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Meitingen

06.09.2018

Meitinger heizen erstes Haus mit lauem Wasser

Markus Hertel (früher Bifa, rechts) erläuterte die Vorzüge des Niedertemperaturnetzes. Links SGL-Werkleiter Markus Partik, in der Mitte Meitingens Bürgermeister Michael Higl.
Bild: Peter Heider

In der Marktgemeinde ist jetzt ein Niedertemperaturnetz in Betrieb. Es gilt als deutschlandweites Pilotprojekt

Nur an die 50 Meter trennen Zukunft und Vergangenheit an dieser Stelle von Meitingen, und gut möglich ist, dass sich beide noch in die Quere kommen. Aber dazu später. Zunächst einmal geht es um die Heizung der Zukunft, und die könnte in einem grauen schmucklosen Keller eines nagelneuen Mehrfamilienhauses in der Meitinger Werner-von-Siemens-Straße stehen.

Auf den ersten Blick sind die Kessel und Rohre nichts Besonderes, doch ein Heizsystem wie dieses habe es bislang in Deutschland noch nicht gegeben, sagen die Experten vom Augsburger Umweltinstitut Bifa, das eingebunden war. Beim Meitinger Niedertemperaturnetz soll die Abwärme vom benachbarten SGL-Standort dazu dienen, 170 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern und 14 Einfamilienhäuser zu beheizen. Seit knapp zwei Wochen ist das erste Mehrfamilienhaus angeschlossen.

Der Clou: Das Kühlwasser, das von der SGL herübergepumpt wird, ist mit 31 Grad gerade lauwarm. Doch es reicht, um Fußbodenheizungen zu betreiben. Damit mit aber auch warmes Wasser erzeugt werden kann, das zum Beispiel zum Duschen reicht, helfen Wärmepumpen nach.

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Auch in den kältesten Nächten wird es warm bleiben

In den Augen von von Friedrich Rebelein von der SGL-Carbon könnte das Meitinger Projekt viele Nachahmer finden. „Abwärme mit diesen Temperaturen gibt es in der Industrie wie Sand am Meer, und niemand weiß so recht, wohin damit.“ Selbst im Endausbau wird das Meitinger Netz nicht mehr als fünf Prozent der Wärme verbrauchen, welche der SGL-Standort zur Verfügung stellen könnte. Auch in den kältesten Winternächten, so versichern die Planer, werde es wohlig warm bleiben.

Was in der Theorie so einfach klingt, stieß beim Pilotprojekt in der Praxis auf etliche Hürden. So mussten erst die richtigen Wärmepumpen gefunden und an die speziellen Anforderungen angepasst werden, zudem mussten der Markt Meitingen und die SGL Carbon einig werden. Das sei trotz allen guten Willens gar nicht so einfach gewesen, sagen Werkleiter Markus Partik und Bürgermeister Michael Higl übereinstimmend. Das Unternehmen verpflichtete sich schließlich, sein erwärmtes Wasser für den Zeitraum von 20 Jahren kostenfrei zur Verfügung zu stellen.

Der Markt wiederum wird rund eine Million Euro investieren, um es über Rohre abzuholen und in die Häuser zu transportieren. Dort wiederum spart man sich die Investitionen in eine Heizungsanlage und darf sich über einen stabilen Energiepreis freuen. Zudem lassen sich die Forderungen der Energieeinsparverordnung leichter und damit preiswerter erfüllen, weil die hier verwendete Wärme im Grunde ja ein Abfallprodukt ist.

Ein unerwartetes Hindernis ist aufgetaucht

Für die Marktgemeinde, die über ihre Wasserwerke als Energielieferant auftritt, sei das Ganze noch kein Geschäft, sondern trage sich lediglich selbst, sagt Higl. „Ich schlafe schon mal ruhiger, wenn es funktioniert.“ Bislang ist erst ein Mehrfamilienhaus der Meitinger Wohnungsbaugesellschaft angeschlossen, zwei weitere muss die Gesellschaft erst noch bauen. Zudem ist in dem Baugebiet ein unerwartetes Hindernis aufgetaucht. Bevor der dritte Bauabschnitt angegangen werden kann, müssen erst die Archäologen fertig sein. Sie graben derzeit nach den Spuren der ersten Meitinger, die wohl schon um 500 nach Christus dort gesiedelt haben.

Trotz dieser Schwierigkeiten überwiegen für die Beteiligten die Vorteile. Das Projekt hilft der Umwelt, weil es zusätzlichen Energieverbrauch und CO2-Emissionen vermeiden hilft. Auch ein neuer Kunde scheint schon in Sicht. Die SGL selbst will laut Werkleiter Partik nun fallweise prüfen, auf die eigene Abwärme zu setzen.

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