Newsticker

RKI meldet erneut mehr als 2500 neue Corona-Infektionen in Deutschland
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Mehr als 10 500 Waldbauern sprechen mit einer Stimme

30.06.2009

Mehr als 10 500 Waldbauern sprechen mit einer Stimme

Region Augsburg Die Größenverhältnisse zwischen den Großsägewerksgiganten der Region mit jeweils rund einer Million Festmeter (fm) Einschnittmenge pro Jahr und dem Holzeinschnitt eines durchschnittlichen Waldbauern spiegeln in etwa auch dessen Verhandlungsposition gegenüber einer Sägerbranche wider. Die Bündelung des Holzes aus dem Kleinprivatwald zu größeren Einheiten war und ist die ureigenste Aufgabe der Zusammenschlüsse der Waldbauern zu Waldbauernvereinigungen (WBV) - so heißen sie in Oberbayern - und Forstbetriebsgemeinschaften (FBG) - so heißen sie in Schwaben.

Die Erfahrungen der letzten Jahre aber zeigten auch hier auf, dass eine WBV/FBG für sich allein gegenüber solchen "Holzgiganten" wenig Marktgewicht hat und entsprechend schwierig gestalteten sich die Vermarktungsgespräche. Da liegt es nahe, dass sich die WBVs/FBGs zusammenschließen. Seit 2007 sprechen neun WBVs/FBGs unter dem Namen SAHo ( Schwaben & Altbayern Holz) mit einer Stimme bei den Verhandlungen mit den Konzernen (siehe Infoartikel). Sie decken damit eine Waldfläche von knapp 72 000 Hektar mitten im "Welt-Fichtenspeckgürtel" ab. So nennt Bernhard Breitsameter, Geschäftsführer bei der WBV Aichach und zugleich von SAHo, jenen Waldgürtel, in dem die Fichte weltweit die höchsten Zuwachsraten am Stamm aufweist. Für 10 517 Mitglieder fungiert die SAHo somit als Sprachrohr bei den Preisverhandlungen für die Vermarktung der rund 450 000 Festmeter pro Jahr.

Preisverhandlungen sind zwar ein ernster Aspekt, doch nicht der einzige Grund für die Gründung der SAHo. Ein Blick in die Satzung zeigt, dass er mehr leisten will, als mit Geld aufzuwiegen ist. Unter "Zweck und Aufgabe" heißt es: "Verbreitung der für eine fortschrittliche Waldbewirtschaftung notwendigen Kenntnisse … durch Vorträge, Kurse, Vorführungen, Waldbegehungen und Lehrwanderungen. Unterrichtung und Schulung in neuzeitlichen Arbeitsverfahren, Ausbildung an modernen Geräten und Beratung der Mitglieder über die Holzmarktlage und in Fragen der Holzsortierung und -verwertung".

Einen weiteren Grund für den Zusammenschluss liefert die Wirtschaftskrise: Die Exporte seien zusammengebrochen, ist zu hören. Und wenn doch etwas ins Ausland geht, warten die Säger oft vergeblich auf pünktliche Zahlungen. Selbst Großsäger seien finanziell klamm. Auch hier stehen der einzelne Waldbauer und seine WBV ziemlich schutzlos da. "SAHo hat gerade aktuell wieder längst fälliges Geld zugesagt bekommen", verkündete Josef Karl, Vorsitzender der SAHo und Ehrenvorsitzender der WBV Fürstenfeldbruck. Dies zeigt, dass SAHo auch hier ihr Gewicht erfolgreich einzusetzen vermag. Ein weiteres Ziel formuliert Bernhard Breitsameter, Geschäftsführer der WBV Aichach: "Holz aus unserem Wald, unserer Forstwirtschaft über unsere Säger, weiter zu den Zimmereien und Schreinereien der Region bis zum Endprodukt." Diese Prozesskette möchte SAHo bewerben. Holz der kurzen Wege: "Aus der Region, für die Region", schwärmt Breitsameter. "So wollen wir im nächsten Schritt an unsere Säger gehen, weiter dann zu den Zimmereibetrieben, Schreinerwerkstätten, Möbelfabriken und so weiter", zeigt Breitsameter die Meilensteine auf.

"Wir wussten nicht, wie es laufen würde", begründet Karl, warum sich die SAHo erst jetzt, bald zwei Jahre nach ihrer Gründung, der Öffentlichkeit vorstellt. "Bis jetzt ist es auf alle Fälle besser gelaufen, als wenn wir weiter alleine verhandelt hätten."

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren