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Meitingen

23.01.2018

Meitingen auf Wachstumskurs

Gemeinsam mit prächtig ausstaffierten Sternsingern begrüßte Bürgermeister Michael Higl die Gäste beim Neujahrsempfang.
Bild: Sonja Diller

Die Gemeinde steuert auf 12.000 Einwohner zu. Neben der Zukunft des Ortes steht beim Neujahrsempfang die Vergangenheit im Mittelpunkt: Es gab spannende Knochen-Funde.

So viele Meitinger wie noch nie kamen in diesem Jahr zum Neujahrsempfang in den Bürgersaal. 250 Anmeldungen waren eingegangen, und es sah nicht so aus, als ob es sich viele Gäste kurzfristig noch anders überlegt hätten. Bürgermeister Michael Higl freute sich über den Andrang, vermutete aber gleich charmant, dass das große Interesse wohl weniger ihm selbst als dem interessanten Vortrag gelte, den Kreisheimatpflegerin Gisela Mankopf zu den Ausgrabungen an der Donauwörther Straße vorbereitet hatte.

Doch vorher hatte der Bürgermeister einige Fakten und viel Lob für die Meitinger Bürger parat. Ohne die engagierte Bürgerschaft wäre das schnelle Wachstum des Marktes, gepaart mit stabiler sozialer Entwicklung nicht möglich, betonte Higl. „Wir steuern rasant in Richtung 12.000 Einwohner und registrieren eine große Dynamik in der Gesellschaft.“ So werde Meitingen auch im gerade begonnenen Jahr alle Hände voll damit zu tun haben, Wohnraum und alles, was dazugehört, zur Verfügung zu stellen. Stolze 31 Millionen Euro für Investitionen stünden in diesem Jahr im Haushalt der Marktgemeinde, dazu kämen Projekte wie die Langenreicher Ortsmitte, für die über 400.000 Euro an europäischen Fördermitteln zugesagt sind. Allerdings unter der Voraussetzung, dass das Projekt in zwei Jahren abgeschlossen ist.

Dass er für das gute und sozial stabile Miteinander im Ort die tatkräftige Unterstützung möglichst vieler Mitbürger braucht, daran ließ Bürgermeister Michael Higl keinen Zweifel. „Wir haben viele engagierte Bürger“, denen man für ihren Einsatz für das gelebte Miteinander in der Gesellschaft gar nicht genug danken könne. Dabei seien die Feuerwehr und die Wasserwacht ebenso wichtig wie Vereine, die den Sport oder die Traditionen pflegen. Denn das, was früher war, interessiere die Menschen immer mehr. Und wenn dort, wo neue Wohngebiete entstehen sollen, plötzlich entdeckt wird, dass dort schon einmal jemand gelebt hat, „dann ist das spannend“ und lohne den Aufwand des Forschens, bereitete der Bürgermeister dem Thema der Kreisheimatpflegerin den Weg.

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Gisela Mahnkopf gelang es, aus rätselhaften dunklen Streifen im Boden, Grubenhäusern und dem ominösen Spinnwirtel Geschichten zu weben, die die Gäste im Bürgersaal fesselten. Der Spinnwirtel sei ein einfaches Spinnwerkzeug, erklärte sie nicht nur an diesem Abend den Interessierten. Oft kämen am Ausgrabungsort an der Donauwörther Straße Wissbegierige vorbei und fragten, ob man denn schon etwas gefunden hätte. Darauf gehen Mahnkopf und die anderen Aktiven des Arbeitskreises für Vor- und Frühgeschichte im Landkreis auch gerne ein.

Ein frühmittelalterliches Handwerkerdorf vermuten sie auf dem Areal und finden immer wieder Stücke aus Stein oder Keramik, typische Werkzeuge aus Knochen belegen die Herstellung von Textilien. Die halb in den Boden hineingebauten Grubenhäuser lagen an der Kreuzung der legendären Via Claudia, deren Reste unter der heutigen Donauwörther Straße liegen, und einer weiteren Heerstraße des Römischen Reiches. Dass an einem sicher bedeutenden Transportweg auch Waren produziert und angeboten wurden, sei nachvollziehbar, so Mahnkopf. Viele Geheimnisse warten aber noch darauf, enträtselt zu werden. Warum ein Pferdefuß dort gefunden wurde, wo einmal die gute Stube eines mittelalterlichen Hauses war, oder welchem Zweck kleine Knochenplättchen mit millimeterfeinen Dekoren dienten, weiß bisher niemand.

Es wird also noch viele spannende Entdeckungen in Meitingen geben. Und obwohl „gefühlte Millionen von Eimern“ mit Erdaushub schon gesiebt wurden, um auch kein Fundstück zu übersehen, wird auch zu gröberem Gerät gegriffen. Mit einem gefühlvoll geführten Bagger werden Bodenschichten abgezogen, damit die Arbeit zügiger vorangeht. Denn man habe natürlich auch für einen Bürgermeister Verständnis, der nicht zehn Jahre warten möchte, bis die archäologischen Funde gesichert und das Baufeld für das moderne Wohnen freigegeben werden kann, zog Mahnkopf den Bogen zurück zum modernen Meitingen im Wachstumsschub.

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