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Meitingen

23.11.2018

Migrationsstammtisch: Hier sprechen Helfer über ihre Sorgen

In Meitingen treffen sich Ehrenamtliche zu einem Stammtisch. Das große Ziel ist ein Integrationstreff.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

In Meitingen treffen sich Ehrenamtliche zu einem Stammtisch. Das große Ziel ist ein Integrationstreff.

Die freiwilligen Migrationshelfer in Meitingen haben viele verschiedene Aufgaben. Die einen engagieren sich als Lesepaten für Flüchtlinge oder als Integrationshelfer an Grundschulen oder an der Mittelschule für Kinder, deren Familien aus Europa nach Deutschland immigriert sind oder die in Deutschland Asyl beantragt haben. Manche Helfer gehen zu den Flüchtlingen in die Unterkünfte, begleiten sie zum Arzt oder auf die Behörde. Andere organisieren Fahrdienste oder Schwimmkurse. Trotz der unterschiedlichen Bereiche, für die sie sich engagieren, eint die Freiwilligen auch vieles. Bei der Arbeit mit den Migranten entstehen oft Probleme, die die Helfer emotional belasten und ihnen Sorge bereiten.

Was bedeutet Integration?

Um den Ehrenamtlichen eine Plattform zu bieten, um sich auszutauschen, sich zu informieren, zu diskutieren und sich von anderen Freiwilligen Hilfe zu holen, findet in Meitingen alle zwei Monate der Migrationsstammtisch statt. Organisiert wird er von Simon Oschwald, Migrationsberater der Diakone Augsburg, von Ordnungsamtsleiter Achim Zwick und Jens Tietböhl vom Quartiersbüro Meitingen. Er sagt: „Es geht dabei aber nicht um einen geselligen Abend mit Bier und Ratschen. Der Stammtisch ist für einen sachlichen und inhaltlichen Austausch zwischen den ehrenamtlichen Migrationshelfern da.“

Die Helfer treffen sich deshalb auch nicht einfach so, Jens Tietböhl erstellt vorab eine Tagesordnung, damit der Abend strukturiert verläuft. Auf dem vergangenen Treffen diskutierten die Teilnehmer zum Beispiel über das Thema: Was verstehe ich unter Migration und Integration. Das Ergebnis aus der Diskussionsrunde: „Integration bedeutet, Wertschätzung, Individualität, Sprache, Glaube und Familie und die Aufklärung über die deutsche Kultur, Umgangsformen und Moralvorstellungen.“ Dabei gehe es aber nicht nur um Flüchtlinge in den Asylunterkünften, sondern auch um die Familien, die aus dem europäischen Ausland und der Türkei nach Deutschland immigriert seien, erklärt Tietböhl.

Das große Ziel: ein Migrationstreff

Zum dritten Mal fand der Migrationsstammtisch Anfang November statt, das erste Mal im Juli. Die Idee dazu kam den Veranstaltern, als Meitingen in das „Soziale Stadt“-Programm, aus dem das Quartiersbüro hervorging, aufgenommen wurde – ein Städtebauprogramm, das den Markt Meitingen wirtschaftlich, sozial und städtebaulich fördert. Das Quartiersbüro Meitingen ist ein zentraler Bestandteil dieses Programms und unterstützt das Engagement für mehr Familienfreundlichkeit, Barrierefreiheit, Teilhabe aller Generationen und Integration. In diesem Zuge erstellten die Veranstalter eine Migrationsbroschüre, die unter anderem das Konzept des Stammtisches vorstellte. „Unser großes Ziel ist aber ein Integrationstreff für interessierte Bürger mit und ohne Migrationshintergrund“, erklärt Simon Oschwald von der Diakonie. Dort sollen Migranten und Flüchtlinge Gerichte aus dem Heimatland kochen, Musik machen und sich gemeinsam mit Helfern zum Sprachcafé treffen. „So ähnlich wie das Café Tür an Tür in Augsburg, nur in Klein.“

Bis es so weit ist, kommen zwischen zehn und zwanzig freiwillige Helfer alle zwei Monate zum Migrationsstammtisch. „Dort können sie sich über aktuelle Themen informieren, aber genauso auch Fahrdienste organisieren oder über ihre Misserfolge sprechen.“

Keine wertvollen Helfer mehr verlieren

Denn viele Freiwillige seien mittlerweile frustriert, viele haben sich sogar ganz aus dem Ehrenamt zurückgezogen, sagt Achim Zwick, Ordnungsamtsleiter in Meitingen. „Es geht an die Substanz der Helfer, wenn sie sich einsetzen, die Flüchtlinge aber oft keine Bleibeperspektive haben. Da verliert man auf Dauer seinen Einsatzwillen und seine Kraft und ist letztlich frustriert.“

Mit dem Migrationsstammtisch wolle Zwick die ehrenamtlichen Helfer bei ihrem Engagement unterstützen. „Dort können sie ihre Sorgen kommunizieren und Lösungen für ihre Probleme finden. Damit wir niemandem mehr aus unserem wertvollen Helferkreis verlieren.“

Stammtisch: Auch im neuen Jahr wird wieder ein Migrationsstammtisch in Meitingen veranstaltet. Freiwillige Migrationshelfer können diesen voraussichtlich am Donnerstag, 17. Januar, um 19 Uhr im Gemeindezentrum der evangelischen Johanneskirche besuchen.

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