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Gersthofen

25.11.2019

Mann will in Gersthofen eine Wohnung kaufen, die es gar nicht gibt

Ein Kaufinteressent hatte für die im Internet angebotene Wohnung mehr als 7000 Euro bezahlt. Doch die Wohnung gab es gar nicht.
Foto: Brigitte Waltl-Jensen (Symbolfoto)

In Gersthofen wird im Internet ein interessantes Objekt angeboten. Ein 49-Jähriger kann der Offerte nicht widerstehen und wird viel Geld los. Diese Erste-Hilfe bietet die Polizei bei Betrugsverdacht.

Der Wohnungsmarkt ist hart umkämpft, günstige Objekte sind rar. Dies hat sich jetzt ein Betrüger zu eigen gemacht und einen 49-Jährigen um mehrere tausend Euro betrogen. Der Betrüger nutzte dabei ein Immobilienportal im Internet und ergaunerte sich so die Anzahlung für eine Wohnung, die es gar nicht gibt.

Nach Auskunft der Polizei hatte der 49-jährige Kaufinteressent die angebotene Wohnung bereits Mitte November auf dem Internetportal entdeckt. Offenbar war die Offerte so attraktiv, dass der Mann sofort Kontakt mit dem Verkäufer aufnahm. Allerdings kam es nie zu einem persönlichen Gespräch, die Kontaktaufnahme beschränkte sich laut Polizei lediglich auf Schriftverkehr im Internet. Um sich das scheinbar so lukrative Angebot nicht entgehen zu lassen, überwies der 49-jährige schließlich mehr als 7000 Euro auf ein ausländisches Konto. Nach den Überweisungen brach der Kontakt ab.

Ein typischer Fall in Sachen Cyberkriminalität

Wie sich schließlich herausstellte, hat es die Wohnung in Gersthofen nie gegeben, das Geld ist weg. Für die Polizei ist ein typischer Fall in Sachen Cyberkriminalität. „Electronic Commerce (E-Commerce) steht für den Handel mit Waren und Dienstleistungen über das Internet und ist aus unserem Wirtschaftsleben nicht mehr wegzudenken“, teilt das Polizeipräsidium in Augsburg auf seiner Homepage mit. 98 Prozent der Internetnutzer würden bereits online einkaufen. Die berge jedoch auch Gefahren, wie den Einkauf bei sogenannten Fake-Shops oder falschen Internetportalen.

Auch die VR-Bank Handels- und Gewerbebank eG setzt bei Immobiliengeschäften immer mehr auf das Internet. „Der Kontakt kommt bei mehr als der Hälfte aller Verkäufe online zustande“, sagt Marcus Gottwald, Bereichsleiter für Immobilien in Gersthofen. Deutliches Indiz für ein möglicherweise unseriöses Geschäft sei beispielsweise die Forderung nach einer „Reservierungszahlung“ vor der Besichtigung. Jedem Käufer, der sich bei der VR-Bank für ein Objekt interessiere, werde daher zunächst ein Termin vor Ort vorgeschlagen.

Der persönliche Kontakt sei immens wichtig, da laut Immobilienrecht jede Transaktion notariell beurkundet werden muss. „Und bei diesem Termin müssen Käufer und Verkäufer persönlich anwesend sein“, sagt Gottwald.

EU-Geldwäscherichtlinie wird zum 1. Januar verschärft

Doch wer seine Immobilie verkaufen will, muss ebenfalls vorsichtig sein. Dies sei geboten, wenn beispielsweise der Interessent von sich aus eine hohe Anzahlung in bar leisten möchte. „Die Frage ist dann natürlich, woher kommt das Geld?“, sagt Gottwald und verweist auf die künftige Verschärfung der EU-Geldwäscherichtlinie zum 1. Januar. Bei Reservierungszahlungen in bar vor Besichtigung läuten auch bei der Polizei die Alarmglocken.

„Dies ist aufgrund der aktuellen Wohnungsmarktsituation eine beliebte Masche bei Vermietungen und Verkäufen“, bestätigt Hauptkommissar Siegfried Hartmann, Pressesprecher im Präsidium-Nord. Erste Hinweise auf mögliche Betrüger könne ein genauer Blick auf das Impressum und die Bankdaten bieten. Ist beispielsweise eine Bankverbindung auf den Cayman-Islands angegeben, sei Vorsicht geboten. Und falls künftig erneut eine Wohnung in Gersthofen oder anderswo offeriert wird, sollte auf jeden Fall zuerst ein Besichtigungstermin vereinbart werden.

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar von Matthias Schalla: Klicks gegen jede Vernunft

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