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Kreis Augsburg

14.05.2019

Messer-Attacke auf Vater: Gab es zuvor Anzeichen für die Tat?

Der Sohn ging nachts um 2 Uhr mit einem Gemüsemesser auf seinen Vater los.
Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Der 24-Jährige aus dem Augsburger Land fühlte sich von einem Geheimdienst verfolgt. Ein Gutachter stößt auf Unstimmigkeiten bei den Verletzungen des Vaters.

Nach dem Angriff mit einem Messer auf seinen Vater bezeichnete er sich selbst als „Killer“ und als „egoistischer und narzisstischer Mörder“, der von einem Geheimdienst verfolgt werde. Diese Wahnvorstellungen hatte der damals 24-Jährigen aus dem westlichen Landkreis auch schon viel früher. Aber wie wurden sie behandelt, um sie unter Kontrolle zu bringen? Um diese Frage ging es unter anderem am dritten Prozesstag am Landgericht Augsburg.

Ein früherer Betreuer berichtete als Zeuge, wie er den Angeklagten nach einem stationären Aufenthalt in einem Bezirkskrankenhaus erlebt hatte. Das war einige Monate vor dem Angriff auf den Vater. Der bestellte Betreuer hatte auch ein Auge auf die Medikamente. Er meinte: Es sei abzusehen gewesen, dass der 24-Jährige die Medikamenteneinnahme „wieder schleifen lässt“. Ein generelles Problem: Während einer Unterbringung würden die Patienten die Medikamente zeitweilig nehmen. Doch danach lasse „die Begeisterung“ nach.

Messerattacke im Kreis Augsburg: "Tickende Zeitbombe"

Dauerhaft helfen könne nur eine Unterbringung mit einer Zwangsbehandlung, also einer kontrollierten Einnahme von Pillen. Doch ein entsprechender Antrag sei vom Tisch gewesen, nachdem der junge Mann versichert hatte, die Medikamente nach seiner Entlassung daheim freiwillig einzunehmen. „Das ist ein ewiger Kreislauf“, sagte der Betreuer vor Gericht. Die Vorsitzende Richterin Susanne Riedel-Mitterwieser verglich den Zustand mit einer „tickenden Zeitbombe“. Der Betreuer sagte: „Uns sind da die Hände gebunden.“ Für eine Zwangsunterbringung müssten auch bestimmte Voraussetzungen vorliegen – das sind eine Eigen- oder eine Fremdgefährdung. Ohne sie würden die Anträge in der Regel abgeschmettert. „Man kann ja nicht jemanden auf Verdacht wegsperren.“ Und: Es habe keine Anzeichen dafür gegeben, dass der junge Mann im Umfeld des Vaters aggressiv wird.

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Der Vater des Angeklagten hatte allerdings bemerkt, dass sich sein Sohn verändert. Wochen vor dem Angriff habe sich 24-Jährige zunehmend abgekapselt. Im Juli 2018 passierte es dann: Der Sohn ging nachts um 2 Uhr mit einem Gemüsemesser auf seinen Vater los. Der hatte auf der Couch geschlafen. Gegenüber der Polizei sagte der 24-Jährige nach seiner Festnahme, dass er den Augenblick zwischen Schlaf und Aufwachen nutzen wollte, um seinen Vater zu schocken. Er habe ihm nur Angst einjagen und einen Schrecken versetzen wollen. Aber niemals habe er ihn töten wollen.

Mehrere Verletzungen an den Unterarmen

Ihn seinem Wahn dachte der junge Mann schon länger, dass er vom israelischen Geheimdienst verfolgt werde. Mit dem Angriff wollte er angeblich klären, ob auch der Vater zu seinen selbst erklärten Feinden gehört. Der Vater erlitt bei der Attacke mehrere Verletzungen an den Unterarmen. Randolph Penning von der Rechtsmedizin München hatte die Wunden untersucht. Eine Schnittverletzung am rechten, abwehrenden Unterarm habe auf einer Länge von fünf Zentimetern die Lederhaut durchtrennt, das Muster der wellenförmigen Klinge sei zu erkennen gewesen. Hätte das Messer bei einem Stich einen Knochen getroffen, dann wäre es vermutlich gebrochen.

Der Rechtsmediziner erklärte auf Nachfrage von Rechtsanwältin Martina Sulzberger, die den Angeklagten gestern vor Gericht vertrat: „Wenn ich mir die Verletzung durch einen Stich erklären wollte, dann tue ich mich schwer.“ Bei einer anderen Wunde am linken Unterarm lasse sich nicht ausschließen, dass sie sich der Mann selbst beigebracht hatte.

In einem weiteren Gutachten ging Landgerichtsarzt Richard Gruber auf die Erkrankung des Angeklagten ein. Sein Urteil: Der 25-Jährige hat eine krankhafte seelische Abartigkeit. Er sei aus medizinischer Sicht schuldunfähig und könne deshalb nicht verurteilt werden. Er empfahl eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus. Darüber muss das Gericht am Mittwoch entscheiden.

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