihre geglückte Bühnenpremiere. Und der nächste Termin wartet schon: Am Donnerstag, 2. Februar, wird sie ab 17.30 Uhr in der „Begegnungsstätte am Fiakerpark“ in Meitingen erwachsenen Menschen Märchen erzählen – natürlich nicht „Frau Holle“, sondern solche, von denen auch Ältere etwas haben. „Märchen gibt es für alle Anlässe und jedes Alter“, weiß die versierte Märchenfrau, die schon seit Jahrzehnten einschlägige Bücher kauft und entsprechende Seminare besucht. „Sie sind spannend, oft humorvoll und tiefsinnig“, lässt sich Lechner weiter über ihr Lieblingsthema aus und betont: „In den Märchen steckt die Wahrheit, finden sich die Erfahrungen des Lebens, das Gute und das Böse. Sie sind Nahrung für die Seele“.

Auch die Sprache sei eine andere als die übliche Alltagssprache, sei gepflegter und enthalte Worte, die tiefer gehen. Kein Wunder also, dass Krimhilde Lechner, als sie bei einer beruflichen Fortbildung in der Sebastian-Kneipp-Akademie das Angebot „Ausbildung zur Märchenerzählerin“ sah, sofort wusste: Das ist etwas für den neuen Lebensabschnitt.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Mit fast 30 anderen Teilnehmern lernte sie, wie man Märchen so erzählt, dass man damit die Menschen in seinen Bann zieht. Rhetorik, Mimik und Gestik, Bühnenaufbau und Bedeutung der Symbole – all das spielte dabei eine Rolle. Man müsse natürlich auch Texte auswendig lernen, denn wer textunsicher sei, komme nicht gut rüber. „Die Ausbildung war wirklich lohnend, ich habe meinen Entschluss nicht bereut“, sagt Krimhilde Lechner im Rückblick. „Mit so vielen Gleichgesinnten ein gemeinsames Ziel anzustreben und dabei konstruktiv begleitet zu werden, ist für mich zu einer Quelle der Kraft geworden.“

Dass sie Talent zum Märchenerzählen hat, merkt man schon im Gespräch mit Krimhilde Lechner. Wenn sie kleine Erzählungen einstreut, hängt man schon an ihren Lippen. Auch die Kinder im Herbertshofener Kindergarten wollen jeden Tag ein Märchen erzählt bekommen – „jahrelang geht das schon so“, sagt Lechner. Sie hat sich dafür die Maus-Geschichten ausgedacht: eine Mäuse-Familie, die immer neue Abenteuer erlebt. „Da braucht man natürlich blitzartig eine Idee – und was zum Lachen und zum Lernen muss auch dabei sein“. Doch all das fällt der Kindergartenleiterin nicht schwer, schnell hat sie eine neue Geschichte über die Familie Maus erfunden. „Wenn die Kinder das ständig hören wollen, muss eine Begabung da sein“, sagte sie sich selbst und fand den Mut, diese Gabe weiter auszubauen. Zum Beispiel schreibt sie jedes Jahr die Texte zu einem Kindermusical des Kindergartens. Und sie hat auch schon ein kleines Heft mit einem selbst erfundenen Märchen und Illustrationen von Anna Slavu drucken lassen. „Man darf einfach nicht stehen bleiben sondern muss neue Interessen entdecken“, meint sie und ist sich sicher: „Wer seinen Inspirationen folgt, für den wird das Leben zu einer spannenden Entdeckungsreise“.

Künftig will Krimhilde Lechner also als Märchenerzählerin auftreten, natürlich gegen Honorar, denn die Sache sei schon sehr zeitaufwendig. Die Mutter zweier erwachsener Töchter und dreifache Großmutter fühlt sich fit genug für diese Aufgabe. Zu verdanken habe sie das der Lehre von Sebastian Kneipp. Dieses ganzheitliche Gesundheitskonzept, mit dem Kneipp auch Ordnung in die Seelen seiner Patienten brachte, sei heute wichtiger denn je, findet Krimhilde Lechner. Sie selbst darf sich dank entsprechender Ausbildung schon seit Jahren Kneipp-Gesundheitstrainerin nennen und ist froh um dieses „gute, alte Wissen“. Auch die Auseinandersetzung mit den Märchen habe diesen Sinn, ist Krimhilde Lechner überzeugt, denn „es ordnet die Seele“.

Die Märchenerzählerin erreicht man unter Telefon 08271/3586 oder per E-Mail: c.lechner@freenet.de. Ihr nächster Auftritt ist am 2. Februar in der „Begegnungsstätte am Fiakerpark“ in Meitingen, Schulweg 6, ab 17.30 Uhr

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren