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Landkreis Augsburg

16.08.2019

Mit diesen Brücken kommen Reh und Sau sicher über die A8

Auf der Grünbrücke im Scheppacher Forst über die A8 zwischen den Anschlussstellen Zusmarshausen und Jettingen-Scheppach. Dort führt Biologe Maximilian Jakobus drei Jahre lang ein Wildmonitoring mit speziellen Kameras durch.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Beim Ausbau der A8 sind zwei Grünbrücken entstanden. Wie sie funktionieren und warum man sich sogar einen Beitrag zum Artenschutz erwartet.

2500 Rehe, 750 Hasen, 500 Wildschweine, Füchse, Dachse, Marder und sogar ein Schaf: Sie alle haben seit Januar 2018 die A-8-Grünbrücke im Scheppacher Forst überquert. Auf dem Millionenbauwerk sind zwölf Kameras installiert, die jede Bewegung registrieren. Und dann auslösen – so sind in eineinhalb Jahren rund 40.000 Bilder entstanden, die ein Biologe regelmäßig auswertet. Das Ziel: Die Autobahndirektion Südbayern will herausfinden, wie die Grünbrücke von Tieren angenommen wird. Vielleicht gelingt auch die eine oder andere sensationelle Aufnahme.

Marderhund und Wolf wurden an der A8 noch nicht fotografiert

Der aus Osteuropa eingewanderte Marderhund zum Beispiel wurde noch nicht fotografiert, auch nicht Waschbären, die scheuen Wildkatzen oder ein Wolf auf Wanderschaft. Dass er durchaus in den Wäldern Mittelschwabens anzutreffen wäre, steht seit Mai fest: Damals hatte ein Tier nachweislich in Biberbach im Landkreis Augsburg ein Lamm gerissen. Wissenschaftler untersuchten die Spuren und fanden heraus: Das Tier kann der zentraleuropäischen Flachlandpopulation zugeordnet werden. Der Wolf kam also vermutlich aus dem Norden.

Aber wo wollte er hin? Weiter in den Süden? Und: Würde sich das scheue Tier über eine der beiden Grünbrücken im Scheppacher und im Streitheimer Forst überhaupt trauen?

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Damit die Tiere nachts vom Schweinwerferlicht von den Fahrzeugen auf der A8 nicht irritiert werden, wurden Sichtschutzzäune angebracht. Penibel wurden außerdem Bepflanzung und Größe geregelt: Der Korridor, auf dem sich auch ein Forstweg befindet, soll sich bestmöglich dem natürlichen Umfeld anpassen. Irgendwann einmal soll der Grünstreifen an einen kleinen Wald erinnern. Für den Untergrund wurde sogar eine spezielle Erde auf die Betonkonstruktion geschoben – Humus, Schotter und Sand in der richtigen Mischung.

Beim sechsspurigen Ausbau wurde festgelegt, an welchen Stellen die Brücken gebaut werden müssen. Nämlich genau dort, wo mit einem erhöhten Wildwechsel zu rechnen ist. Aber wie finden Tiere die Grünbrücken überhaupt? Ganz einfach: Die Wildschutzzäune haben eine leichte Trichterform, welche die Tiere an die Übergänge führen. Mit den Brücken wird ein genetischer Austausch ermöglicht. Und: Populationen von gefährdeten Arten lassen sich auf Dauer erhalten. Über ein Graben- und Bachsystem im Staatswald – ergänzt durch Feuchtbiotope – sollen außerdem Biotopachsen entstehen oder reaktiviert werden. An ihnen können sich die Tiere orientieren und zur Grünbrücke finden.

So wird Straßenbau sogar zur Chance für den Artenschutz

So wird der Ausbau der A8 sogar zur Chance für den Artenschutz, weil vor Jahrzehnten zerschnittene Lebensräume, Waldgebiete und zerstörte Wanderstrukturen wieder vernetzt werden. „Die Grünbrücken haben ihre Berechtigung“, sagt Sabine Zulauf vom Fachbereich Naturschutz und Landschaftspflege bei der Autobahndirektion. Die aktuellen Zahlen würden es belegen: „Die Brücken werden angenommen.“ Das bestätigt Biologe Maximilian Jakobus: Der Fahrweg, der über sie führt, schrecke Reh, Hase und Co. auch nicht ab. Nach dem Monitoring soll der Wildwechsel für weitere drei Jahre untersucht werden. Dann geht es um Auswirkungen des Windparks an der A8 im Umfeld der Grünbrücke.

Wie wichtig Gründbrücken sind, zeigt eine Statistik: Von 3000 in Bayern untersuchten Bauwerken an Autobahnen und Bundesstraßen waren nur vier Prozent für eine gefahrenlose Passage von Tieren gut geeignet. Über 75 Prozent gelten als undurchlässig. In Bayern verunglücken jährlich rund 40.000 Rehe und 370 Hirsche.

Unsere Sommerserie "Leben an der Autobahn":

Die Autobahn A8 ist eine der wichtigsten Ost-West-Verbindungen in Mitteleuropa. Güter werden transportiert, Pendler fahren zur Arbeit, Urlauber steuern ihre Ferienziele an. Die A8 ist auf 100 Kilometern eine der Lebensadern in Bayerisch-Schwaben. Schon 1938 eröffnet, ist sie seit 2015 auf sechs Spuren ausgebaut und als eine der ersten Autobahnen als Public-private-Partnership finanziert. In unserer Sommer-Serie rücken wir „unsere“ Autobahn einmal näher in den Fokus: Was passiert da so alles auf der Autobahn und nebendran? Wie leben Menschen an der Autobahn? Wer arbeitet dort? Lassen Sie sich überraschen.

Hier finden Sie dis bisherigen Folgen unserer Sommerserie:

Teil 1: Autos rasen, Rinder grasen: Wie reagieren die Tiere an A8 auf Lärm?

Teil 2: Kampf gegen Lärm: Anwohner geben nicht auf

Teil 3: Abendbrot im Abendrot - zu Gast bei Fernfahrern an der A8

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