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Erziehung

17.12.2018

Medien dürfen nicht zum Babysitterersatz werden

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Für heute aufwachsende Kinder gehören Handy und Tablet bereits zum Alltagsleben. Wichtig ist, für die gesamte Familie die richtige Dosis beim Medienkonsum zu finden.

Der Medienpädagoge Björn Friedrich klärt in Neusäß im AWO-Haus der Familie zum Thema „Medien in der Familie“ auf. Von festen Richtwerten hält der Medienpädagoge wenig

Der zweijährige Finn ahmt gerne seinen großen Bruder nach. Nico ist sechs Jahre alt und darf sich ab und an am Tablet die Zeit vertreiben. Um beiden Jungs einen altersgerechten Umgang mit Medien zu ermöglichen, muss Mutter Christine oft jonglieren – und ist manchmal doch unsicher, ob der Medienkonsum in ihrer Familie in der Form in Ordnung geht.

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Dass es kein Richtig oder Falsch bei diesem Thema geben kann, weiß Björn Friedrich. Fakt ist, dass Medien omnipräsent sind und Eltern die Aufgabe haben, den Medienkonsum zu regulieren. Doch wie viel Mediennutzung ist eigentlich erlaubt?

Von festen Richtwerten hält der Medienpädagoge wenig. Beim Medienkonsum in Familien gelte wie so häufig auch: „Die Dosis macht das Gift.“

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Bereits im Alter von zwei oder drei Jahren könne demnach ein Kleinkind kindgerechte Apps nutzen, die beispielsweise dazu ermuntern, ein Puzzle anzufertigen oder mit animierten Tieren das Leben auf einem Bauernhof nachempfinden. Allerdings mit einer Einschränkung: „Handy, Tablet und Fernseher dürfen nie als Babysitterersatz fungieren.“

Zudem müssen die Rahmenbedingungen für den Medienkonsum passen. So sollten Tablet, Handy und Computer vor allem dann zum Einsatz kommen, wenn das Wetter eine Aktivität an der frischen Luft nicht zulässt. Aber auch die Zeit des Medienkonsums sollte limitiert sein.

Zudem ist es wichtig, dass die Eltern ihre Kinder beim Medienkonsum begleiten und sie mit den Bildern und Eindrücken, die auf sie wirken, nicht allein lassen. „Eltern müssen die Reaktion der Kinder genau beobachten“, erklärt Friedrich. Ist das Kind nach dem Spiel am Tablet müde, aggressiv oder klagt gar über Kopfschmerzen, sollte besser die Zeitspanne verkürzt werden.

In puncto Hardware sollten die genutzten Komponenten auf die kindlichen Ansprüche eingestellt sein. Das heißt: Eine Kindersicherung ist Pflicht. Ein Kinderraum verhindert beispielsweise, dass das Kind sich aus der Kinder-App herausbewegt.

Ziel muss sein, Kinder in jungen Jahren zu begleiten und auch anzuleiten im Umgang mit Medien und den Folgen der aktiven Medienteilnahme. Nur so können Eltern guten Gewissens im Alter von zehn, zwölf oder 13 Jahren ihre Teenager ohne Kontrolle aktiv werden lassen. Vor allem mit Blick auf Cybermobbing-Attacken müssen Eltern ein waches Auge auf die Aktivitäten ihrer Kinder haben. „Mobbing ist ein uraltes Problem, durch das Internet hat es jedoch eine ganz andere Qualität erreicht“, erklärt Friedrich.

Auch auf die Spiele und Inhalte, die Kinder und Jugendliche konsumieren, sollten Eltern mit Argusaugen blicken, denn der Medienpädagoge weiß: „USK- und FSK-Angaben sind bei Filmen üblich, im App-Store jedoch unterliegen sie anderen Kriterien und sind weit weniger zuverlässig.“

Deswegen sollten Eltern sich selbst ein Bild davon machen, was ihre Kinder konsumieren. Was bleibt, ist die Frage, ab wann Medienkonsum „erlaubt“ ist. Wann ein Kind heute ein Smartphone erhält, ist in allen Familien eine wichtige Frage – und eine Gratwanderung der besonderen Art und Weise, denn das müssen alle Eltern selbst entscheiden.

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