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06.06.2009

Mit dem Fahrrad erobert er die Wiege des Lebens

Schwabmünchen Gerhard Jaksch ist am Ende. Er kann nicht mehr: Stundenlang ist er über Schotterstraßen mit tiefen Schlaglöchern gefahren. Sein Körper ist bedeckt mit rotem Staub der afrikanischen Erde. Dazu die unbarmherzige Hitze. Trotzdem ist der Sportler glücklich. 100 Kilometer auf dem Fahrrad liegen heute hinter ihm.

Erlebnisse wie diese hatte der 47-Jährige oft. Er war auf seiner vierten Tour unterwegs durch Afrika - in zwei Monaten radelt er von Dar es Salaam bis zum Kilimanjaro. Mit dabei sein Mountainbike, das Tagebuch und vier Taschen. Darin sind Zelt, Kleidung, Werkzeug, Medikamente, Literatur und die bayerische Flagge. Die hat der gebürtige Großaitinger an sein Rad geklemmt - schließlich darf jeder sehen, woher er kommt.

Der Mix an Abenteuerlust, sportlichem Ehrgeiz und psychologischer Herausforderung ist es, der den Eroberer der Kontinente nach Afrika geführt hat. Seit er als 18-Jähriger erstmals durch ein exotisches Land tourte, ist er vom Reisefieber infiziert: "Mein Ziel war es, die drei Pole Afrikas aus eigener Kraft abzuradeln", sagt der 47-Jährige.

Er fährt allein, weil er dann die Menschen besser kennenlernt

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Weil er gesellig ist, machte er die Tour allein. Für den Sportler ist das kein Widerspruch: "Alleine ist man ständig in Kontakt. Ich stelle das Rad ab und bin umzingelt von Menschen", sagt der weiße Exot auf dem schwarzen Kontinent.

Die vielen kleinen Geschichten am Rande und die Menschlichkeit sind es, die ihm auf seinem Weg begegnet sind und die ihn die unglaublichen Strapazen auf seiner Tour vergessen lassen. "Die Nähe zu den Menschen, das sind die besonderen Momente", sagt Jaksch. Stundenlang kann er davon erzählen: von dem Maasai-Krieger in Kenia, von Kindern, die verrückt sind nach Kugelschreibern, vom Fußballfan, der alle deutschen Vereine kennt, und von der Schönheit der Natur oder der Giraffe, die einfach mal auf der Straße steht.

Auf seiner Reise durch Afrika erlebte er einiges, was für viele Menschen aus der westlichen Welt unvorstellbar ist. "Die Einheimischen wohnen mit der ganzen Familie in kleinen Hütten, gebaut aus Kuhdung, ohne Strom, ohne Wasser. Sie haben nichts und laden trotzdem zum Tee in ihr Zuhause ein", erzählt er. Seine Eindrücke hält er mit der Kamera fest. Damit verbindet er seine Hobbys: Sport und Fotografie.

Viel Zeit nimmt er sich, um in die fremde Kultur einzutauchen. Auf Tour beginnt er jeden Tag gegen 6 Uhr am Morgen. Bis mittags ist er unterwegs, dann ist es zu heiß unter der sengenden Sonne Afrikas. Wenn er eine einfache Unterkunft für ein paar Dollar findet, schläft er dort, ansonsten zeltet er. Weil er unterwegs keinen Tag planen kann, hat er immer eine Notration Essen dabei: Trockenfrüchte und Powerriegel, denn meistens ist er unterwegs fernab der großen Städte. Was andere grenzwertig finden, ist für den Ingenieur eine Herausforderung.

Er hat es bis auf den höchsten Gipfel des Kilimanjaro geschafft

Stolz schwingt in seiner Stimme mit, wenn er von seiner letzten Reisestation erzählt. Dem Kibo, dem höchsten von drei Kratern des Kilimanjaro. Ohne Träger mit 14 Kilo schwerer Ausrüstung hat er den 5895 Meter hohen Berg bezwungen - einmal quer durch alle Klimazonen des Weltkulturerbes. "Ich fahre doch nicht mit dem Rad durch Afrika und lasse mir dann mein Gepäck hochtragen", beschreibt er seine Einstellung.

Für seine Mühen hat er auf dem Kibo unvergessliche Momente erlebt. Es ist Nacht, als er die letzte Etappe zum Gipfel läuft: "Die Luft wird dünn, die Kraft lässt nach. Das letzte Stück war das Schlimmste: Laufen am Limit", sagt er. Und dann ist der 47-Jährige endlich ganz oben: Vergessen ist alles andere - auf dem Gipfel herrscht einfach nur noch das Glück des Bergsteigers. "Ein Gefühl, als habe man den höchsten Berg der Welt bezwungen", sagt Gerhard Jaksch. Oben angekommen spielte er erst einmal die bayerische Hymne von seinem Handy ab.

"Was ich auf meiner Reise erlebt habe, davon zehre ich mein Leben lang. Die vielen Begegnungen vergesse ich nie. Und manche Dinge, die vergessen auch ihn nicht: Kürzlich erreichte den Ingenieur ein Päckchen mit vielen bunten Briefmarken. Der Inhalt: Bilder von seiner Reise nach Vietnam, die er im Jahr 2001 dort zum Entwickeln gegeben hat. Nach acht Jahren haben sie endlich zu ihrem Besitzer gefunden.

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