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Horgau/Biburg

16.10.2019

Marcus Hartmann macht Horgauer Hanf zu Öl

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5 Bilder
Hanföl liegt im Trend. Jahr für Jahr steige die Nachfrage um etwa 60 Prozent, meint Hersteller Marcus Hartmann. Deshalb baut er seit diesem Jahr seinen eigenen Hanf in Horgau an. 
Bild: Marcus Merk

Plus Auf zwei Feldern baut Landwirt Marcus Hartmann in Horgau Nutzhanf an. Unter Spaziergängern sorgt der ungewöhnliche Anblick dennoch für Aufregung. 

Für große Aufregung sorgen derzeit drei kleine Hanf-Pflänchen vor dem Gersthofer Rathaus. In Horgau hingegen wächst die Pflanze auf zwei riesigen Feldern – allerdings in der ganz legalen Variante. Dort wachsen die Pflanzen von Marcus Hartmann. Der 49-Jährige baut die Pflanze an, um daraus Öl herzustellen. Heuer erntete er erstmals seine beiden Hanffelder in Horgau. Der Anbau der verruchten Pflanze sorgte auch dort für Aufregung.

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„Plötzlich stand die Polizei auf meinem Feld“, erinnert sich Hartmann. Offenbar riefen verunsicherte Spaziergänger die Beamten. Hanf in Horgau? Kann das sein? „Wir bauen natürlich nichts Illegales an“, erklärt Hartmann. Bei den Pflanzen auf seinen Feldern handelt es sich um Nutzhanf ohne THC – dem berauschenden Wirkstoff der Cannabispflanze. Daraus stellt Hartmann in seiner Ölmühle in Biburg pflanzliches Öl her – von Drogen also keine Spur. Und doch waren im Sommer auffällig viele Spaziergänger rund um seine beiden Hanffelder unterwegs, erinnert sich Hartmann. Besonders nachdem im Radio über die Felder berichtet wurde. Geklaut haben die vielen Neugierigen aber nichts. „So ein Hanffeld ist schon noch etwas ungewöhnliches“, sagt Hartmann.

Durch Reibung entsteht Öl, das aus der Mühle heraus tropft. Etwa 300 000 Liter davon stellt Hartmann in seinem Betrieb in Biburg jährlich her.
Bild: Marcus Merk

Spezielle Genehmigung für Hanffeld in Horgau

Um die Pflanze auf seinen beiden Feldern anbauen zu dürfen, habe er eine spezielle Genehmigung vom Landwirtschaftsministerium beantragen müssen. Um die Erlaubnis zu bekommen, dürfe man als Landwirt keine Vorstrafen haben, sagt Hartmann. In regelmäßigen Abständen wird außerdem kontrolliert, dass die Pflanzen keine berauschende Wirkung haben. Vor Kurzem wurden Hartmanns erste eigene Hanf-Pflanzen geerntet. Nun entsteht daraus in der Ölmühle in Biburg Hanföl.

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Ein Großteil der Pflanze wird nach der Ente auf dem Feld zurückgelassen. „Das ist guter Dünger“, sagt Hartmann. Zur Herstellung des Öls brauche man lediglich die Hanfsamen. Weil sich in der Ernte auch Samen von anderen Pflanzen finden können, werden die kleinen Kerne zunächst gereinigt. Später kommen sie in eine große Mühle. Die Samen werden in der Mühle gerieben. Zurück bleibt das Öl und der sogenannte Ölkuchen. Diese Überreste aus der Mühle werden an Kühe verfüttert, erklärt Hartmann. Bevor das Öl abgefüllt werden kann, wird es zunächst gekühlt und dann gefiltert. Letztlich landet so reines Öl aus Hanfsamen in den kleinen Fläschchen – ohne Zusatz, verspricht der Landwirt. Zwischen 300 und 600 Liter Öl können Hartmann und seine 22 Mitarbeiter in 24 Stunden herstellen. Derzeit sei man damit beschäftigt, den Betrieb komplett auf bio umzustellen. Doch das sei nicht leicht. „Eigentlich arbeiten wir schon nach den Richtlinien“, sagt Hartmann. Doch erst nach drei Jahren biologischem Anbau, gelte der Hof als Bio-Betrieb.

Etwa 15 Tonnen Hanf konnte Hartmann heuer von seinen Feldern in Horgau ernten. Diese Pflanzen haben keinerlei berauschende Wirkung. 
Bild: Marcus Hartmann

Seit 20 Jahren Öl aus der Öl-Mühle Hartmann in Biburg

Mit der Herstellung von Öl hat Hartmann vor rund 20 Jahren begonnen. Sein Vater habe ihm mit 18 Jahren die erste Öl-Mühle geschenkt. Seither ist der Hof gewachsen. Mittlerweile stellen Hartmann und seine Team etwa 300 000 Liter Öl im Jahr her. Zu kaufen gibt es das in rund 1500 Supermärkten, Hofläden oder Bäckereien, vor allem in Bayern und Baden-Württemberg. Am beliebtesten sei Öl aus Lein, Raps und Sonnenblumen. Doch das aus dem Horgauer Hanf liegt im Trend.

Insgesamt stellt der Landwirt in seinem Betrieb davon heuer rund 7500 Liter her. Das entspricht rund 15 Tonnen Hanf, die auf dem insgesamt elf Hektar großem Areal in Horgau wachsen. Allein ein Fläschchen mit 100 Millilitern Öl entspreche 20 Quadratmetern Anbaufläche, erklärt Hartmann. In den vergangenen Jahren habe er Hanf zukaufen müssen, um daraus Öl herzustellen. Doch weil die Nachfrage steige, habe er sich entschlossen die Pflanze selbst anzubauen Hartmann: „Jedes Jahr verkaufen wir etwa 60 Prozent mehr.“ Hundert Milliliter davon kosten knapp fünf Euro. Beliebt sei das Öl vor allem für Salate. Einige nutzen es auch im kosmetischen Bereich. Es schmeckt und riecht etwas nach Gras und schimmert leicht grün. Übrigens, im kommenden Jahr wird Hartmann sein Hanf nicht mehr in Horgau sondern im Zusmarshauser Raum anbauen. Insgesamt soll die Fläche dafür etwa doppelt so groß werden wie in diesem Jahr.

Jeden ersten Freitag im Monat gibt es bei der Öl-Mühle Hartmann in Biburg einen Werksverkauf von 8 bis 18 Uhr.

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