1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Missbrauch: Wie sicher sind die Schulen im Landkreis?

Landkreis Augsburg

24.10.2018

Missbrauch: Wie sicher sind die Schulen im Landkreis?

Jede Schule braucht ein Sicherheitskonzept, das zu ihr passt. Oberster Grundsatz dabei muss sein: Je jünger die Schüler, desto mehr Schutz benötigen sie.
Bild: Andreas Lode (Symbolfoto)

Nach dem Missbrauchsfall in Augsburg macht man sich auch im Umland Gedanken über die Sicherheitskonzepte. In einem Punkt sind sich die Schulleiter einig.

Für Schulleiter Michael Kühn ist die Sache klar: „Wir sind ein offenes Haus“. Dazu gehörten auch offene Türen an der Dr.-Max-Josef-Metzger-Realschule in Meitingen. „Das sagt doch auch etwas über den Umgang miteinander aus und wie hier unterrichtet wird“, fährt er fort. Und doch: Die Meldung, dass an einer Augsburger Grundschule eine Neunjährige vermutlich von einem 21-Jährigen aus dem Landkreis Augsburg auf der Schultoilette missbraucht wurde, hat auch Kühn dazu gebracht, über das Sicherheitskonzept noch einmal nachzudenken.

So ist das gestern auch am Schmuttertal-Gymnasium in Diedorf geschehen. Zufällig hatte die Arbeitsgruppe, die sich um die Sicherheit im Schulhaus kümmert, eine Sitzung. Da sei der Vorfall in Augsburg schon im Hinterkopf gewesen, beschreibt Schulleiter Günter Manhardt. Denn auch am Schmuttertal-Gymnasium sind die Schultüren zwischen 7.30 und 16.30 Uhr offen. Das war nicht immer so.

Eine Garantie gegen Übergriffe Krimineller kann es nicht geben

Vor ein paar Jahren habe es einmal einen Vorfall gegeben. Ein Fünftklässler hatte sich vor einem fremden Mann erschreckt, der ihn im Schulhaus angesprochen hatte. Eventuell habe sich ein Oberstufenschüler einen schlechten Scherz erlaubt. Dennoch: Die Türen waren danach während der Unterrichtszeiten geschlossen. In der Praxis sei das aber nicht durchzuhalten gewesen, so Günter Manhardt. Weil selbst Schüler, die aus dem Sportunterricht zurückkamen, klingeln mussten, waren die Verwaltungsangestellten mehr unterwegs als am Schreibtisch. „Damals gab es auch viele Nachfragen, warum man denn in die Schule nicht hineinkäme“, so Manhardt. Heute sagt er: Eine Garantie gegen Übergriffe Krimineller kann es nicht geben. „Davon dürfen wir aber unser Handeln nicht bestimmen lassen.“ Fremde Erwachsene im Schulgebäude sollen angesprochen werden. „Freilich sind unsere Schüler auch schon größer“, gibt er zu.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Deshalb geht man an der Grund- und Mittelschule Fischach-Langenneufnach konsequent einen anderen Weg. Wenn alle Schulbusse da sind, sperrt der Hausmeister zu, erklärt stellvertretender Schulleiter Jörg Faßnacht. Wer dann rein will, muss klingeln. Über eine Kamera, die keine Aufnahmen macht, können die Sekretärinnen sehen, wer klingelt. So ähnlich funktioniert das Konzept auch an der Grund- und Mittelschule in Langweid und an der neuen Mittelschule in Gersthofen: Vormittags sind die Türen zu, so Schulleiterin Sigrid Puschner. Morgens und mittags, wenn die meisten Schüler kommen und gehen, habe der Hausmeister aus seiner Loge den Verkehr im Blick. Einerseits habe die Schule ein offenes Konzept. Ganz selten sei es aber auch schon vorgekommen, dass an der Tür geklingelt wurde und jemand angab, die Toilette benutzen zu wollen. „Das geht dann natürlich nicht“, so Sigrid Puschner. Sie ist sich aber sicher: „Die Schulen haben hier ihre Hausaufgaben gemacht.“

Konzept wird individuell mit der zuständigen Polizei abgesprochen

Dazu gehören auch Vorgaben des Kultus- und Innenministeriums, erklärt eine Sprecherin des Landratsamts für die Landkreis-Schulen. Unter anderem wird das individuelle Konzept mit der jeweils zuständigen Polizeidienststelle abgesprochen. Hier geht es vor allem um das Verhalten im Notfall, etwa bei einem Amokalarm. Bei Neubauten oder Sanierungen soll darauf geachtet werden, dass es nur wenige Eingangsbereiche gebe und diese einsichtig seien.

Eine Modernisierung steht am Justus-von-Liebig-Gymnasium in Neusäß aus. Grundsätzlich seien die Türen offen, sagt Schulleiter Stefan Düll. Er setzt auf Sozialkontrolle. Gerade am Vormittag seien oft Oberstufenschüler in den Freistunden im Eingangsbereich. Ihnen fielen schulfremde Personen schon auf und würden die auch ansprechen. Stefan Düll mahnt aber auch eine Verhältnismäßigkeit in der Reaktion an: Gefahr für Kinder muss nicht immer von außen kommen. „Statistisch gesehen ist eine Schlägerei unter Schülern weitaus häufiger als das, was jetzt in Augsburg geschehen ist.“ Kommentar

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren