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Arbeitswelt

26.10.2019

Mit strengen Regeln gegen Überstunden in der Pflege

Stefan Pootemans, Geschäftsführer des Johannesheims in Meitingen, legt Wert darauf, dass nicht zu viele Überstunden anfallen.
Bild: Bernhard Gattner, Caritas

Der Chef des Meitinger Johannesheims erklärt, wie er eine übermäßige Belastung der Mitarbeiter verhindert

Miese Bezahlung, harte Arbeit und Berge von Überstunden: Dem Pflegeberuf eilt ein schlechter Ruf voraus, und der schlägt sich nieder im verschärften Mangel an Fachkräften. Fakt ist: In Deutschland werden in der Altenpflege 9,5 Millionen Überstunden geleistet, viele davon unbezahlt. So die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Jahr 2016.

Aber: „Das muss nicht sein und es geht auch anders“, hält Stefan Pootemans dagegen. „Und es ist auch nicht so schwer.“ Pootemans leitet das Johannesheim in Meitingen. Dieses bietet 95 Plätze. Insgesamt 97 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege, Hauswirtschaft und Verwaltung zählt das Heim.

Pootemans beginnt damit, dass er sich selbst als Leitungskraft in die Pflicht nimmt. „Ich achte genau darauf, wo und bei wem Überstunden entstehen und warum das so ist. Dem gehe ich nach.“ Doch das nützte alles nichts, wenn die Überstunden nicht auch tatsächlich abgebaut werden könnten. „Es muss ein Freiraum dafür vorhanden sein.“

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Zusammen mit Pflegedienstleiterin Waltraud Bottek löst Pootemans das Problem ganz praktisch: Auf allen vier Wohnbereichen gilt die Regel, wonach nicht weniger als drei, aber auch nicht mehr als fünf Pflegekräfte in einer Schicht anwesend sein dürfen. „Das bremst manchen schon aus“, sagt Pootemans. Das System bietet aber auch eine gute Gelegenheit, frühzeitig nach Hause gehen zu können. „Sind nämlich alle Pflegearbeiten in der Frühschicht z.B. etwa um 10 Uhr erledigt, kann die vierte und fünfte Pflegekraft früher nach Hause gehen, sofern nichts anderes ansteht“, erklärt Bottek. „So werden bei uns immer wieder Überstunden abgebaut.“ Als Pootemans dieses System eingeführt hatte, musste er noch genau darauf achten, dass es umgesetzt wird. „Heute handeln die Pflegekräfte hier weitestgehend selbstständig. Da tun sich zeitliche Freiräume für private Vorhaben auf.“

Dass dieses System auf Dauer nicht funktionieren kann, wenn es auf einen Wohnbereich beschränkt bleibt, war Pootemans von Anfang an klar. „Wir sind ein Team im ganzen Haus“, sagt er. Die Pflegekräfte wie auch die hauswirtschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden immer wieder in anderen Wohnbereichen eingesetzt. Auch in den Nachtschichten werden alle immer auf allen Wohnbereichen eingeplant. „Das dient der Teambildung.“ Zudem lernen die Bewohner alle Mitarbeiter kennen.

„Es ist ja nicht so, dass nicht viel zu tun ist“, sagt Pootemans. „Aber ich habe immer wieder beobachtet, dass Pflegekräfte Arbeiten wie Bettwäschewechsel oder das Aufwischen verschütteter Getränke gleich selbst übernehmen.“ Im Johannesheim darf das nicht sein. „Die Pflegekraft soll ihre Zeit besser für Pflegeaufgaben verwenden. Hauswirtschaftliche Aufgaben wie Wäschewechsel und Reinigen sind Aufgaben der Hauswirtschaft.“ (AL)

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