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Meitingen

29.08.2019

Meitinger singen vertonte Gedichte aus der Todeszelle

Im Una-Sancta-Projektchor sind Sänger und Sängerinnen aus zahlreichen Meitinger Chören vereint. Gemeinsam bestreiten sie im November die Welt-Uraufführung in der Meitinger St. Wolfgang-Kirche. 
Bild: Michael Lindstedt

Eine Welt-Uraufführung gibt es in der Wolfgangskirche mit vertonten Gedichten von Max Josef Metzger, einem Opfer der Nazi-Diktatur. Er starb unter dem Fallbeil. 

Es wird eine Welt-Premiere: Am Sonntag, 3. November, um 16 Uhr findet in der Meitinger St. Wolfgangkirche ein ganz besonders Konzert statt. Ein Chor mit über 90 Stimmen und ein Orchester mit gut 30 Akteuren werden die Vertonung der „Gefängnisgedichte“ von Dr. Max Josef Metzger präsentieren. Er hat vor 100 Jahren das Meitinger Christ-Königs-Institut gegründet.

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Seine Idee der Einheit der Kirchen („Una Sancta“) sowie sein Einsatz für den Frieden kosteten Metzger als Opfer der Nazi-Diktatur das Leben. Bis zu seinem Tod - Metzger starb im Jahr 1944 im Gefängnis unter dem Fallbeil - schrieb der katholische Pfarrer seine Gefängnisgedichte.

Die Idee stammt vom Cormac O’Duffy

Alles begann mit der ambitionierten Idee des amerikanisch-irischen Komponisten Cormac O’Duffy, der in Charleston, im US-amerikanischen Bundesstaat South Carolina lebt. Im Januar wandte sich der Komponist in einem E-Mail an die Geschäftsstelle des Augsburger Sängerkreises. „Ich schreibe Ihnen, da ich die letzten sechs Monate damit verbracht habe, einen Liedzyklus zu erstellen, der auf den Gefängnisgedichten von Dr. Max Josef Metzger basiert.“ Nun war O’Duffy auf der Suche nach Chor und Orchester für die Uraufführung des Werkes.

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Zu Beginn seiner Arbeit wusste O’Duffy nicht, dass er seine Komposition pünktlich zum 100. Jahrestag der Meitinger Christ-Königs-Gemeinschaft fertigstellen würde. O’Duffys Vorschlag landete in den Händen des Meitingers Heinrich Schilling. Der passionierte Sänger im örtlichen Männerchor und im Chor der katholischen St. Wolfgang Kirche erkannte sofort: „Das ist ein Chorwerk für einen gemischten Chor.“

Die Chorleiterin war sofort begeistert

Schilling sprach Erika Beer an, die Chorleiterin des St.-Wolfgang-Chors. Diese wiederum ging, eingedenk von Metzgers Einsatz für die Ökumene, zu ihrer Chorleiter-Kollegin im Johanneschor, Andrea Henkelmann, an. Die war sofort begeistert und erklärt euphorisch: „Es ist eine einmalige Gelegenheit, an einer Welt-Uraufführung mitzuwirken.“ Als klar war, dass die Kompositionen „singbar“ sind, gründeten sie den Projektchor „Una-Sancta“, unter dessen Namen im November zahlreiche Meitinger zu hören sein werden.

22 Sänger aus dem Männerchor, 32 Aktive aus dem Kirchenchor St. Wolfgang, 34 Akteure aus dem Johanneschor, Sängerinnen aus dem Frauensingkreis, Einzelpersonen und Sänger aus dem Kirchenchor St. Clemens gehören zum Una-Sancta-Projektchor, der in Summe über 90 Stimmen zählt. Hinzu kommt ein Orchester mit 30 Mitwirkenden.

Der Blick auf die Welt aus der Gefängniszelle heraus

Mit der Komposition von O’Duffy in Händen begannen die Proben für insgesamt zwölf Stücke. Vier Proben fanden bereits vor der aktuellen Sommerpause statt. Nach der anfänglichen Herausforderung, die Chormitglieder so in der katholischen St. Wolfgang-Kirche zu positionieren, dass alle Sichtkontakt zu Erika Beer und Andrea Henkelmann haben, ging es ans Singen. Dafür ließen sich die Chorleiterinnen zunächst ganz und gar auf die Zeilen von Metzger ein, der sehr plastisch schilderte, welchen Blick er auf die Welt hatte - aus seiner Gefängniszelle heraus.

So heißt es im Gedicht „In meiner Zelle“: „Ich seh’ nicht viel von deiner Sonne, gar schmaler Streifen Himmel blaut mir nur. Ich seh’ nicht mehr die mir vertrauten Augen. Verwischt ist aller Liebes Spur.“ Auch im Stück, das mit dem Titel „In der Todeszelle“ überschrieben ist, heißt es: „Acht Meter im Quadrat - ein enger Lebensraum! Ich schau’ die Wolken wohl, doch keinen grünen Baum, nicht Blüte und nicht Frucht, nicht knospendes Gezweige als siegesmächt’gen Lebens trösten Hoffnungspfand, nur düstren Himmel seh ich und die kahle Wand.“ Ergriffen von Worten wie diesen und der Geschichte, die Metzger umgibt, stiegen Erika Beer und Andrea Henkelmann in die Proben ein.

Voller Herzblut in Aktion getreten

Jedes der zwölf Lieder wurde von den Chormitgliedern angehört, dann wurden die Stimmen getrennt eingeübt, bevor sie gemeinsam sangen. Anschließend trat auch der Tenorsolist und Darsteller von „Pater Max“, Udo Scheuerpflug, voller Herzblut in Aktion.

Und während die Chöre gemeinsam sangen und das Orchester für sich allein übt, führte Heinrich Schilling Gespräche mit möglichen Sponsoren, denn: Um die Uraufführung umsetzen zu können, gilt es auch einen fünfstelligen Betrag für Notenmaterial, Gagen und andere Kosten zu beschaffen. Einen Zuschuss leistet die Gemeinde Meitingen. Auch örtliche Unternehmen sagten bereits ihre Unterstützung zu.

Dr. Max Josef Metzger, Bruder Paulus, an seinem Schreibtisch im Christkönigsinstitut in Meitingen. Das Seligsprechungsverfahren für den Priester läuft.
Bild: Repro: Christkönigsinstitut

Eine Woche vor der Uraufführung am 3. November wird der Komponist O’Duffy die Chorproben selbst in die Hand nehmen. Dabei wird es noch einmal sehr spannend: Erst einen Tag vor der Uraufführung wird der Una-Sancta-Projektchor erstmals mit dem Orchester spielen.

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