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Landkreis Augsburg

08.07.2020

Mehr Platz im Becken: So kommen die Corona-Regeln im Freibad an

Gerfriedswelle
Bild: Marcus Merk

Die Freibäder im Landkreis Augsburg haben wieder geöffnet – unter Auflagen. Für die Badegäste hat das Vor- und Nachteile.

Die Freibäder haben wieder offen, aber nur wenige dürfen rein. Im größten Schwimmbad der Umgebung, der Gerfriedswelle in Gersthofen, tummelten sich in den Vorjahren bis zu 4000 Besucher. Jetzt dürfen nur noch 200 Besucher pro Schicht in das Bad. Eine der 200 Glücklichen war an diesem Mittwoch Annemarie Heinze.

Die Gersthoferin ist von den neuen Regeln merklich angetan: „Ich gehe regelmäßig schwimmen und jetzt ist das Wasser schon merklich sauberer.“ Es störe sie nur, dass Karten nicht im Freibad an der Kasse erhältlich seien. In Meitingen sei dies nämlich möglich. „Ich mache das nicht online, sondern hole mir die Karten immer im Rathaus“, erklärt Heinze. Dies sei aber schlecht organisiert. Ob und wie viele Karten man erhalte, sei unsicher. Wie für viele ältere Leute ist die Online-Reservierung auch für Heinze keine Option. Vielen Alten sei es außerdem zu umständlich, extra ins Rathaus zu gehen, um ins Freibad zu können, habe sie bei ihren Bekannten mitbekommen.

Reservierung für einige Freibäder im Kreis Augsburg nur online möglich

Wer die Online-Reservierung nutzt, ist damit eigentlich zufrieden. „Wir waren früher schon oft hier und jetzt ist auch alles gut“, spricht Selina Spinner für sich und ihre Tochter. „Es ist sehr angenehm, dass weniger Leute da sind.“ Die Maskenpflicht und weitere Regelungen seien kein Problem, das Personal sehr freundlich. Bisher hätten sie immer einen Platz bekommen und die Anmeldung per Internet habe problemlos geklappt.

„Beim ersten Mal war die Reservierung noch lästig, aber man gewöhnt sich dran“, meint ein Badegast aus Diedorf. Die Auflagen seien wichtig und der viele Platz im Becken „gigantisch“.

Christine Tischinger aus Stadtbergen genießt die geringe Anzahl anderer Gäste so sehr, dass sie erst seit Kurzem überhaupt wieder in die Gerfriedswelle geht. „Früher war ich öfter da, aber die letzten Jahre war es immer so voll. Jetzt ist das grandios“, sagt Tischinger. Auch die anderen Auflagen seien kein Problem. Nur die Unterschiede zwischen den Bädern wundern sie: „Im Bärenkeller-Bad gibt es am Kiosk auch Tische, hier nicht. In manchen Bädern sind die Rutschen gesperrt, hier sind sie geöffnet“. In einem Punkt sind sich aber alle einig: Es sei schön, dass das Bad überhaupt wieder geöffnet hat und Schwimm-Möglichkeiten anbietet.

Das Gersthofer Freibad hat wieder geöffnet - allerdings unter strengen Corona-Auflagen. Hinweisschilder im Bad machen das deutlich.
Bild: Marcus Merk

Gersthofer Gerfriedswelle ist trotz Corona-Regeln gut besucht

Gersthofen ist – im Rahmen des Erlaubten – stark besucht. Oft seien die Schichten ausverkauft, teilt Ann-Christin Joder, Sprecherin der Stadt Gersthofen mit. Damit die Auflagen trotzdem eingehalten werden, gebe es instruiertes Security-Personal, das aber nur ab und zu an die Maske oder an Abstand halten beim Anstehen erinnern müsse. „Ein paar Ausreißer haben wir schon, aber im Großen und Ganzen halten die Gäste sich an die Regeln“, sagt Joder.

Auch andere Freibäder werden gerne besucht. Edgar Kalb, Bürgermeister von Dinkelscherben, sagt: „Das Angebot wird bei gutem Wetter bis zur derzeitigen Grenze von 200 Personen genutzt.“ Es wird also fleißig gebucht und gebadet. Trotzdem war der Ansturm noch nie so groß, dass diese Grenze von 200 Personen nicht ausgereicht hätte. Die richtig heißen Tage lassen aber auch noch auf sich warten. Das beklagt auch der Leiter des Freibads in Schwabmünchen, Andreas Kotalczyc. Erst wenn die Temperaturen wieder über 30 Grad klettern, könne man wirklich einen Vergleich mit den letzten Jahren ziehen. Trotzdem laufe es gut. Abgesehen von den Schichten, in denen die Gäste das Bad betreten dürfen, sei es fast so besucht wie sonst.

Maskenpflicht gibt es beim Anstehen oder in den Umkleiden. Abstand gilt auch beim Planschen. Doch die Gäste seien diszipliniert und verständnisvoll, meint Michael Higl, der Bürgermeister von Meitingen. Bisher galt eine Grenze von 300 Besuchern in Meitingen, die seit Juli auf 400 Badegäste hochgesetzt wurde. Viele würden reservieren und wenn dann schlechtes Wetter sei, doch nicht kommen. Die Plätze sind dann aber schon vergeben. „Die höchste Besucherzahl in einer Schicht, die wir jetzt hatten, waren 386“, sagt Higl. „An frühere Zahlen kommt das natürlich nicht ran, da hatten wir am Tag schon mal 3500 Besucher“.

Bademeister Franz Meitinger bringt Hinweisschilder in der Gersthofer Gerfriedswelle an.
Bild: Marcus Merk

Zwei Freibäder im Landkreis Augsburg bleiben diese Saison geschlossen

Von solchen Größenordnungen kann Stadtbergen nur träumen. Ausverkauft seien sie bei gutem Wetter schon, sagt der Leiter des Bads, Jörg Pecher, und muss lachen. „Wir haben aber auch nur 30 Plätze“. Da es im Freien nur ein Kinder- und ein Planschbecken gebe, sei nur Platz für 27 Leute zur selben Zeit im Wasser. Trotzdem werde dieses Angebot begeistert genutzt. „Manche kommen jeden Tag, auch wenn wir momentan keine Attraktionen haben“, sagt Pecher. Der Innenbereich werde exklusiv von der Schwimmschule genutzt, um unnötige Kontakte zu vermeiden.

Auch Bobingen darf sich über Badegäste freuen. Wetterabhängig werde das Angebot gut angenommen, berichtet Thomas Ludwig, der Hauptamtsleiter der Stadt Bobingen. Die Regeln würden von allen respektiert werden, nur jüngere Gäste müsse man beim Spielen ab und zu mal daran erinnern, Abstand zu halten.

Zwei Bäder im Landkreis Augsburg bleiben diese Saison ganz geschlossen. Das Freibad in Kutzenhausen nutzt die Pause und renoviert. Ebenfalls geschlossen bleibt das Naturfreibad Fischach. Das Bad lege viel Wert auf die biologische Reinigung, die möglicherweise ein höheres Infektionsrisiko bieten könnte. Außerdem müsste auch hier im Zwei-Stunden-Takt alles desinfiziert werden. Die Auswirkungen des Desinfektionsmittels auf den Teich und die Pflanzen seien ein Risiko, das der Markt Fischach als Betreiber nicht eingehen wolle, sagt Bürgermeister Peter Ziegelmeier.

Die Freibäder im Landkreis Augsburg im Überblick

  • Freibad Bobingen Das Bad hat bei gutem Wetter täglich von 9 bis 19.30 Uhr geöffnet. Die maximale Besucherzahl ist auf 750 begrenzt. Sobald diese Zahl erreicht ist, können erst dann wieder Gäste ins Bad, sobald andere das Bad verlassen haben.
  • Panoramabad Dinkelscherben Das Dinkelscherber Freibad hat im Schichtbetrieb geöffnet. Von 11 bis 13.30 Uhr, von 14 bis 16.30 Uhr und von 17 bis 20 Uhr. Zwischen den Zeitfenstern wird gereinigt, und die Gäste müssen das Bad verlassen. Eintrittskarten müssen vorher online, auf der Internetseite der Gemeinde, erworben werden.
  • Gerfriedswelle Gersthofen Geöffnet ist zunächst nur für Dauerkartenbesitzer. Ab Freitag gibt es auch für alle anderen Eintrittskarten im Internet und im Bürgerservicezentrum der Stadt. Ab 12. Juni dürfen dann maximal 600 Gäste gleichzeitig ins Bad. Auch Gersthofen setzt auf das Schichtmodell. Öffnungszeiten: 9 bis 12 Uhr, 13 bis 16 Uhr und 17 bis 20 Uhr.
  • Freibad Kutzenhausen Wegen Umbauarbeiten bleibt das Bad weiterhin geschlossen. Geplant ist die Fertigstellung im Juli.
  • Sunsplash Meitingen Das Bad hat von 10 bis 13 Uhr am Vormittag und von 15 bis 18 Uhr am Nachmittag geöffnet. Auch hier wird dazwischen gesäubert. Die Besucherzahl ist begrenzt, eine Online-Reservierung von Eintrittskarten erforderlich. Entsprechende Formulare finden sich auf der Homepage des Marktes Meitingen.
  • Singoldwelle Schwabmünchen Das Schwabmünchner Freibad soll voraussichtlich am 22. Juni öffnen. Auch hier plant man Schichtbetrieb. Naturfreibad Fischach Das Fischacher Bad bleibt vorerst zu. Aus Sicht der Gemeinde können die Corona-Auflagen dort nicht umgesetzt werden. Die Gemeinde fürchtet, dass Desinfektionsmittel das Ausgleichsbecken des Bads zerstören könnten.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Nichts für Warmduscher

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