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Landkreis Augsburg

26.10.2020

Maskenprotest wird massiv: Darum drangen Eltern ins Landratsamt vor

Schauplatz eines massiven Protestes gegen die Maskenregelung an Schulen war das Landratsamt in Augsburg.
Bild: Marcus Merk

Plus Eine Gruppe von Eltern versucht vergeblich, ein Gespräch mit dem Landrat zur Maskenpflicht zu erzwingen. Dieser berät nur wenige Meter entfernt mit Kreisräten.

Die Maskenpflicht an Grundschulen hat den Protest und Widerwillen gegen die Corona-Verordnungen offenbar verschärft. In sozialen Netzwerken wird der Ton immer schriller. Vor dem Landratsamt fand am Montagvormittag eine Demonstration statt, an deren Ende ein Teil der Demonstranten im Gebäude ein Gespräch mit Landrat Martin Sailer ( CSU) erzwingen wollte.

Zu der Begegnung kam es nicht. Etwa ein Dutzend Demonstranten, die teilweise auf die im Gebäude vorgeschriebene Maske verzichteten, betrat das Gebäude und lief hoch in den zweiten Stock. Wie auf einem - offenbar von einem Demonstranten aufgenommenen - Video zu sehen ist, trafen die Protestierenden im Flur vor Sailers Amtsräumen auf Polizisten und Mitarbeiter des Landratsamtes.

Maskenpflicht in Schulen: Eltern protestieren in E-Mails

Bereits Ende vergangener Woche gingen beim Landratsamt offenbar verstärkt E-Mails ein, in denen Eltern gegen die Maskenpflicht im Unterricht auch für Grundschulkinder protestierten, weil diese den Kindern schade. Die Landräte von Aichach-Friedberg und Augsburg sowie Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber halten aber an der Regelung fest. Andere schwäbische Landräte haben sie an Grundschulen dagegen ausgesetzt, ebenso der Münchner OB Dieter Reiter ( SPD).

In der Region Augsburg bleibt es unter Verweis auf die Rechtslage, die gar keine andere Möglichkeit zulasse, dagegen bei der Maskenpflicht. Das habe man in Antwort-E-Mails auch erläutert, so Sailers Bürochef Uli Gerhardt. Er diskutierte mit den Demonstranten. Diese hatten sich zu ihrer Protestaktion am Montagvormittag verabredet, weil zu diesem Zeitpunkt der Kreisausschuss tagte, man also davon ausgehen konnte, dass Sailer sich zu diesem Zeitpunkt im Landratsamt befinden würde.

Der Hochzoller Christoph Schuhmann, der an der Demo teilnahm, nach eigenen Angaben aber nicht mit im Landratsamt war, beschreibt die Gefühlslage der Protestierenden, unter denen sich vor allem "besorgte Eltern" befunden hätten, so: "Man hat das Gefühl, dass unsere Anliegen einen Tick schlechter durchdringen".

Polizist schreitet bei Corona-Demo im Landratsamt ein

Im Flur vor Sailers Büro wurde der Ton rasch rauer, wie das Video zeigt. Am Ende wurde die Gruppe des Hauses verwiesen, ein Polizist notierte die Personalien derjenigen, die keine Maske getragen hatten und kommandierte: "Maske aufsetzen und das Haus verlassen." Ob das Landratsamt rechtliche Schritte einleitet, war am Montagnachmittag nicht abschließend entschieden. Am Vormittag hatte Bürochef Gerhardt zunächst davon gesprochen, dass ein Hausverbot verhängt worden sei.

Bei den Protestierenden löste der Rauswurf wütende Reaktionen aus. Diese Behandlung sei einer Demokratie nicht würdig schimpfte ein Mann. Am Ende skandierte die ganze Gruppe laut: "Schämt Euch!" Polizisten geleiteten sie nach draußen, weitere Beamte sicherten den Eingang zum Großen Sitzungssaal. Dort tagte in diesen Minuten Landrat Martin Sailer mit dem Kreisausschuss. Diesem Gremium gehören die führenden Köpfe der einzelnen Fraktion an. Ihr Thema just zu diesem Zeitpunkt: Das Vorgehen des Landratsamtes in der Corona-Pandemie.

