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Kreis Augsburg

22.03.2018

Mit K.O.-Tropfen Fahrschülerin betäubt und missbraucht?

Das Gefährliche: K.-o.-Tropfen sind farb- und geruchlos.
Bild: dpa (Symbolfoto)

Elf Jahre nach der möglichen Tat zeigt eine Frau ihren früheren Fahrlehrer an. Der aber streitet vor Gericht alles ab.

Irgendwann musste es raus aus ihr: Elf Jahre dauerte es, bis eine Frau ihrer Familie und auch der Polizei offenbarte, was an einem Abend im Februar 2005 passiert war: Sie wurde nach eigenen Angaben von ihrem Fahrlehrer in dessen Wohnung erst betäubt und dann vergewaltigt. Der heute 47 Jahre alte Mann muss sich deshalb seit Donnerstag vor Gericht verantworten: Ihm wird schwere Vergewaltigung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vorgeworfen. Am Donnerstag bestritt er die Vorwürfe. Er habe keinen sexuellen Kontakt zu der damals 18-Jährigen gehabt. Etwas mit einer Schülerin anzufangen, sei absolut tabu.

Nach der Schilderung der jetzt 31-jährigen Frau (Nebenklage: Marion Zech) habe ihr damaliger Fahrlehrer den Vorschlag gemacht, nach der bestandenen Fahrprüfung feiern zu gehen. Das sei so üblich. Die beiden trafen sich in einer Kneipe. Weil es dort zu laut war, ging es zu ihm in die Wohnung. Vor Gericht sagte die Frau: „Bei mir läuteten keine Alarmglocken.“ Er habe zwei Gläser mit Weißwein hergerichtet und laut Anklage K.O.-Tropfen hinzugefügt. Im Hintergrund sei das Lied „Das Spiel“ aus dem Album „Bohème“ von Annett Louisan gelaufen, erinnerte sich die heute 31-Jährige. Im Song heißt es: „Ich will doch nur spielen. Ich tu’ doch nichts.“

"Das Wort Vergewaltigung konnte ich nicht aussprechen"

Sie trank den Wein, woraufhin ihr immer komischer wurde. Sie wollte aufstehen, doch ihre Beine wollten nicht. „Ich konnte mich ohne Abstützen nicht mehr fortbewegen.“ Er habe sie dann ins Schlafzimmer gebracht und dort missbraucht. Wehren konnte sie sich nach eigenen Angaben nicht. Danach schleppte sie sich auf die Toilette. Das nächste Bild in ihrer Erinnerung: Der Mann habe geflucht, weil sich auf dem Bett ein Blutfleck befunden habe. Sie sagte: „Kaltes Wasser hilft.“ Später habe er sie zu Fuß nach Hause gebracht. Vor der Wohnung der Eltern musste sie ihm versprechen, niemandem von dem Übergriff zu erzählen.

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Den wusste die damals 18-Jährige anfangs gar nicht einzuordnen. „Ich habe abgespeichert, wie es war, habe es aber nicht analysiert. Das Wort Vergewaltigung konnte ich nicht aussprechen.“ Sie verglich: Die Erinnerungen in vielen Bildern seien wie Maiskörner in einer verschlossenen Schublade. Nach vielen Jahren ploppten die Körner auf, die Schublade habe sich nicht mehr schließen lassen: „Ich konnte es nicht mehr verdrängen.“ Vor Gericht erklärte die Frau, dass sie dem Fahrlehrer nicht Böses wolle. Aber sie müsse ihren inneren Frieden finden. Ganz ruhig war es im Gerichtssaal, als sie sagte: „Tief in mir bin ich sicher, dass ich nicht Erste und auch nicht die Letzte war.“

Sie hofft, dass noch die eine oder andere Fahrschülerin kommt und aussagt. Eine hatte das Schöffengericht unter Vorsitz von Thomas Müller-Froelich als Zeugin bestellt: Sie war allerdings krank. Gegenüber der Polizei hatte sie gesagt, dass der Fahrlehrer auch sie zu sich eingeladen habe. Wie er ihr in seiner Wohnung näher kam, blieb unklar. Die ermittelnde Kriminalbeamtin jedenfalls erinnerte sich an die Vernehmung: Wäre die junge Frau damals nicht aufgestanden und gegangen, dann wäre mehr passiert. Über die Frau, die den Prozess nach vielen Jahren ins Rollen gebracht hatte, sagte die Polizistin: Es habe keine Widersprüche gegeben, sie sei authentisch. Was sich überprüfen ließ, habe sich bestätigt. Weitere Zeugen am ersten Prozesstag waren unter anderem die Mutter, die damalige Frau des Angeklagten und ein Gutachter. Fortgesetzt wird die Verhandlung am 11. April.

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