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Prozess

08.07.2008

Mit dem Geld der Firma Schulden bezahlt

Er liebte teure Autos, lebte auf großem Fuß und tappte von einer Schuldenfalle in die nächste. Weil ihm die Gläubiger die Pistole auf die Brust setzten, "lieh" sich der Verkaufsleiter eines großen Autohauses im nördlichen Landkreis Augsburg von seinem Arbeitgeber 122.000 Euro - angeblich, um Fahrzeuge der Marke Audi in bar anzukaufen. Am Dienstag wurde der 40-Jährige wegen schweren Betrugs zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt.

Von Klaus Utzni

Augsburger Land/ Augsburg. Er liebte teure Autos, lebte auf großem Fuß und tappte von einer Schuldenfalle in die nächste. Weil ihm die Gläubiger die Pistole auf die Brust setzten, "lieh" sich der Verkaufsleiter eines großen Autohauses im nördlichen Landkreis Augsburg von seinem Arbeitgeber 122 000 Euro - angeblich, um Fahrzeuge der Marke Audi in bar anzukaufen. Gestern wurde der 40-Jährige wegen schwerem Betrugs zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt.

Es war offenbar keine große Kunst, Kasse und Buchhaltung der Auto-Niederlassung auszutricksen. Der 40-Jährige, der zwei Jahre zuvor bereits einen anderen Arbeitgeber um rund 100 000 Euro erleichtert hatte, war gerade mal drei Monate in dem Ort nahe Augsburg beschäftigt, als er sich in vier Fällen größere Bargeldbeträge auszahlen ließ, ohne die Quittungen vom kaufmännischen Leiter gegenzeichnen zu lassen.

Das wunderte auch den Vorsitzenden des Schöffengerichts. Dr. Franz Geist-Schell, der fragte, ob denn heutzutage solche Bargeschäfte im Autohandel üblich seien. Ja, erwiderte der Angeklagte, man umgehe so die Regularien, da ein Autohaus keine Gebrauchtwagen an das andere, also die Konkurrenz, verkaufe.

Mit dem Geld der Firma Schulden bezahlt

Es dauerte immerhin vier Monate, ehe die betrügerischen Machenschaften des Angestellten mit einem Monatsgehalt von 5500 Euro im Dezember 2007 aufflogen. Die Revision entdeckte die dubiosen Kassenbelege und schlug Alarm. Der 40-Jährige (Verteidiger: Moritz Bode) räumte alles ein und unterschrieb eine Schuldanerkenntnis.

Der Angeklagte, der bereits bei verschiedenen großen deutschen Autofirmen gearbeitet hat, gab die Schuld an seinem finanziellen Desaster unter anderem seinem Lebenswandel: "Ich hatte falsche Freunde und habe einfach zu viel Geld ausgegeben". Er habe die 122 000 Euro wieder an seinen Arbeitgeber zurückzahlen wollen. Das Geld sei leider weg. Jetzt sei er arbeitslos und sitze überdies in Untersuchungshaft.

In anderes Bundesland umgemeldet

Das Schöffengericht verurteilte den Ex-Verkaufsleiter schließlich zu zweieinhalb Jahren Haft. Das war die schlechte Nachricht für den Angeklagten. Die gute: Das Gericht hob den Haftbefehl auf, der 40-Jährige durfte als freier Mann den Gerichtssaal verlassen.

Er hat sich inzwischen in ein anderes Bundesland umgemeldet. Dort herrschen bekanntermaßen lockere Haftbedingungen als in Bayern. Richter Geist-Schell: "Dann können Sie als Freigänger ja arbeiten und den Schaden ein wenig wiedergutmachen."

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