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Emersacker

19.11.2018

Millionenschaden: Feuer zerstört Pilskneipe im Schloss Emersacker

Frühmorgens schlugen Flammen an der Nordseite des Schloss-Ensembles aus einem Fenster.
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Frühmorgens schlugen Flammen an der Nordseite des Schloss-Ensembles aus einem Fenster.
Bild: Simone Kuchenbaur

Plus Der Brand im Schloss Emersacker am frühen Montagmorgen entstand wohl durch einen Defekt in einer Kneipe. Für einen Papagei im Lokal kommt jede Hilfe zu spät.

Auf rund eineinhalb Millionen Euro beläuft sich der Schaden, der durch einen Brand am frühen Montagmorgen im Schloss Emersacker entstanden ist. Rund 180 Männer und Frauen von fast einem Dutzend Feuerwehren aus der Region beteiligten sich an den Löscharbeiten in einem Teil der früheren Brauerei – nur wenige Meter vom Gerätehaus der Emersacker Retter entfernt.

Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand ging das Feuer im Schloss von der Küche aus

Obwohl die Feuerwehr nach der Alarmierung gegen 5.50 Uhr sofort vor dem sogenannten Mansardengebäude stand: Die Flammen hatten bereits die alten Fehlbodendecken des ungenutzten ersten und zweiten Stockwerks und dann das historische Dachgebälk erfasst.

Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand ging das Feuer von der Küche von „Jonny’s Kneipe mit Pfiff“ aus – so heißt das Lokal im Erdgeschoss. Vermutlich gab es dort einen Defekt an einem technischen Gerät. Am Sonntagabend soll noch Gastbetrieb gewesen sein.

Die Videoaufnahmen zeigen die Löscharbeiten nach dem Brand im Schloss Emersacker.

Aufnahmen von den Löscharbeiten am Schloss Emersacker.
Video: Maximilian Czysz

Auffällig war in der Kneipe der u-förmige lange Tresen, hinter dem der Betreiber stand. In Emersacker wird er als Lebenskünstler beschrieben, der nicht nur als Gastwirt von sich Reden machte. Mit einer über acht Meter langen, weißen Stretch-Limousine chauffiert er Hochzeitpaare, Junggesellen oder Partygäste. Der Betreiber, der früher als Automechaniker und auch als Bierfahrer arbeitete, hatte 1998 das Lokal übernommen. Damals war es noch eine Pizzeria. Er baute sie um und brachte seinen Stil ein.

Papageien-Dame überlebte das Feuer nicht

Stunden nach dem Feuer war vom sonst golden-glänzenden Interieur der Pilskneipe nur noch wenig zu erkennen. Die Einrichtung war bis zu Unkenntlichkeit verbrannt. Die Feuerwehrenmänner räumten am späten Vormittag das Inventar aus – zu Müll geschmolzen, zu nichts mehr zu gebrauchen. Alles kam sofort auf einen Container – die Gerippe von Stühlen und Barhockern genauso wie der Reste von Kühlschränken, Wandverkleidungen, Musikanlagen und die Voliere, in der der über 14 Jahre alte Papagei Karina saß – eine ältere, lieb gewonnene Dame, die das Feuer nicht überlebte.

Die Pilskneipe im Erdgeschoss des älteren Zischenbaus im Schloss von Emersacker ist komplett zerstört.
Bild: Marcus Merk

Die Freiwilligen der Feuerwehr aus Wertingen zogen an der Nordseite des Schlosses Dachziegel und verkohlte Bretter vom Dach. „Wir müssen an alle Glutnester kommen“, sagte Kreisbrandrat Alfred Zinsmeister. Dafür wurden auch alle Fehlböden und Wände geöffnet. Mit zwei Drehleitern wurde eine große grüne Plane übers Dach gezogen, um es in den kommenden Wochen vor Regen oder Schnee zu schützen.

Stunden nach den Löscharbeiten lag immer noch der beißende Brandgeruch in der Luft. Und zum Teil auch in den Gebäuden: Vor allem im Saalgebäude gegenüber. Dort befindet sich unter anderem die Arztpraxis von Ute Knüppe und die Krankengymnastikpraxis von Paul Neher. „Wir hatten Glück im Unglück“, sagte gestern Juniorchef Michael Neher. Die gut durchgelüftete Praxis soll ab Dienstag wieder öffnen, sofern es die Feuerwehr erlaubt.

Erst vor acht Jahren war das Saalgebäude für 1,8 Millionen Euro renoviert worden

Schlimmer traf es den Gemeindesaal unter dem Dach: Dorthin war der Rauch wie durch einen Kamin gezogen. Auf den Böden und an den Wänden hing gestern der Ruß, der sich mit der Feuchtigkeit zu einem klebrigen Film verbunden hatte. Bürgermeister Michael Müller wurde es ganz schwer ums Herz, als er am Vormittag den Saal unter die Lupe nahm. „Das war ein Schmuckstück“, sagte er. Das komplette so genannte Saalgebäude sei erst vor acht Jahren für 1,8 Millionen Euro saniert worden. Unter anderem musste ein komplett neues Treppenhaus mit Fahrstuhl für Barrierefreiheit eingebaut werden.

Die Gemeinde hatte 1989 von der Fugger-Stiftung das gesamte Areal gekauft, das unter Denkmalschutz steht – damals ein umstrittene Entscheidung.

Heute sind im ehemaligen Schloss das Rathaus von Emersacker mit Sitzungssaal, Musikräume und die Volkshochschule und verschiedene Praxen untergebracht. Als die Sanierung begann, befand sich noch das Inventar der ehemaligen „Stiftungsbrauerei Emersacker-Blumenthal“ in den Gemäuern – unter anderem zwei große Sudkessel. Diese wurden mit einem Kran ausgebaut und dann zum Brauerei-Museum nach Hof transportiert.

Ins Brauereigebäude mit Sudhaus wurde dann das neue Feuerwehrhaus gebaut. Im ehemaligen Eiskeller wurde damals auch ein Jugendraum geschaffen. Und aus dem früheren Bräustüble wurde „Jonny’s Kneipe“.

Im ältesten Gebäudeteil des Fuggerschlosses in Emersacker ist am Montagmorgen ein Brand ausgebrochen. Rund 180 Einsatzkräfte waren vor Ort.
28 Bilder
Feuer im Schloss Emersacker: Die Bilder des Großeinsatzes
Bild: Marcus Merk
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