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Stadtbergen

15.05.2019

Marathon: Stadtbergern geht die Luft nicht aus

Sechserpack im Doppelpack. Als eines der wenigen Ehepaare weltweit haben Hubert und Susanne Gilg die „Abbott Worlds Marathon Majors“-Serie mit den sechs Läufen in Berlin, Boston, New York, Chicago, Tokyo und London absolviert. 
Bild: Marcus Merk

Plus Hubert und Susanne Gilg aus Stadtbergen haben sich bei den größten Läufen der Welt ins Ziel gekämpft. Nur wenige Ehepaare vor ihnen haben das geschafft.

Sie haben geschafft, wovon viele Läufer träumen. In sechs Jahren haben Hubert und Susanne Gilg an den sechs größten Marathons der Welt teilgenommen. Nur etwa 5000 Läufer weltweit haben die große Serie, die „Abbott World Marathon Majors“, bislang vollendet. Hubert und Susanne Gilg haben es als eines der wenigen Ehepaare geschafft.

Sie rannten mit 50000 Läufern quer durch New York, kämpften sich Bostons hügelige Straßen entlang, kamen in London ins Schwitzen, lernten Chicago kennen, tauchten in die fremde Welt Tokyos ein und liefen durch das Brandenburger Tor ins Ziel. Sechs Städte, 252 Kilometer. Dafür haben die beiden hart gekämpft. Denn auch für sie begann alles mit einem Traum.

„Wir hatten nie viel mit Laufen am Hut“, sagt Hubert Gilg. Das Ehepaar aus Stadtbergen stand lieber zum Skifahren auf der Piste oder für ein Match auf dem Tennisplatz. Mit dem Laufen begann Susanne Gilg, um Zeit zu überbrücken, während ihre Tochter Tennis spielte. Statt nur mit dem Hund spazieren zu gehen, fing sie an zu joggen. Erst ein paar Runden, dann fünf Kilometer. 2012 nahm das Ehepaar zum ersten Mal am Silvesterlauf in Gersthofen teil. Das war der Startschuss.

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New-York-Marathon war der große Traum

„Ich habe immer davon geträumt, einmal in meinem Leben beim New-York-Marathon mitzulaufen“, sagt Hubert Gilg. Ernst genommen hat er diesen Traum nie. „Für mich war es unvorstellbar, wie Menschen einen Marathon laufen können“, sagt der 51-Jährige. Bis er selbst in den Startlöchern stand, 2013 beim Marathon in Köln. Das Training war hart, aber die beiden Stadtberger schafften es ins Ziel – auch wenn ihnen das Treppensteigen noch drei Tage nach dem Lauf schwerfiel.

Damit erschien der Traum vom New-York-Marathon möglich. „Ich wollte nicht einfach danebenstehen und zuschauen“, sagt Susanne Gilg. Gemeinsam wollten sie es packen. 2014 gingen sie in New York an den Start – zusammen mit über 50000 Läufern. „Die Euphorie ist unbeschreiblich“, sagt Susanne Gilg. Bis zu eine Million Menschen säumen die Straßen, um die Läufer anzufeuern. Dabei ist die Strecke quer durch fünf Stadtteile kein einfacher Lauf. Wegen der vielen Brücken und des ständigen Gegenwinds sei es einer der anstrengendsten Läufe gewesen, erinnert sich die 49-Jährige. Nach 42 Kilometern erreichten sie das Ziel. „Der Traum war erfüllt, aber wir waren infiziert“, sagt Hubert Gilg.

Drei bis vier Mal in der Woche trainieren

Ein Jahr später lief das Ehepaar beim Berlin-Marathon durch das Brandenburger Tor ins Ziel. Danach waren sie sicher: Jetzt schaffen sie alle sechs Läufe der großen Serie, der „Abbott World Marathon Majors“. Drei- bis viermal in der Woche ging das Ehepaar laufen. Jeder auf seiner eigenen Strecke, in seinem eigenen Tempo. Egal, ob es stürmte, schneite oder die Sonne schien. „Anfangs bin ich mit unserem Hund gelaufen“, sagt Susanne Gilg. „Aber der hat bald Reißaus genommen, wenn er nur die Turnschuhe gesehen hat.“ Selbst im Urlaub blieb keine Zeit für eine Pause. „Man muss seinen inneren Schweinehund überwinden“, sagt die 49-Jährige. „Wenn man es nicht tut, bereut man es.“ Als Paar hätten sie sich gegenseitig motiviert. Ohne klares Ziel vor Augen hätte sie es vermutlich nicht geschafft, sagt Gilg.

Kurz vor den eigentlichen Marathons begann das harte Training. Sechsmal in der Woche schlüpfte Hubert Gilg in seine Laufschuhe. Innerhalb von zehn Wochen rannte er 1000 Kilometer. Wie sich das mit Familienleben und Arbeitsalltag vereinbaren lässt? „Um Zeit mit meiner Familie zu haben, bin ich sonntags um 4 Uhr morgens meine 30 Kilometer gelaufen.“

Startkarte kostet bis zu 400 Euro

Doch allein die Fähigkeit, 42 Kilometer zu laufen, reicht nicht aus, um alle sechs Marathons zu meistern. „An Startkarten zu kommen, ist genauso schwer wie das Laufen an sich“, sagt Gilg. Jedem Land stehe ein begrenztes Ticketkontingent zur Verfügung. „Entweder kommt man über eine sehr gute Qualifikationszeit an Karten, aber das schaffen nur Profis“, weiß Gilg. Oder man braucht Zeit, Geld und ein Funken Glück. Allein eine Startkarte kostet bis zu 400 Euro. Aber das war es Hubert und Susanne Gilg wert.

Sechsmal bekamen sie Tickets, sechsmal gingen sie an den Start. In New York, Berlin, Chicago, Tokyo, London und Boston. Jedes Jahr ein Marathon. „Zwischen Kilometer 35 und 38 habe ich jedes Mal gedacht, ich mache es nie wieder“, sagt Hubert Gilg. Doch kaum erreichte er das Ziel, träumte er vom nächsten.

Mit dem Boston-Marathon vor einem Monat haben sie die Serie vollendet – als eines der wenigen Ehepaare weltweit. Für Susanne Gilg ist Marathon vorerst vorbei, ihr Mann ist noch unschlüssig. „Es wird schon ein bisschen zur Sucht“, sagt der 51-Jährige. Doch ein gemeinsames Ziel haben die beiden schon wieder vor Augen: Beim Augsburger Firmenlauf sind sie am Start.

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