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Dinkelscherben

28.08.2018

Mit zwei linken Händen läuft am Auto nichts

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3 Bilder
Lehrling Ferdinand Hegele zeigt Maria Heinrich, wie man einen Bremssattelträger verschraubt
Bild: Andreas Lode

Unsere Autorin versucht sich in Dinkelscherben als Kfz-Mechatroniker an. Selbst der einst so beliebte Ausbildungsberuf hat Nachwuchsprobleme.

Im September beginnt für alle Auszubildenden das neue Lehrjahr. Doch viele Betriebe finden oft kaum noch Bewerber für ihre Lehrstellen. In unserer Serie „Einmal Azubi sein“ begeben sich unsere Autoren auf Lehrstunde. Sie probieren verschiedene Berufe aus und berichten von ihren Erfahrungen. In dieser Folge geht es als Kfz-Mechatroniker in die Autowerkstatt.

Vorsicht, bloß nicht den Kopf anhauen und die Finger einzwicken. Über mir schwebt das Auto auf der Hebebühne, ich beuge mich in den Radkasten, um die Schrauben am Bremssattelträger einzuschrauben. Azubi Ferdinand Hegele schaut genau zu, damit nichts schiefgeht: „Die Schrauben so fest wie möglich drehen, ich ziehe sie anschließend richtig nach.“ Gar nicht so einfach. Viel Platz, um die Hände zu bewegen, bleibt nicht, meine schwitzigen Finger rutschen immer wieder ab. Bald sind sie schwarz vor lauter Öl und Schmiermitteln.

Nach dem ersten Arbeitstag tut alles weh

Die Ausbildung als Kfz-Mechatroniker beim VW-Händler Höss in Dinkelscherben verlangt viel von den Lehrlingen. Ferdinand Hegele erzählt: „Wenn du aus der Schule kommst, hast du keine Ahnung, was Arbeit bedeutet. Im ersten Lehrjahr hat mir nach einem Arbeitstag alles wehgetan.“ Das bestätigt auch Mechaniker Manfred Frank. „Am Anfang spüren die Lehrlinge die Anstrengung deutlich. Da hängen sie nach acht Stunden ganz schön in den Seilen.“

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Mittlerweile ist Ferdinand Hegele schon routinierter. Im September kommt er ins dritte Lehrjahr, viele Aufgaben darf er selbstständig erledigen. Die Arbeit ist nicht zu unterschätzen, sagt Geschäftsführer Markus Höß. „Das Auto ist schließlich das Komplexteste, was im Alltag verkauft wird.“ Soundanlage, Fahrwerk, Standheizung, Klimaanlage –Der Kfz-Mechatroniker muss sich mit allem auskennen. „Ich schätze, es ist einer der beliebtesten Ausbildungsberufe. Trotzdem wird es immer schwieriger, Lehrlinge zu finden.“ Von Jahr zu Jahr stellt Höß fest, dass sich immer weniger Jugendliche für eine Ausbildung bewerben. „Handwerkliche Berufe stehen mittlerweile nicht mehr an erster Stelle. Der Trend geht zum Studium, die Eltern wollen für ihre Kinder etwas Besseres.“ Dieses Jahr stellt Höß zum 1. September zwei neue Azubis ein. „Eigentlich hatten wir drei, aber der eine hat kurzfristig abgesagt.“ Höß wäre froh, wenn Ausbildungen mehr Anerkennung bekommen. „Aus Handwerkern entwickeln sich sehr hochwertige Arbeitnehmer.“

Der Computer übernimmt viele Aufgaben

Florian Hegele wusste schon in der Schule, dass er die Mechatroniker-Ausbildung machen will. „Ich schraube liebend gerne an Sachen herum, privat habe ich immer gerne rumgebastelt. Besonders alte Autos mag ich gerne.“ In den neueren Autos ist alles viel komplexer, sagt Mechaniker Frank. „Das der Fortschritt kommt, ist ja logisch. Aber es ist immer mehr drin im Auto, man hat wenig Platz zum Arbeiten. Und der Computer übernimmt viele Aufgaben.“

Wir beide stehen jetzt vorne am aufgebockten Auto. Die neuen Reifen müssen montiert werden. Manfred Frank steckt den Reifen auf, dann drückt er mir den Druckluftschrauber in die Hand: „Einfach die Schrauben anziehen, du spürst dann schon, wenn sie am Anschlag sind.“ Ein mulmiges Gefühl, wenn man das zum ersten Mal macht. In dem Gerät steckt ganz schon viel Power. Aber von Schraube zu Schraube wird es leichter. Ich bekomme Übung.

Wer sich für die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker entscheidet, braucht unbedingt handwerkliches Geschick, sagt Geschäftsführer Höß. „Mit zwei linken Händen geht’s natürlich nicht.“ Deshalb machen alle Azubis vorher ihrer Ausbildung noch mal ein Praktikum beim Autohändler. „Dreieinhalb Jahre sind eine lange Zeit. Da ist es sinnvoll, dass man sich vorher gegenseitig kennenlernt.“

Zum 1. September kommen jedes Jahr die neuen Lehrlinge zum Autohändler nach Dinkelscherben. Die Werkstatt ist in verschiedene Bereiche aufgeteilt, alle drei Monate wechseln die Lehrlinge die Ausbildungsstation. Was sie am Anfang tun bekommen, erklärt Mechaniker Frank: „Zu Beginn muss man erst mal viel zuschauen und zuhören. Mit der Zeit arbeitet man immer selbstständiger. Das Wichtigste ist, Interesse zu zeigen. Ohne geht’s nicht.“ Kommentar 

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