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Horgau

13.07.2017

Mehrstöckige Mietshäuser mitten im Dorf sorgen für Ärger

Auf diesem Areal an der Greuter Straße in Horgauergreut plant das Bauunternehmen Deurer eine Wohnanlage mit insgesamt etwa 85 Wohneinheiten.
Bild: Michael Kalb

Geschosswohnungsbau auf dem Land gilt als Antwort auf den Wohnungsmangel. Doch in Horgau wehren sich Anwohner gegen ein großes Projekt und haben in kurzer Zeit ein Bürgerbegehren auf die Beine gestellt

Es könnte eng werden am Donnerstagabend im Pfarrsaal von Sankt Martin in Horgau. Bürgermeister Thomas Hafner will ob des erwarteten Besucherandrangs zur Gemeinderatssitzung zusätzliche Stühle bereit stellen lassen. Denn heute geht es erneut um das Bauvorhaben der Augsburger Firma Deurer mitten im Ort. An den geplanten rund 85 Wohnungen für rund 200 Menschen scheiden sich in der Gemeinde die Geister. Aber womöglich ist es gar nicht mehr so wichtig, was der Gemeinderat beschließt – weil es am Ende nämlich zu einem Bürgerentscheid kommt.

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Die Initiatoren eines Bürgerbegehrens, das sich gegen die Größe des Bauvorhabens richtet, haben eigenen Angaben zufolge die erforderliche Anzahl von Unterschriften bereits beinander. Das habe gerade einmal sechs Wochen gedauert, sagt Sonja Grolig, eine der Sprecherinnen. Rathauschef Hafner wiederum will keine Zeit verlieren, sobald ihm kommende Woche die Unterschriften übergeben worden sind.

Nach einer rechtlichen Überprüfung des Begehrens und der Unterschriften durch die Verwaltungen könnte der Gemeinderat unter Umständen noch vor Sommerpause über die Zulässigkeit entscheiden. Bereits am 24. September, dem Tag der Bundestagswahl, würde der Bürgerentscheid dann stattfinden. Dieses Datum wäre auch im Interesse der Initiatoren des Bürgerbegehrens, sagt Marlene Seibold. Die frühere zweite Bürgermeisterin zählt ebenfalls zu den Sprecherinnen des Begehrens.

Mehrstöckige Mietshäuser mitten im Dorf sorgen für Ärger

Die Auseinandersetzung dreht sich um ein Bauvorhaben des Augsburger Bauunternehmens Deurer, welche das 2600-Einwohner-Dorf verändern würde. An der Greuter Straße Nummer 14 in Horgauergreut will Deurer neun dreigeschossige Mehrfamilienhäuser nebst Reihenhäusern errichten. Die Rede ist von etwa 85 Wohnungen, die auch an sozial schwächere Menschen vermietet werden sollen. Horgau bekäme relativ rasch 200 Einwohner dazu. Ein kleiner Teil des Bauvorhabens ist die Trauminsel, ein inclusives Wohnprojekt. Die Menschen mit Behinderung sollen voraussichtlich in zwei Einzelappartements und zwei Wohngemeinschaften leben.

Als die potenzielle Nachbarin Grolig (41) von dem Bauvorhaben erfuhr, war die zweifache Mutter nach ihren eigenen Worten „überrascht, mit welcher Selbstverständlichkeit Wohnblöcke aufs Land gesetzt werden sollen“. Sie betont aber, dass die Initiatoren nicht grundsätzlich gegen das Projekt seien. „Wir hätten es nur gern kleiner.“ Konkret: Die Gemeinde soll statt drei Geschossen nur zwei zulassen. Damit wären nach Ansicht der Gegner die ärgsten Auswirkungen des Projekts unterbunden, zu denen sie ein rasches Anwachsen der Bevölkerung und eine Überlastung der Infrastruktur Horgaus zählen.

Bürgermeister Hafner weist dieses Befürchtungen als unbegründet zurück. Gelten lassen will er nur die Bedenken wegen der Höhe der Häuser – wobei Hafner selbst diese für verträglich hält: „Drei Geschosse sind durchaus im normalen Rahmen.“ Hafner steht hinter dem Projekt und bezeichnet es als „Glücksfall“. Horgau brauche dringend Mietwohnungen für junge und ältere Bürger, die sich keine Häuser leisten könnten oder wollten. Von den massiven Vorbehalten in der Bürgerschaft war der Rathauschef überrascht „Ich bin aus allen Wolken gefallen.“

Dabei ist es so ungewöhnlich nicht, dass große Wohnbauvorhaben Nachbarn auf die Barrikaden treiben. In Neusäß etwa gab es lange Widerstand gegen die Bebauung des Sailer-Areals. Unter der Bezeichnung Beethovenpark sind dort inzwischen mehr als 200 Wohnungen genehmigt. Angesichts des unverändert hohen Drucks auf dem Wohnungsmarkt und der damit einhergehenden Preissteigerungen wird rückt der Geschosswohnungsbau zunehmend ins Blickfeld. Erst kürzlich hat Landrat Martin Sailer die Landgemeinden aufgefordert, sich für den Bau höherer Häuser zu öffnen (wir berichteten).

In Horgau hat Begehrens-Betreiberin Grolig schon ein dreistöckiges Haus in ihrer Nachbarschaft entstehen sehen und findet, mehr davon müsse es im Dorf nicht geben. Das Bürgerbegehren habe auch ein grundsätzliches Anliegen: „Wir wollen wissen, wohin Horgau geht.“ Rathauschef Thomas Hafner hegt indes auch grundlegende Befürchtungen: „Wenn es in jeder Gemeinden so ist wie bei uns, bekommen wir das Wohnungsproblem nicht in den Griff.“

Termin Sitzung am heutigen Donnerstag um 20 Uhr im Pfarrsaal. Dort geht es außerdem um den Brückenneubau über die Roth in Bieselbach und den Zustand des Kanals in der Horgauer Hauptstraße.

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