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23.04.2018

Mit Mut für Recht und Freiheit

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Graf von Pestalozza prangerte die Verlogenheit der Nazi-Propaganda an

Die Wurzeln unserer heutigen Persönlichkeit liegen eigentlich in Italien, sie stammt aber aus Siebenbrunn, wo die adelige Familie auf dem gleichnamigen Gut Ende des 19. Jahrhunderts lebte. Dort stand im Juni 1868 die Wiege des einmal in Bayern zu Ruhm und Ehre gelangenden Joseph Graf von Pestalozza. Als überzeugter Katholik, Politiker, Jurist und Nazigegner vertrat er nachhaltig seine christlich-humanitär orientierten Interessen.

Pestalozza studierte Jura und wurde Amtsanwalt bei der Münchner Polizei, bis er als Bezirksamtsassessor ins Fränkische ging. Dort heiratete er 1900 die Tochter eines Nürnberger Justizrates und arbeitete anschließend als Anwalt – mit zunehmend politischen Interessen. So trat er in die Zentrumspartei ein und war für diese von 1907 bis 1918 Mitglied der Abgeordnetenkammer des Königreichs Bayern. Anschließend war er bis 1928 Abgeordneter der Bayerischen Volkspartei im Landtag.

In diesen Jahren engagierte er sich auch stets für seine religiöse Überzeugung, sprach auf dem katholischen Kirchentag, war als königlich bayerischer Kammerherr auch päpstlicher Kämmerer und insofern sogar Mitglied des päpstlichen Hofstaats.

Schon in den 1920er-Jahren war der Graf entschiedener Gegner der Nazis. 1923 setzte er sich als Jurist und Politiker für das erste Ermächtigungsgesetz ein, das der Weimarer Verfassung widersprach, sollte mit diesem Mittel doch deutlich mehr Macht an die Regierung übertragen werden. Die Staatsrechtler hielten dies für legitim, zumal die Gesetze stets mit einer Zweidrittelmehrheit verabschiedet werden konnten, was auch bei einer Verfassungsänderung nötig gewesen wäre. Zynischerweise bedienten sich die Nazis auch dieser Möglichkeit. Nur diente sie ihnen zur Abschaffung der Republik und nicht zu ihrer Stärkung, wie eigentlich beabsichtigt war.

Pestalozzas Mut ist beispielhaft: Als Landtagsberichterstatter des Untersuchungsausschusses zum Hitler-Putsch von 1923 legte er mit juristischer Klarheit die Verlogenheit der Nazi-Propaganda dar und kritisierte die halbherzige Führung des Prozesses gegen Hitler. Der daraus resultierende Hass der Nazis, verbunden mit allerlei Schikanen, soll ihm die letzten Jahre bis zu seinem Tod 1930 verdorben haben.

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