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Meitingen

26.10.2017

Meilenstein für ein Energieprojekt

Beim Einbau des großen Pufferspeichers für das Nahwärme-Projekt in Meitingen: Der Speicher wird hier gerade in den Boden versenkt.
Bild: Bild: Andreas Lode

Der große Pufferspeicher für das Nahwärme-Projekt ist installiert. Die Firma SGL Carbon schenkt Meitingen 20 Jahre lang ihre Abwärme und Häuslebauer dürfen sich freuen.

Mit einem Kran schwebte gestern der riesige Pufferspeicher ein, der ein zentrales Element des Meitinger Projekts „Kalte Nahwärme“ ist. Der Speicher hat ein Fassungsvermögen von 15000 Litern Warmwasser und soll für einen optimalen Ausgleich zwischen gelieferter Abwärme und tatsächlichem Verbrauch sorgen. Alle am Projekt Beteiligten beobachteten gespannt, wie der Pufferspeicher in einer großen Kammer im Boden versenkt wurde. Das sieben Tonnen schwere Gerät sei ein „sichtbarer Meilenstein“ eines innovativen Energieprojekts, meinte Bürgermeister Michael Higl. Auch Professor Wolfgang Rommel vom Bifa-Umweltinstitut in Augsburg, das zusammen mit der Firma Ratioplan das Projekt in Meitingen begleitet, nannte das Vorhaben „beispielhaft“, er kenne kein anderes solches Projekt in Deutschland. Worum geht es in Meitingen? Die Abwärme, die bei der Firma SGL Carbon anfällt, soll in der nebenan entstehenden Neubausiedlung genutzt werden.

Den künftigen Bewohnern wird also rund 30 Grad warmes Wasser geliefert, was etwa zum Betrieb einer Fußbodenheizung ausreicht. Wer in dem Gebiet ein Haus baut, spart sich also die Investition in eine Heizungsanlage. Vielmehr kommt die Wärme über ein Rohrnetz von SGL ins Neubaugebiet. Das Rohrnetz wird vom Wasserwerk Meitingen errichtet, inklusive der erforderlichen Wärmepumpen, die für noch wärmeres Wasser etwa zum Duschen sorgen werden. Optimiert wird das System zusätzlich durch eine Fotovoltaikanlage.

Die zentrale Übergabestation für die Nahwärme befindet sich in dem Mehrfamilienhaus, das die Wohnungsbau GmbH Meitingen gerade in der Werner-von-Siemens-Straße und damit direkt gegenüber von SGL Carbon errichtet; die 20 Wohneinheiten sollen im April 2018 bezugsfertig sein. Der Pufferspeicher wurde gestern direkt neben diesem Haus im Boden versenkt.

Bis 2019 sollen in dem Baugebiet 14 Einfamilienhäuser und – im Laufe der nächsten Jahre – zehn Mehrfamilienhäuser mit rund 150 Wohneinheiten entstehen. Häuslebauer werden von der Energieberatung des Landkreises unterstützt und informiert. Zu zahlen haben sie künftig nur für die tatsächlich verbrauchte Wärme, und zwar zu einem wettbewerbsfähigen und für die nächsten 20 Jahre weitgehend gesicherten Energiepreis, wie die Marktgemeinde betont.

Die Firma SGL Carbon habe die Idee für dieses Projekt gehabt und sei damit auf den Markt Meitingen zugekommen, so Bürgermeister Higl gestern. SGL-Geschäftsführer Otto Olbrich, der ebenfalls den Einbau des Pufferspeichers verfolgte, sprach von einem „langfristigen und einmaligen Projekt“, und man sei froh, es zusammen mit dem Markt Meitingen realisieren zu können.

Ökonomisch wird sich das Vorhaben nach Einschätzung von Olbrich für SGL eher nicht rechnen. Die Firma wollte die Nahwärme eigentlich an den Markt Meitingen verkaufen, doch dann wäre das Projekt insgesamt einfach zu teuer geworden, wie auch Professor Rommel vom Bifa-Umweltinstitut bestätigte. So schenkt SGL Carbon die Abwärme dem Markt Meitingen laut Vertrag 20 Jahre lang. Das Vorhaben sei trotzdem sinnvoll, gerade weil sich das Baugebiet in der Nachbarschaft befinde, betonte Olbrich und freute sich über die „gute Zusammenarbeit“ mit dem Markt Meitingen. Im Ort wird durch das Nahwärme-Projekt ein neuer Primärenergieverbrauch von bis zu 1,5 Millionen Kilowattstunden pro Jahr vermieden.

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