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Landkreis Augsburg

18.01.2019

Mordsgeschichten: Brutaler Raub mit der Eisenstange

Die beschriebene Postkarte zeigt, wie das Ausflugslokal früher ausgesehen hat. 
3 Bilder
Die beschriebene Postkarte zeigt, wie das Ausflugslokal früher ausgesehen hat. 
Bild: Czysz

Plus Ein Familienvater überlebt 1891 zunächst einen Überfall im Wald beim Peterhof. Er gibt der Polizei noch Hinweise – doch dann stirbt er.

Als „Christkindl“ für die Braumeisterin in Emersacker, also ein besonderes Geschenk zu Weihnachten, bezeichnete Leonhard Labender die Eisenstange, die er bei sich trug. Sie sollte zur tödlichen Waffe werden. Mit ihr schlug der Mann nämlich an Heiligabend 1891 Georg Eckert nahe des Peterhofs nieder. Wie sich das Verbrechen zutrug, wurde damals präzise im Krumbacher Boten beschrieben:

Geplant hatte Labender das Verbrechen am Vorabend, als er Eckert in einer Augsburger Wirtschaft Augsburg kennengelernt hatte. Eckert, Vater von vier Kindern, hatte einen Fuhrwagen voll Kohle in der Stadt verkauft. Etwa 60 Mark hatte er so verdient. Und jetzt wollte er es sich gut gehen lassen.

Der Täter schmiedete einen teuflischen Plan

Labender kam mit dem Kohlenhändler ins Gespräch und gab vor, ein Viehhändler aus Friedberg zu sein. Als er hörte, dass Eckert aus Lauterbrunn kam und am nächsten Tag dorthin zurückfahren wollte, schmiedete er einen teuflischen Plan: Er wollte den Kohlenhändler begleiten und ihn dann im Wald ausrauben. Labender erklärte, dass er einige Kühe in Lauterbrunn und Emersacker kaufen wolle. Er bat Eckert, ihn ein Stück auf seinem Fuhrwagen mitzunehmen. Der Familienvater hatte nichts dagegen.

Als er am nächsten Morgen aufbrach, fehlte von Labender zunächst jede Spur. Er hatte sich bereits vorher auf den Weg gemacht, um den Kohlenhändler abpassen zu können. Über Täfertingen erreichte er den Peterhof. Wenig später kam Eckert. Der erkannte Labender wieder und fragte ihn, warum er nicht mitgefahren sei. Labender antwortete: Es sei ihm zu kalt gewesen. Gemeinsam ging‘s weiter. Labender blieb immer einige Schritte hinter dem Fuhrwagen, was Eckert misstrauisch machte. Er behielt Labender im Auge. Der trug eine ein Meter lange Eisenstange, die mit Papier umwickelt war, wie ein Gewehr bei sich. Als Eckert zwischen Peterhof und Heretsried einmal nach einem Pferd greifen musste, passierte es. Labender schlug zu.

Er traf Eckert am Kopf. Bewusstlos sackte der Familienvater zusammen. Labender schnappt sich sich den Beutel mit dem Geld, durchsuchte den Fuhrwagen, schlug nochmals auf Eckert ein und machte sich dann aus dem Staub. Die Eisenstange ließ er in einem Busch zurück.

„Missgeformte Füße“ überführen den Täter

Als Labender längst über alle Berge war, kam Eckert wieder zu sich. Den Ersthelfern konnte er detailliert beschreiben, was passiert war. Zum Glück: Denn nur dank den Hinweisen von Eckert gelang es der Augsburger Polizei, Labender zu fassen. Überführt hatte ihn hauptsächlich sein Gang – Eckert beschrieb ihn als „schlotterig“. Dazu kamen „missgeformte Füße“.

Den Überfall schilderte Eckert so: Im Wald bekam er plötzlich einen Schlag auf den Kopf. Ihm wurde schwarz vor Augen. Als ihn ein weiterer Schlag traf, flehte er um sein Leben. Er habe Frau und Kinder zu Hause und sein Geld gebe er gerne her. Labender aber schlug weiter zu und sagte: „Nein, Du musst tot sein.“ Eckert erlag einige tage später seinen schweren Verletzungen.

Gefasst wurde Labender am 30. Dezember 1891, als er sich in Augsburg neu einkleidete und in der Schäfflerwirtschaft unter dem Namen Johann Epple nächtigte. Er gestand das Verbrechen, beteuerte jedoch, dass er den Eckert nicht töten wollte.

Vor Gericht gab sich Labender gleichgültig und apathisch, um als nicht zurechnungsfähig zu wirken. Der Augsburger Landgerichtsarzt Dr. Lutz und der Direktor der Kaufbeurer Heilanstalten, Dr. Ulrich, hielten Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit für unbegründet. Labenders Verteidiger bemühte sich zu erklären, dass bei dem Verbrechen Totschlag vorliegt. Die Geschworenen sprachen Labender dann nach kurzer Beratung des Mordes und des Raubs für schuldig, was die Todesstrafe nach sich zog.

Von dem Geld löste er eine gestohlene Uhr aus

Mit dem Leben davon kam im März 1898 der Taglöhner Leonhard Hauf aus Hammerstetten. Der 27 Jahre alte, schon zwölfmal bestrafte Angeklagte, Reservist des 3. Feldartillerieregiments, soll im Dezember 1897 der 75 Jahre alten ehemaligen Dienstmagd Johanna Maier von Remshart „auf dem Wege zwischen Offingen und Rettenbach aufgelauert und sie einer Baarschaft von 12 Mark, die sie kurz vorher als Altersrente erhoben hatte, beraubt zu haben“. Von dem Geld löste er eine gestohlene Uhr aus. Den Rest seiner Beute investierte er in Alkohol. In der Zeitung wurde berichtete: „Der Spruch der Geschworenen lautete auf schuldig unter Ausschluss mildernder Umstände, das Urteil auf fünf Jahre Zuchthaus, zehn Jahre Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte und Zulässigkeit der Polizeiaufsicht.“

Mit Sebastian Maugg aus Schwabegg hatte es Justitia besser gemeint: Er musste nur für drei Jahre hinter Gitter. Das Ungewöhnliche daran: Er war gerade aus der Strafanstalt Ebrach entlassen worden. Ohne einen Pfennig in der Tasche machte sich der ledige Brauer 1900 auf den Weg nach Hause. Er kehrte in einer Schwabmünchner Wirtschaft ein und beobachtete dort, wie der Käsersohn Mathias Simnacher aus Reichertshofen einen Hunderter wechseln ließ. Der Jugendliche hatte für seinen Vater Butter und Käse nach Schwabmünchen gebracht. Den Beutel mit dem erhaltenen Kleingeld legte Mathias Simnacher in eine Butterkiste, die sich auf seinem Wagen befand. Dann fuhr er nach Hause. Was er nicht ahnte: An seine Fersen heftete sich Maugg.

In einer Talsenke zwischen Scherstetten und Mittelneufnach, vermutlich nahe des Geiselhofs, schnitt er plötzlich dem 15 Jahre alten Burschen den Weg ab und forderte Geld. Simnacher rückte zunächst nur eine Mark heraus. Doch Maugg wurde handgreiflich und riss den Geldbeutel an sich. In Schwabegg kehrte er ein und verzechte zwei Mark.

Bisher erschienen in unserer Serie "Mordsgeschichten":


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