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Landkreis Augsburg

07.05.2020

Messen und Corona: In den Kirchen ist Normalität in weiter Ferne

In der St.-Jakobus-Kirche in Gersthofen weist dieses Schild die Besucher auf das korrekte Verhalten hin. Am Wochenende nehmen die Kirchen im Augsburger Land den Gottesdienst-Betrieb wieder auf. Manche hadern mit den Beschränkungen, aber bemühen sich trotzdem, sie einzuhalten.
Bild: Marcus Merk

Plus Seit Montag sind Messen wieder erlaubt. Die Auflagen sind streng. In evangelischen Kirchen wird am Eingang Fieber gemessen, Katholiken bekommen keine Hostie.

So hat die St.-Jakobus-Kirche in Gersthofen wohl noch nie Messe gefeiert. Jede zweite Bank ist mit Sperrband außer Betrieb genommen, wer eintritt, muss sich die Hände desinfizieren, und die Mikrofone sind mit Plastiktüten überzogen. „Das ist alles so vorgeschrieben“, sagt Mesner Reinhold Schwegler.

Er habe die Kirche nach den Beratungen mit dem Pfarrer alleine so hergerichtet. Das habe ihn einige Stunden gekostet. Bei der nächsten Messe werden vier Ordner die Besucher auf ihre Plätze einweisen. Es dürfen maximal drei Leute pro Reihe sitzen. Eine Maßnahme macht Schwegler besonders Sorgen: „Die Maskenpflicht ist mir unangenehm. Das macht alles sehr unpersönlich“, glaubt er. Man könne den Gesichtsausdruck der Menschen nicht erkennen.

Landkreis Augsburg: Ab Samstag gibt es wieder Gottesdienste

Ab Samstagabend finden im Landkreis Augsburg unter Auflagen wieder Gottesdienste und Messen statt. Auf Andachten unter der Woche muss man aber weiterhin verzichten. Den Auftakt macht Schweglers St.-Jakobus-Kirche am Samstag um 18 Uhr. Katholische und evangelische Messen sollen am Sonntag zu den gewohnten Zeiten zwischen 9.39 Uhr und 10.30 Uhr beginnen. Das gilt für alle katholischen und evangelischen Gemeinden im Landkreis, mit Ausnahme der evangelischen Gemeinde Diedorf-Fischach. Dort wird man die Messe fürs Erste noch per Youtube-Video abhalten, sie aber durch eine Andacht am Abend, für Menschen ohne Internet, ergänzen. „Die Regeln sind für uns einfach zu einschränkend. Wir können nur so wenige Leute in die Kirche lassen, dass wir zu viele abweisen müssten“, sagt Pfarrer Alan Büching.

Die Kirche St. Jakobus in Gersthofen ist im Inneren hell und modern.
Bild: Marcus Merk (Archiv)

Für alle Teilnehmer der Gottesdienste beider Konfessionen gilt Maskenpflicht. Um die Abstandsregeln einzuhalten, wird man nur wenige Menschen in die Kirche lassen. Je nach Größe des Gotteshauses.

Gäubige bekommen in der Kirche keine Hostie

„Die Türen werden während des Gottesdienstes offenstehen“, erklärt der evangelische Dekan Frank Kreiselmeier. So soll verhindert werden, dass die Tür angefasst werden muss. So könnte infektiöses Material auf die Hände der Besucher kommen. Außerdem werden die Gemeinden einen getrennten Ein- und Ausgang haben: „Damit die Leute sich nicht entgegenkommen“, sagt Kreiselmeier.

Bei den Katholiken wird es nur eine geistige Kommunion geben: „Sonst kommt man sich zu nah“, sagt der katholische Dekan Thomas Pfefferer. Das heißt, Gläubige werden keine Hostie erhalten, aber alle anderen Riten werden normal durchgeführt. Theologisch gebe es keinen Unterschied zur normalen Kommunion.

Ist die Kirche voll, dürfen keine weiteren Besucher rein

Auch der Gesang ist bei beiden Kirchen stark reduziert, und auf Gesangsbücher wird verzichtet. Laut dem Beschluss der Landesregierung darf die Messe außerdem höchstens 60 Minuten lang sein. Eine Anmeldung ist nicht nötig. „Wenn die Kirche zu voll ist, wird man aber an der Tür abgewiesen“, sagt Pfefferer.

Auch bei den Protestanten hat man sich auf Abweisungen gefasst gemacht: „ Wir denken uns aber einen Weg aus, Leute, die nicht reinkommen, trotzdem teilhaben zu lassen“, sagt Kreiselmeier. Etwa indem man die Predigt für sie ausdrucke oder eine spontane Zweitandacht halte, wenn ein zweiter Pfarrer zugegen ist.

Bei der St. Jakobus-Kirche müssen sich die Besucher mit Namen eintragen

Ein weiterer Umstand, die evangelische Messe doch nicht mitfeiern zu können, sind Fieber oder eine Erkältung: „Wir werden am Eingang Fieber messen. Wer eine erhöhte Körpertemperatur oder Schnupfen hat, wird abgewiesen. Das könnte auch Corona sein“, sagt Kreiselmeier. Die katholischen Kirchen wollen kein Fieber messen. In der St.-Jakobus-Kirche in Gersthofen muss sich aber jeder Besucher namentlich auf eine Liste eintragen: „Damit das Gesundheitsamt im Ernstfall weiß, wen es anrufen muss“, sagt Schwegler.

„Eine normale Messe wird das sicherlich nicht. Es ist uns aber wichtig, wieder anzufangen und möglichst sichere Bedingungen zu schaffen“, erklärt Kreiselmeier die Vorsichtsmaßnahmen. Auch Mesner Reinhold Schwegler ist froh, dass es weitergeht. „An Ostern habe ich die Gemeinde echt vermisst. Da habe ich mit dem Lektor, dem Pfarrer und dem Organisten alleine Messe gefeiert“, erinnert er sich. Er hofft, dass die Leute Verständnis für die Einschränkungen haben.

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