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Landkreis Augsburg

06.05.2019

Mathe-Abitur: War die Prüfung zu schwierig?

Einige Schüler beschweren sich, das Mathe-Abitur sei heuer zu schwer.
Bild: Armin Weigel

Eine Onlinepetition fordert die Anpassung des Notenschlüssels. Die Schüler im Augsburger Land protestieren allerdings nicht nur gegen die Prüfung.

Gegen das Matheabitur von letzter Woche formiert sich Protest. Innerhalb von zwei Tagen haben über 59000 Menschen eine Onlinepetition an das bayerische Kultusministerium unterschrieben. Unter ihnen auch David Haas. Der Schüler macht gerade sein Abitur am Schmuttertal-Gymnasium in Diedorf. Die Aufregung kann er nicht ganz nachvollziehen. Seine Unterschrift hatte unter anderem „praktische“ Gründe. Die Prüfung sei „ok“ gelaufen, nur bei einer Aufgabe habe er nicht genau gewusst, wie er die Vorgaben umsetzten soll, erklärt Haas.

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Auch in Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern laufen derzeit Petitionen gegen ein angeblich zu schweres Mathematik-Abitur. Die Stimmung im Netz scheint aufgeheizt, im Landkreis bleibt es dagegen ruhig.

Die Aufgaben waren machebar

Günter Manhardt, der Direktor des Schmuttertal-Gymnasiums, betont: „Bei uns war die Stimmung am Freitag eigentlich entspannt.“ Auch mit seinen Kollegen hat der Schulleiter sich schon beraten. Der Tenor: Die Aufgaben seien machbar gewesen.

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Im Petitionstext heißt es: „2018 war es nahezu leicht und 2019 enthielt plötzlich Aufgabenstellungen, die vorher kaum einer gesehen hatte.“ Hierfür hat Manhardt eine Erklärung: Die Aufgaben hätten die Mathematik in einen großen Zusammenhang eingebettet. Es sei nicht nur darum gegangen, etwas auszurechnen, sondern vor allem um die Anwendung des Erlernten in realen Zusammenhängen.

Der Anwendungsbezug sei „umfangreicher dargestellt worden“, erklärt Günter Manhardt. In den Prüfungen habe man also „etwas mehr lesen müssen, als in den vergangenen Jahren“. Die Mathematik hinter den Texten war laut dem Schulleiter, der selbst Mathelehrer ist, nicht zu schwer.

Aufgaben, die Bezug zur Realität nehmen, sind im Abitur und auf dem Gymnasium nichts Neues. Manhardt erklärt: „Das ist eine voranschreitende Entwicklung. Diese Tendenz gibt es seit etwa zehn Jahren.“ Eigentlich bereitet man die Schüler auf diese Art von Aufgabenstellung vor. „Man übt gezielt mit dem Schulbuch und alten Abituraufgaben“, betont der Schulleiter. Alles in allem plädiert Manhardt jetzt dafür, die Noten abzuwarten. Bei großen Abweichungen im Vergleich zu älteren Jahrgängen, könne die Politik noch immer reagieren.

Schulleiter: Petition muss man ernst nehmen

Ähnlich beurteilt Stefan Düll, der Schulleiter des Justus-von-Liebig-Gymnasiums in Neusäß, die Prüfung. Der vergangene Freitag sei ein „ganz normaler Abiturtag“ gewesen. Die Schüler hätten nach der Prüfung vor allem Erleichterung gezeigt und traditionell auf der anderen Straßenseite gefeiert. Wirklich verärgert schien keiner. Zum Aufbegehren im Netz erklärt der Schulleiter: „Eine Petition wie diese muss man ernst nehmen und prüfen“. Er betont aber auch, wie einfach Aktivismus im Netz ist. Düll geht nicht davon aus, dass eine Neubewertung erforderlich sein wird.

Vom Paul-Klee-Gymnasium in Gersthofen war bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu bekommen.

Dass auch am Schmuttertal-Gymnasium kaum Protest laut wurde, erklärt sich der Schüler David Haas mit der intensiven Vorbereitung: „Es liegt bei uns sicherlich auch an der Schule. Schon die Schulaufgaben in der Oberstufe waren sehr anspruchsvoll.“ Trotzdem hätten heuer – im Vergleich zu den älteren Prüfungen, die er kennt – die einfacheren Aufgaben zum Punktesammeln gefehlt, erklärt Haas.

Schwankungen im Niveau

Auch deshalb unterstützt Haas die Petition: Er will mit seiner Unterschrift gegen die Schwankungen im Niveau protestieren, die auch der Petitionstext beschriebt. „Ich kann doch nichts dafür, dass ich jetzt 2019 Abitur mache und nicht 2018“, betont er. Die Schwierigkeit der Aufgaben sollte seiner Meinung nach „immer ungefähr gleich“ bleiben.

Während die Verantwortlichen an den Schulen also beruhigen und die Ergebnisse abwarten wollen, reagiert die Politik bereits. Bayerns Kultusminister Michael Piazolo hat angekündigt, die Aufgaben schnell prüfen zu lassen. Auch die bildungspolitische Sprecherin der SPD, Simone Strohmayr, sagte, dass man eine Petition, die so viele Menschen in so kurzer Zeit unterschreiben, „sehr erst“ nehmen müsse. Unterstützung kam auch vom Bayerischen Lehrerinnen und Lehrerverband, der den Eindruck äußerte, dass die Schüler zu wenig Zeit gehabt hätten.

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