Landrat Sailer kritisiert Münchner OB Reiter scharf

Dabei machte Sailer deutlich, dass er und Mitarbeiter des Landratsamts inzwischen heftigen Beschimpfungen ausgesetzt seien. Er sprach von enormen psychischen Belastungen für Beschäftigte. Heftige Kritik übte Sailer am Münchner OB Reiter, der die Maskenpflicht an Grundschulen ausgesetzt hat: "Das ist ein Skandal. Ich habe kein Verständnis, dass man ihm das durchgehen lässt." Politiker wie Reiter oder die Landräte Alex Eder (Unterallgäu) und Hans Reichhart (Günzburg) würden "eine Lawine lostreten, die man nicht mehr einfangen kann." Sailer bekräftigte, dass im Landkreis Augsburg an der Maskenpflicht festgehalten werde. So könne man die Schulen länger offen halten. Sailer: "Ich will den Lockdown möglichst lange verhindern."

Rückendeckung für seinen Kurs bei der Maskenpflicht erhielt der Landrat von allen Fraktionen: Grüne, FW, SPD und AfD. Melanie Schappin (FW), selbst vierfache Mutter, befand: "Die Kinder halten das aus." Zugleich mahnte sie eine schnellere und umfassender Berichterstattung über die Corona-Lage im Kreis auf der Homepage des Landkreises an. Harald Güller (SPD) kritisierte die Staatsregierung, die "nachts um drei Uhr" Verordnungstexte veröffentliche und so die Verwaltungen in Nöte stürze, die das Ganze dann schnell umsetzen müssten.

Diskutiert aber werde derzeit vornehmlich die Maskenpflicht an den Schulen, so der Meitinger Bürgermeister und Vize-Landrat Michael Higl (CSU). Darauf werde alles reduziert und das sei schade. Wie weit dabei die Positionen auseinander liegen, zeigen auch die Debatten auf der Facebook-Seite unserer Zeitung: "Es ist eine Schande, unsere Kinder in dieser Art und Weise anzugehen", schimpft eine Frau. Eine andere meint dagegen: "Mit Maske im Unterricht finde ich persönlich besser als Präsenzunterricht in der Schule."

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27.10.2020

Ihr Kommentar ist echt Gut, Belarus wäre überglücklich in einer Demokratie Leben zu dürfen.

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27.10.2020

Wenn es um die Kinder geht. Wieso hatte gut ein Drittel der Erwachsenen keine Maske auf?
Werden da nicht die "armen" Kinder nur vorgeschoben, weil man selber keinen Bock auf die Maske hat?
Nicht Behandlung der "Demonstranten" sondern das Verhalten dieser ist einer Demokratie nicht würdig.
Wer Sitzungen von gewählten Volksvertretern stören will um sein Anliegen durchzubringen hat eindeutig Demokratiedefizite.
Sein Anliegen kann man bei den einzelnen Vertretern, Fraktionen vorbringen. Auch schriftlich. Und wenn es keine Mehrheit dafür gibt, gibt es eben aktuell keine. Man kann hartnäckig bleiben. Aber durch Störungen von Parlamentsitzung seine Meiung durchzuboxen .... sagt schon alles.
Nicht umsonst gibt es beispielsweise Bannmeilen um Parlamente.
Und notfalls gibt es die Möglichkeiten Regelungen gerichtlich überprüfen zu lassen.

Aber bei "Besorgten" zählen Regelungen und demokratische Gepflogenheiten nicht, weil Sie "das Volk" sind.

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27.10.2020

>> Diese Behandlung sei einer Demokratie nicht würdig schimpfte ein Mann. <<

Dem kann man nur eine Wiedergeburt in Weißrussland oder der Türkei wünschen...

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27.10.2020

Wenn ich nur den Begriff "besorgte Eltern" höre, bekomme ich die Grätze.

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