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Diedorf

14.04.2015

„Mon“ sagt leise Servus

Die langjährige Mitarbeiterin  Monika Hupka Böttcher aus Diedorf.
Bild: Bild: Merk

Nach 30 Jahren beendet Monika Hupka-Böttcher aus Diedorf ihre freie Mitarbeit für die Zeitung

Rund 10000 Einwohner hat Diedorf. Monika Hupka-Böttcher, bekannt unter dem Kürzel mon, kennt rund ein Drittel der Menschen. Sie selbst ist noch viel mehr Diedorfern ein Begriff. Fast 30 Jahre war mon als rasende Reporterin für die Zeitung unterwegs. Unzählige Artikel über Gemeinderäte, Vereinsfeste oder Theateraufführungen stammen aus ihrer Feder. Doch es werden nicht mehr viele Berichte folgen. Ende des Monats beendet Monika Hupka-Böttcher die freie Mitarbeit für unsere Lokalausgabe AZ Augsburger Land.

Vom Starnberger See hat es das Ehepaar Hupka 1977 in jungen Jahren nach Diedorf verschlagen. Sprachwissenschaftler Werner Hupka hatte eine Professur an der Uni Augsburg bekommen. Auf der Landkarte suchten sie Diedorf, das ihnen ein Kollege als schönen Wohnort empfohlen hatte. „Ich habe gefragt, wo ist das denn?“, erinnert sich Monika Hupka-Böttcher, die Diedorf inzwischen als Heimat empfindet. Es sei „wunderbar“, in diesem vom Schmuttertal eingebetteten Ort zu leben.

Dabei waren die ersten Jahre im Haus in der Pestalozzistraße nicht einfach für die gebürtige Münchnerin. „Es hat zwei Jahre gedauert, bis ich mich eingewöhnt habe.“ Erst als die beiden Kinder Constantin und Caroline in den Kindergarten kamen, wuchsen die Kontakte. Das Amt der Schriftführerin im Elternbeirat des Kindergartens war es dann auch, das die leitende OP-Krankenschwester zum Journalismus brachte. Sie hatte einen Artikel über den Kindergarten geschrieben. Dieser gefiel den Redakteuren der Augsburger Allgemeinen so gut, dass sie Monika Hupka-Böttcher als freie Mitarbeiterin engagierten.

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Von nun an ging es Schlag auf Schlag: Sie berichtete zunächst aus dem Gemeinderat Diedorf, dann noch aus Gessertshausen und Kutzenhausen. Die Arbeit ließ sich immer gut mit der Familie vereinbaren. Die Mutter saß vormittags am Schreibtisch, konnte sich nachmittags um die Kinder kümmern und abends, wenn ihr Mann zu Hause war, schwärmte mon aus zu Sitzungen. Für die Vereine wurde sie zur Anlaufstelle, ein inoffizielles Außenbüro für die Zeitung. „Es wurde von alleine immer mehr“, erzählt die fleißige Journalistin.

Sei es im Gemeinderat oder bei Vereinen, es war meist eine Männerwelt, in der sich mon behaupten lernte. „Als Frau muss man immer ein Stück besser sein“, sagt sie. Ihr Rezept klingt einfach: Charmant, aber auch bestimmt müsse man sein. An so manche Anekdote erinnert sie sich schmunzelnd. Einmal fragte sie ein Mann, ob sie auch einen Film in der Kamera habe. Sie antwortete mit Nein, klärte den verdutzten Herrn dann aber auf, dass dies für eine Digitalkamera auch nicht mehr nötig sei ... Solche kleinen Scharmützel führten für mon zu keinen größeren Verwerfungen. „Ich bin immer mit allen gut ausgekommen“, blickt sie zufrieden zurück. Eine gewisse Distanz sei bei aller Freundlichkeit wichtig. Geduzt hat die Reporterin so gut wie niemanden. Großes Durchhaltevermögen und einen breiten Rücken, diese beiden Eigenschaften habe sie schon als OP-Schwester gelernt und im neuen Beruf auch gut gebrauchen können.

An ihrer Arbeit hat ihr das Kreative gut gefallen. Politik verständlich zu machen sei ihr Ziel gewesen. Wenn sie an die Höhepunkte ihrer Arbeit denkt, fällt sofort das Wort „Gymnasium“. Diese Schule sei für eine prosperierende Gemeinde wie Diedorf eine sehr gute Sache. Sehr viel Freude hat es Monika Hupka-Böttcher auch bereitet, wenn sie sinnvolle Projekte begleiten konnte. Als Beispiele nennt sie die „Helfer vor Ort“, das Theater Eukitea oder den Bau des Altenheims. Doch es ging nicht immer nur „kuschelig“ zu in der langen Zeit. Mon erinnert sich an heftige Auseinandersetzungen im Diedorfer Gemeinderat von 1984 bis 1990 unter Bürgermeister Walter Aust. Die eigene Neutralität sei ihr stets wichtig gewesen, betont Monika Hupka-Böttcher.

Aus gesundheitlichen Gründen muss die 63-Jährige die journalistische Arbeit jetzt früher beenden als geplant. Das fällt ihr auf der einen Seite schwer, auf der anderen Seite steht die Vorfreude auf ein Leben ohne Zeitdruck, Termine und Abgabeschluss für Artikel. Monika Hupka-Böttcher hat keine Angst, dass ihr langweilig wird. Endlich Krimis lesen und natürlich die Zeitung. Jahrelang hat sie sich nicht mehr die Zeit für einen Stadtbummel in Augsburg genommen. Mit ihrem Mann will sie Ausflüge an den Wörthsee machen. Die Familie ist für Monika Hupka-Böttcher das Wichtigste. Sie freut sich darauf, dass ihre Tochter mit der kleinen Enkelin Laura nach einem London-Aufenthalt in den Raum München zurückkehrt. Ein entschleunigtes Leben im Haus in Hausen soll es insgesamt werden. Ihre Kinder wünschen sich von ihr ein Kochbuch mit rund 120 Familienrezepten. Sie hat versprochen, eines zusammenzustellen. Ganz wird sie das Schreiben also nicht loslassen.

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