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Landkreis Augsburg

25.04.2019

Mit 90 stemmt er jeden Tag die Hanteln

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Franz Gries stemmt die Hanteln: Sport gehört zum täglichen Fitnessprogramm genauso wie die bewusste Ernährung und der Mittagsschlaf.
Bild: Oliver Reiser

Leichtathlet Franz Gries achtet auf seine Ernährung und hält täglich einen Mittagsschlaf. Senioren aus dem Augsburger Land verraten, was sie im Alter glücklich macht.

Die meisten Menschen im Alter von Franz Gries sammeln vielleicht noch Briefmarken, lösen Kreuzworträtsel und machen Spaziergänge. Damit kann der 90-Jährige aus dem Gablinger Ortsteil Lützelburg wenig anfangen. Er sammelt Medaillen, studiert Ergebnislisten von Leichtathletik-Wettkämpfen und geht fast jeden Tag auf das nahe gelegene Sportgelände, um sich beim Kugelstoßen, Speer- und Diskuswerfen in Form zu halten. Mit Erfolg.

Zuletzt gab es für den Vorzeige-Athleten der LG Reischenau-Zusamtal Gold-, Silber- und Bronze bei den Hallen-Weltmeisterschaften in Polen. „In meinem Alter muss man ständig trainieren, sonst tun dir alle Knochen weh“, sagt der Senior. Und lacht. Und schon greift er zu seinen Hanteln, um im Wohnzimmer ein paar Kniebeugen zu absolvieren und seine Fitness zu demonstrieren.

Kein Gramm Fett zu viel

Wie schafft man es, sich in diesem hohen Alter so fit zu halten? Franz Gries, der Zeit seines Lebens Sport getrieben hat, lebt bewusst. An seinem Körper ist kein Gramm Fett zu viel. Sein Rezept: „Kein Abendessen aber gut frühstücken“, sagt er und grinst, weil der Frühaufsteher damit seine Frau Barbara täglich verwöhnt. Dafür serviert sie ihm ein Mittagessen. „Kein fettes Fleisch, viel Fisch, Nudeln“, verrät Gries. Anschließend hält er seinen Mittagsschlaf. „Pünktlich um 12 Uhr. Eine Stunde. Da ist er konsequent“, sagt seine Frau. „Das ist wie ein Jungbrunnen“, sagt Franz Gries, für den Tabletten tabu sind. „Wenn ich Kopfschmerzen habe, stelle ich mich ans offene Fenster und mache meine Gymnastik“, verrät er und setzt wieder zu Kniebeugen an.

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Franz Gries will fit bleiben. Schließlich hat er noch einiges vor. Zunächst will den Weltrekord, den er 2014 in der Altersklasse M85 mit 11,24 Metern aufgestellt hat, auch in der Altersklasse M90 endlich bestätigen. „Das ist nach wie vor das Ziel. Im Training habe ich die dazu nötige Weite schon 300 Mal gestoßen“, so Grieß. Zu seinem 95. Geburtstag ist dann ein neuer Rekord in dieser Altersklasse geplant, sagt er und klopft auf Holz. Dafür trainiert er jeden Tag für sich selbst mit seinen Hanteln und geht zweimal die Woche ins Studio seines Freundes und Trainers Rolf Kropka zum Krafttraining. Fürs Briefmarkensammeln ist er einfach noch viel zu fit.

Unterschiedliche Ansätze, um im Alter glücklich zu sein

Gibt es ein Rezept oder einen Trick, um glücklich alt zu werden? Diese Frage haben wir vier Senioren aus dem Landkreis gestellt. Hier ihre Antworten:

  • Lachen, kein Neid und eine gesunde Streitkultur: Ernst Rauh (78 Jahre) aus Neusäß ist Vorsitzender des Seniorenbeirats. „Zum Glücklichsein habe ich immer ein paar Dinge beherzigt: Das erste ist, zufrieden zu sein und nicht neidisch auf andere. Neid ist der größte Glücks-Killer. Wer sich immer mit anderen vergleicht, ist unzufrieden. Ganz wichtig ist mir auch der Glaube und die Nächstenliebe. Dazu gehört es auch, anderen gegenüber tolerant zu sein. Mich macht das persönliche Umfeld glücklich, die Familie. Und da ist natürlich nicht alles immer harmonisch. Dazu gehört auch eine gesunde Streitkultur. Man muss sich immer wieder zusammenraufen, das ist die Herausforderung.

