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Meitingen

02.04.2020

Meitinger Lehrer gründet Youtube-Kanal für Corona-Unterricht

Über die Lernplattform „mebis“ können Kinder in Bayern auch bei Schulschließungen digital unterrichtet werden. Manche Lehrer gehen noch weiter und unterrichten via Youtube.
Bild: Stefan Puchner, dpa

Plus Der Deutsch- und Geschichtslehrer der Realschule Meitingen, Roberto Zitarosa, hat jetzt seinen eigenen YouTube-Kanal. Auch die FOS/BOS Neusäß geht neue Wege.

Unterricht hat viel mit Geduld zu tun – aber nicht, wenn es um die technischen Voraussetzungen geht. So sieht das zumindest der Deutsch- und Geschichtslehrer der Realschule Meitingen, Roberto Zitarosa (34). Schon gleich nach Beginn des Unterrichts zu Hause war für ihn klar: Die offizielle Lernplattform mebis ist zu langsam und zu instabil, wenn es um so viele Schüler geht. Seine Idee: Unterricht per YouTube-Kanal. „Das hatte ich vorher zwar noch nicht gemacht, ist aber nicht so sehr schwer“, sagt er.

So funktioniert sein digitaler Unterricht aus dem Homeoffice: Auf seiner neuen Internetseite zitarosa.de finden die Schüler ihre Klassenstufe und Arbeitsmaterialien zu den anstehenden Themen. Dazu gibt es einen Link auf die Seite von YouTube und die Erklärvideos von Roberto Zitarosa.

Freilich, deutsche Grammatik kommt für die Schüler manchmal ebenso sperrig daher, wenn sie online erklärt wird. Deshalb darf ruhig einmal geblödelt werden – genau wie im Klassenzimmer: Auf einem Video ist der Lehrer mit einer Langhaarperücke zu sehen. „Am Anfang war alles eher ganz ernst. Aber man braucht ja auch etwas zu lachen“, findet er.

Angebot nicht nur für die eigenen, sonder für alle Realschüler

Über die Klickzahlen auf seiner Seite und den Videos kann Zitarosa überprüfen, ob seine Schüler auch wirklich alle mitmachen. „Sie sollen sich aber zudem melden und mitteilen, wenn sie etwas nicht verstanden haben“, sagt er. Auch die Arbeitsblätter müssen teilweise zurückgeschickt werden. Ein Manko sei freilich, dass bei dieser Art von Unterricht die individuelle Förderung nicht in dem Maße möglich sei, wie im Klassenzimmer. Er sieht sein Angebot nicht nur für seine, sondern für alle Realschüler. Nicht jede Lehrkraft habe schließlich die Möglichkeit, dieses Angebot so schnell auf die Beine zu stellen.

Nicht immer gleich zu erreichen ist in diesen Tagen auch Thomas Schwarz. Der Deutsch- und Technologielehrer der Fachober- und Berufsoberschule (FOS/BOS) in Neusäß ist praktisch jeden Tag im Unterricht – per Videokonferenz mit seinen Schülern. Die FOS/BOS nutzt dafür eine Software, die ihnen das Landratsamt bereits am Anfang des Schuljahres zur Verfügung gestellt hat. Der Landkreis übernimmt seit diesem Schuljahr die Lizenzkosten für jeden Schüler an einer Landkreisschule für das Programm „Teams“ des Weltmarktführers Microsoft. Dafür werden alle Daten auf die Server von Microsoft gespiegelt, so Landratsamtssprecher Jens Reitlinger. Für die Lehrer heißt das aber auch, in besonderem Maß auf den Datenschutz zu achten.

Der Lehrer Roberto Zitarosa.
Bild: Zitarosa

Jeden Tag gibt es Lerneinheiten per Livechat in Neusäß

„Wir haben tatsächlich schon zu Beginn des Schuljahres jedem Schüler ein Konto angelegt“, sagt FOS/BOS-Schulleiter Rainer Bartl. So konnte die Schule mit dem digitalen Unterricht gleich starten, als die Schulen geschlossen wurden. „Das läuft viel besser, als erwartet“, ist der Schulleiter überzeugt. Jeden Tag gibt es Lerneinheiten per Livechat. Für Thomas Schwarz hieß das am gestrigen Mittwoch eine Gedichtinterpretation mit seinen Schülern, „Der Morgen“ von Joseph von Eichendorff stand auf dem Programm. „Am Anfang der Stunde sehen mich die Schüler über die Webcam, solange es noch um Organisatorisches oder Allgemeines geht. Dann schalte ich um auf mein I-Pad“, beschreibt er. Dort könnten die Schüler dann praktisch das entstehende Tafelbild verfolgen. Fragen zum Unterricht können sie über die Chatfunktion stellen, Thomas Schwarz beantwortet sie dann gleich im Unterricht. „Das ist am Ende doch recht anstrengend“, gibt er zu.

Das Abitur wird wegen Corona zu einer besonderen Herausforderung

Die besondere Herausforderung an der FOS/BOS: Bis auf die elfte Jahrgangsstufe steht jede Klasse vor ihren Abiturprüfungen, entweder zum Fachabitur nach der zwölften Klasse sowie dem fachgebundenen oder allgemeinen Abitur nach der 13. Klasse. Nun gibt es etwas mehr Luft für Schüler und Lehrer: Die Prüfungen wurden um drei Wochen nach hinten in den Juni verschoben.

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„Ich denke, über diese Struktur ist tatsächlich begleitetes Lernen auch möglich. Und die Mitarbeit der Schüler ist erstaunlich gut“, so Rainer Bartl. Am Ende soll es auch um ein bisschen Spaß gehen: Bis zu den Osterferien läuft noch ein Kreativwettbewerb für die Schüler. Und wenn Sport auf dem normalen Stundenplan steht, dann gibt es den eben per Link oder auch per Videochat. Für Kraft- und Herztraining bräuchten die Schüler kaum mehr als wenig Platz und Sportkleidung, so die Anweisung der Lehrkraft.

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