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Ausstellung

05.11.2019

Mit ihren Bildern will sie wachrütteln

Christine-Elisabeth Gerstenkorn zaubert mit ihren Werken im Rathaus Gessertshausen mit sattem Pinselstrich Atmosphäre und transparente Lichte. Rechts ihr Bild „Taglangduld“.
Foto: Siegfried P. Rupprecht

Christine-Elisabeth Gerstenkorn präsentiert meditativ inspirierte Bilder im Rathaus Gessertshausen. Die Werke aus Acryl und Öl sind kraftvolle Dialoge, die zum Betrachter sprechen und Assoziationen auslösen

Sie sieht die Welt und das Leben als Segen und Fluch zugleich. Das ist auch der Grund, warum Christine-Elisabeth Gerstenkorn mit ihren Bildern wachrütteln möchte. Es sei ihr ein seelisches Bedürfnis, die Welt hinter der Welt zu zeigen und damit gleichsam hinter die Kulissen des Alltags einzutauchen, verdeutlicht die Künstlerin. Ein eindrucksvoller Querschnitt ihrer Arbeiten ist derzeit im Rathaus Gessertshausen zu sehen.

Letztlich präsentiert sie aber immer das Schöne. „Hinter jeder Dunkelheit leuchtet ein Licht“, meint sie. Insofern sei die helle und dunkle Seite des Lebens im Zusammenklang. Diese scheinbare Diskrepanz verbindet sie in ihren kraftvollen Werken. „Oft findet sich der Betrachter in meinen Bildern wieder.“ Das komme daher, dass sie eigene Geschichten erzählt, in die der Betrachter unwillkürlich hineinschlüpft und damit Bestandteil des Gemäldes wird.

Die Welt bestehe aus einem großen Meer von Menschen und Seelen, so die Künstlerin. Alle seien unterschiedlich, gehören verschiedenen Religionen und Kulturen an, weisen gegensätzliche Charaktere auf. Diese Gegenpole hält sie in ihren Werken fest, integriert sie und lässt sie aufleben. Demzufolge seien ihre Motive reich an Entdeckungen, sagt sie. „Der Betrachter muss sich allerdings auf das Bild einlassen und symbolisch den Schleier heben.“

Dabei sind ihre Bildmotive, die sie vorwiegend nachts malt, vorher nicht geplant. „Ich lasse mich meditativ inspirieren“, gesteht sie. „Und so sprudeln sie schlichtweg aus mir heraus.“ Manche Elemente erscheinen ihr auch im Traum. Vieles sei dann für sie selbst überraschend. Deshalb interpretiere sie ihr Geschaffenes auch erst danach.

Gleichzeitig stellt Christine-Elisabeth Gerstenkorn fest, dass ihr Schaffen keine Fließbandarbeit sei. Manche Werke dauern oft zwei, drei Jahre, bis sie endgültig fertiggestellt seien. Verwendung finden bei ihr Öl- und Acrylfarben sowie unterschiedliche Mischungen. Mit ihrer Spachteltechnik verleiht sie den Bildern Tiefe und besondere Lichtwirkungen und kreiert plastische Strukturen.

Die 1954 in Schwabmünchen geborene Künstlerin und Mutter von drei Kindern wuchs in Lagerlechfeld auf. Sie war im Pflegeberuf tätig und lebt jetzt in Fischach. Schon in früher Kindheit entdeckte sie ihre Liebe zu Lyrik und Zeichnen. Doch erst Jahrzehnte später baute sie ihr Talent aus. In ihrem 2012 erschienenen Gedichtband „Freiheit in Mauern“ ergänzte sie ihre einfühlsamen und zugleich philosophischen Gedanken mit feingliedrigen Bleistiftzeichnungen. Letztere waren für sie Einstieg in die Malerei.

Gerstenkorns Bilder sind Seelenlandschaften, die den Dialog mit dem Betrachter suchen und erst im Spiegel der Wahrnehmung ihre Bedeutung erlangen. Sie schärft das Auge für die vielschichtigen Seiten der menschlichen Existenz, auch wenn sie mit den Mitteln der Vernunft nicht immer nachvollziehbar sind. Titel wie der Fantasiebegriff „Taglangduld“, „Astarte“, „Seelenwanderung“, „Die Träne des Universums“ oder das Vier-Seiten-Modell „Limurien“ präsentieren nicht das unmittelbar Sichtbare. Vielmehr machen sie sichtbar. Und genau das ist das Besondere an ihren Werken.

läuft im Rathaus Gessertshausen bis Ende Januar 2020. Zu sehen ist sie zu den Öffnungszeiten: Montag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag jeweils von 8 bis 12 Uhr sowie Dienstag von 14 bis 18 Uhr.

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