„Ran an die Bouletten“

  • Aktiv sein, nicht jammern: „Für mich ist Glück im Alter eine Frage der Aktivität“, sagt Renate Stelkens (76) aus Bobingen-Siedlung. Für sie ist es wichtig, dass man seine Lieblingsbetätigungen beibehält. Auch wenn manches etwas langsamer geht, so soll man sich trotzdem nicht davon abhalten lassen. Stelkens treibt Sport, geht ins Fitnessstudio und in die Sauna. Auch Neues probiert sie aus. Ihr Motto: „Ran an die Bouletten.“ Sie hat auch immer darauf geachtet, ihren Bekannten- und Freundeskreis zu pflegen und auszubauen. Gerne auch mit jüngeren Freunden. Das habe einen großen Anteil daran, selbst jung und aktiv zu bleiben. Und wenn es irgendwo zwickt, dann ist ihr Motto: ignorieren und weitermachen. Ihr Rat: „Aktiv bleiben, wenn etwas wehtut, nicht jammern, sondern denken: Jetzt erst recht!“
  • Familie, Sport, Humor: Wer Zitta Mailänder aus Schwabmünchen sieht, der kann nicht glauben, dass sie heuer 80 Jahre alt geworden ist: Sie wirkt fit, fröhlich und ausgeglichen, sodass sie ohne weiteres als 60-Jährige durchgehen würde. Ihr fallen sofort zwei Dinge ein, wenn man sie nach ihrem Erfolgsgeheimnis fürs glückliche Älterwerden fragt: die Familie und der Sport. Ihr Mann ist schon in den 1990er-Jahren gestorben, doch die Familie ihres Sohnes, vor allem die drei Enkelkinder, machen ihr viel Freude. „Die Familie ist ein ganz wichtiger Grund dafür, dass man im Alter Freude hat“, sagt sie. Und natürlich der Sport. 50 Jahre lang war sie Übungsleiterin für Frauen-Gymnastik beim TSV Schwabmünchen. Vor etwas mehr als einem Jahr hat sie damit aufgehört, ist aber nach wie vor als Teilnehmerin in den Gruppen aktiv. „Bewegung steigert die Lebensqualität. Und dabei noch ein bisschen Humor ist wie das Salz in der Suppe, gerade in der Seniorengymnastik“, sagt Mailänder. Bei den Gymnastikstunden seien auch Freundschaften fürs Leben entstanden. „Und so etwas ist mit zunehmendem Alter immer wichtiger.“

Darauf achten, dass es nie langweilig wird

  • Neues lernen, Yoga: Für Ekkehard Machalke aus Bobingen ist die Frage, wie man glücklich alt wird, äußerst schwierig. Das Glücklichsein könne man nur zum Teil selbst beeinflussen, sagt er. Faktoren sind für ihn: Eine von den Eltern geschenkte schöne Kindheit, keine Scheu vor Arbeit, die Pflege von Freundschaften und im Ruhestand darauf achten, dass es nie langweilig wird. Aktivitäten haben für den 77-Jährigen Priorität. Er fuhr er beispielsweise mit dem Fahrrad nach Santiago de Compostela. Dazu begann er an der Volkshochschule Spanisch zu lernen. Seitdem hat er sich ein Jahresziel gesetzt: 2000 Kilometer mit dem Rad und 500 Kilometer walken. „Nachdem mich vor rund 25 Jahren die ,Hexe’ geschossen hatte, praktiziere ich seitdem Yoga, einmal in der Woche im Kurs und täglich zu Hause.“ Zudem bringt er sich aktiv beim Bund Naturschutz ein. Und da ist auch noch sein Garten. „Hier kann ich mich richtig ausarbeiten, aber auch Ruhe, Erholung und Freude finden“, sagt Machalke. Auch ein harmonisches Familienleben sei wichtig, ebenso wie soziale Kontakte. Und: Lebenserfahrung bringe Gelassenheit. „Ich freue mich, wenn in der Nachbarschaft Kinder toben und lachen, in der freien Natur Vögel singen, Blumen blühen und Schmetterlinge flattern.“ (dav, rusi, elkn)

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar: Gesund im Alter - aber wie?

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