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Gersthofen

22.07.2010

Mehr Lust auf Politik und Karriere bekommen

Mit 100 Auszubildenden des Andreas Schmid Logistikunternehmens diskutieren Miriam Gruß (Mitte) und Simone Strohmayr (rechts). Mit dabei war Gianluca Crestani, Vorstandsmitglied bei der Logistikfirma. Die Jugendlichen sollten bei der Diskussion mehr Lust auf Politik bekommen. Foto: Marcus Merk
Bild: Marcus Merk

Die Politikerinnen Simone Strohmayr (SPD) und Miriam Gruß (FDP) wollen Jugendliche für politisches Engagement und Verantwortung begeistern. Ob es ihnen gelungen ist? Von Mirela Delic

Mehr Eigeninitiative und Einmischung statt Meckern und Jammern wünscht sich die Landtagsabgeordnete der SPD, Simone Strohmayr, von den Jugendlichen. Sie und die FDP-Bundestagsabgeordnete Miriam Gruß diskutierten mit 100 Auszubildenden des Andreas Schmid Logistikunternehmens. Ziel: Politik näher bringen und vor allem Frauen zur Führung ermutigen.

Gianluca Crestani, Vorstandsmitglied des Unternehmens, moderierte die Veranstaltung. Ausbildungsleiterin Eva Baur will den jungen Leuten Förderung auch in Bereichen ermöglichen, die nicht immer auf dem Lehrplan stehen. Als Eva Bauer die Azubis fragte: "Wer interessiert sich eigentlich für Politik?", gingen nur sehr vereinzelte Arme in die Höhe. Die jetzige Generation der Jugendlichen lässt sich nur schwer für Politik begeistern. Doch die Politikverdrossenheit ziehe sich, so Strohmayr, durch alle Alters- und Gesellschaftsschichten. "Nicht nur die Politiker haben ein großes Glaubwürdigkeitsproblem, sondern die Gesellschaft im Allgemeinen", sagte sie. Wenn einen etwas störe, sollte jeder mitmachen und mitbestimmen.

Besonders Jugendliche könnten sich engagieren: in Verbänden der Parteien oder auch in überparteilichen Organisationen (NGOs), wie beispielsweise dem Bund Naturschutz. Simone Strohmayr plädierte für mehr "Demokratie üben" an den Schulen. Politik finde dort viel zu wenig Platz. Demokratische Strukturen, durch welche den Jugendlichen das Mitbestimmen und das Gestalten des Schullebens ermöglicht wird, fehle häufig.

Mehr Lust auf Politik und Karriere bekommen

Strohmayr fordert eine Frauenquote

Doch vor allem den Mangel an weiblichem Führungspersonal in der Politik wie auch in der Wirtschaft sehen die Politikerinnen als großes Problem. Es seien nur 33 Prozent Frauen in politischen Ämtern bei der SPD und "in den Spitzenpositionen sind es sehr viel weniger", betont Simone Strohmayr. In der Wirtschaft befürwortet sie eine Quote, um Frauen an die Spitze zu bekommen. "Ohne Quote schaffen wir nie die 50 Prozent", ist sie sich sicher. Frauen sollen in Bereichen in denen sie unterrepräsentiert seien, bei gleicher Eignung bevorzugt behandelt werden. Für Männer solle das aber auch gelten, beispielsweise bei den Berufen Kindergärtner oder Grundschullehrer. Miriam Gruß stimmte ihr zu: "Kinder und Jugendliche brauchen beide Rollenvorbilder". "Das einseitige, weibliche Bildungssystem" müsse verändert werden.

Doch immer noch seien es Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die vor allem die Frauen vor höheren Positionen abhalten. Genügend Betreuungsplätze für Kleinkinder seien da nicht das einzige Problem, sagt Miriam Gruß. Diese Situation hätte sich mittlerweile deutlich verbessert. Die Mutter eines Sohnes bedauert die fehlende Akzeptanz von Kindern in der Gesellschaft: Als ihr Sohn mit ihr den Nachmittag verbringen wollte, doch sich bei ihr ein Fraktionstreffen in die Länge zog, traute sich die Politikerin nicht den wahren Grund zu sagen und gab einen anderen wichtigen Termin vor, um die Sitzung früher zu verlassen.

"Wenn ich mit meinem Sohn argumentiert hätte, hätte das niemand akzeptiert. In unserer Gesellschaft sind irgendwelche Interviews wichtiger als die Kinder", erzählt die Mutter. Solange sich das nicht ändere, würde sich die Zahl der Frauen in politischen Führungspositionen nicht steigern.

Auch für Simone Strohmayr ist eine familienfreundlichere Planung des Berufsalltags eine wichtige Herausforderung, die auch den Vätern zugutekommen würde. "Das harmonische Familienbild aus der Toffifee-Werbung ist eindeutig keine Realität", sagte sie. Für sie sei der Alltag mit drei Kindern auch ein riesiger Spagat. Und einen letzten Ratschlag hat sie auch noch parat: "Cool bleiben. Es muss nicht immer alles rosarot sein." Von Mirela Delic

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