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Landkreis Augsburg

25.03.2020

Mangel in der Corona-Krise: Firmen machen Desinfektionsmittel selbst

Um den Mangel an Desinfektionsmittel zu lindern, appelliert das Landratsamt Augsburg an Firmen und Betriebe in der Region, die Rohstoffe Isopropanol und Ethanol wenn möglich zur Verfügung zu stellen.
Bild: Jens Büttner, dpa (Symbolbild)

Plus Der Landrat bittet, Isopropanol und Ethanol dem Unternehmen Witty in Dinkelscherben zur Verfügung zu stellen. Wie Hebammen mit dem Mangel umgehen.

Seit Wochen sind Desinfektionsmittel in Supermärkten und anderen Geschäften ausverkauft und werden teilweise im Internet zu Wucherpreisen angeboten. Um den Mangel zu lindern, appelliert das Landratsamt Augsburg an Firmen und Betriebe in der Region, die Rohstoffe Isopropanol und Ethanol wenn möglich zur Verfügung zu stellen:

„Aus beiden Stoffen lassen sich effektive Desinfektionsmittel herstellen, die aktuell einen immensen Beitrag zum Schutz von Risikogruppen, aber auch von allen anderen Menschen leisten können“, so Landrat Martin Sailer. Übernehmen kann die Produktion die Dinkelscherber Firma Witty. Sie ist auf die Herstellung verschiedener Reinigungs- und Desinfektionsmittel spezialisiert und hat sich kurzfristig bereit erklärt, die Herstellung der im Landkreis akut benötigten Mittel zu übernehmen.

Mangel in der Corona-Krise: Firmen machen Desinfektionsmittel selbst

Nachfrage nach Desinfektionsmittel ist in der Corona-Krise enorm

Regionale Unternehmen, die über ungenutzte Bestände eines der beiden Stoffe verfügen, bittet das Landratsamt, sich mit dem Dinkelscherber Unternehmen per E-Mail unter florian.landgraf@ witty.de in Verbindung zu setzen. „Mein ausdrücklicher Dank gilt allen Betrieben, die diesem Aufruf folgen und damit den Schutz unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger tatkräftig unterstützen“, sagt Landrat Martin Sailer.

„Die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln ist enorm“, sagt Witty-Marketingleiterin Sabine Härtl. Weil die Rohstoffe knapp wurden, fragt Witty in anderen Branchen nach. Denn jetzt sei es besonders wichtig, für Krankenhäuser und Pflegeheime Desinfektionsmittel zu produzieren, so Härtl.

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Auch in Schwabmünchen ist eine Firma aktiv geworden. Lampen-Produzent Osram stellt nun ebenfalls Desinfektionsmittel her. „Das Thema ist zwar neu für uns, aufgrund guter Chemiekenntnisse stellt es aber für den Standort als Chemiewerk keine große Herausforderung dar. Wir nutzen dafür eine Ausnahmeverfügung, die es Chemiebetrieben gestattet, Biozide herzustellen“, sagt Pressesprecherin Kathrin Kienle. In den vergangenen Wochen sei das Mittel intensiv getestet worden. Seit Mittwoch werden Versorgungseinrichtungen im Raum Schwabmünchen von Osram beliefert.

Hebammen sind dringend auf Desinfektionsmittel angewiesen

Eine Berufsgruppe, die dringend auf Desinfektionsmittel angewiesen ist, sind Hebammen. Die Sprecherin des bayerischen Hebammen-Landesverbands im Landkreis Augsburg, Andrea Zapf-Lohr, weist auf den Engpass auch für ihren Berufszweig hin: Desinfektionsmittel und Mundschutz fehlen auch bei ihr und ihren Kolleginnen. Zwar könne eine gewisse Betreuungsarbeit von den 77 freien Hebammen im Landkreis auch per Telefon geleistet werden – eben dann, wenn es um allgemeine Fragen gehe. „Aber wenn wir zur Nachsorge nach der Geburt gehen, dann können wir nicht eineinhalb Meter Abstand von einem Neugeborenen halten“, erklärt sie.

Das kleine Kind müsste dann gewogen und auch sonst genau angeschaut werden. Junge Familien werden in den ersten Wochen nach der Geburt von Hebammen zu Hause weiter betreut. Andrea Zapf-Lohr appelliert an Privatleute, die eventuell Desinfektionsmittel zu Hause in großen Mengen gelagert haben, sie jenen Berufsgruppen zur Verfügung zu stellen, die sie dringend benötigen.

Thema Hausgeburt ist durch die Corona-Pandemie aktuell geworden

Was sich durch die aktuelle Krise zudem verändert hat: Nachdem es jungen Familien durch die Beschränkungen zum Zusammensein in den Kliniken erschwert wird, ganz viel Zeit zusammen zu verbringen, sei bei einigen Hochschwangeren auch das Thema Hausgeburt aktuell geworden. „Aber das kann man nicht schnell entscheiden. Da gehört eine gute Vorbereitung dazu“, erläutert sie. „Hut ab vor den Hebammen und Ärzten und allen anderen, die unsere Gesundheitsversorgung in den Krankenhäusern aufrechterhalten“, sagt sie.

Andrea Zapf-Lohr hofft nun, dass als Lehre aus dem derzeitigen Engpass Medikamente und Gesundheitsartikel auch wieder in Deutschland produziert werden. „Wir müssen uns klar darüber sein, wie viel uns Gesundheit wert sein soll“, spricht sie dann steigende Kosten an.

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