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Neusäß

05.09.2018

Müssen die alten Bäume in Neusäß fallen?

Diese Bäume entlang der Neusässer Fliederstraße sollen zu einem guten Teil abgeholzt werden. Sie weichen dem Wohnungsbau im Umfeld des Hotels und des bereits abgerissenen Gasthofs Schuster im Stadtzentrum. Nachbarn wehren sich gegen die Fällungen.
Bild: Marcus Merk

Die Anwohner wehren sich gegen die Abholzung zugunsten von Parkplätzen an der Neusässer Fliederstraße. Warum die Stadt keinen Handlungsbedarf sieht.

Das Neusässer Zentrum entwickelt sich: Im nördlichen Bereich des Schuster-Areals an der Hauptstraße entstehen die ersten Gebäude. Und die traditionsreiche Gaststätte Schuster wurde, wie berichtet, kürzlich abgerissen und wird durch eine neue Bebauung ersetzt. Gegen einige Festsetzungen des Bebauungsplans im südlichen Bereich hinter dem abgerissenen Gasthof und dem Hotel wenden sich jetzt allerdings einige Anwohner. Der Grund ist die geplante Fällung einer Reihe alter Bäume.

Ein Teil des alten Baumbestandes soll erhalten bleiben

Diese Bäume stehen entlang der Fliederstraße am westlichen Rand des Areals. In der letzten Sitzung des Neusässer Planungs- und Umweltausschusses wurde betont, dass im heutigen Hotelpark Schuster keine schützenswerten Tierarten leben, die eine Bebauung unmöglich machen. Zwar jagen in dem Bereich Fledermäuse und Turmfalken, sie leben aber laut Gutachten nicht fest dort. Das Areal gehört zwei verschiedenen Eigentümern, die sich inzwischen aber abgestimmt haben. Geplant sind 120 Wohnungen, davon werden 20 Prozent im sozialen Wohnungsbau gefördert. Ein Teil des alten Baumbestands, etwa zwei Dutzend, soll erhalten bleiben, 100 weitere Bäume in diesem Bereich sollen gepflanzt werden.

Dagegen wenden sich die Anwohner an der Fliederstraße und der Nelkenstraße. „Das Jahrzehnte alte Baumensemble muss erhalten bleiben“, sagt Martin Mayr. Er ist der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft „Grüne Mitte für die Stadt Neusäß“, die er und seine Mitstreiter inzwischen ins Leben gerufen haben. „Dieser Teil des Baugebiets soll als Parkplätze genutzt werden – das ist für uns ein Umweltfrevel.“

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Arbeitsgemeinschaft fordert, dass die Bäume unter Schutz gestellt werden

Geplant sind an der Ostseite der Fliederstraße im Wechsel jeweils fünf quer zur Fahrbahn ausgerichtete Parkplätze und dann dazwischen ein Baum. „Die alte Baumgruppe ist ein Kennzeichen des Gebiets, da klopft der Specht, es gibt Fledermäuse und seltene Vogelarten“, hat er beobachtet. „Was bringen da nachgepflanzte, parkplatzgerechte Bäume schon, wenn die alten weg sind?“ Mayr fordert eine Umweltprüfung. Die Arbeitsgemeinschaft sammelt derzeit Unterschriften, um sich gegen die Entfernung der Bäume sowie gegen die an der Fliederstraße geplante Tiefgarageneinfahrt zu wehren. Sie fordern unter anderem, dass die Bäume unter Schutz gestellt werden. Die quer ausgerichteten Parkplätze am Rand der Fliederstraße seien zu streichen und stattdessen in der Tiefgarage nachzuweisen.

„Außerdem lege ich persönlich Widerspruch gegen den Bebauungsplan ein.“ Er sehe ein, so Mayer weiter, dass gebaut werden muss und Wohnungen dringend benötigt werden. „Mir liegt aber daran, dass in der Mitte von Neusäß etwas Nachhaltiges entsteht. Es muss eine bessere Lösung geben.“

Bis 8. September werden Unterschriften gesammelt

Der Neusässer Stadtbaumeister Dietmar Krenz erklärt auf Anfrage: „Bei der Innenentwicklung braucht es eine solche Umweltprüfung nicht unbedingt“, so Krenz. „Wenn man im Innenstadtbereich Wohnbebauung schaffen will, muss man abwägen.“ Dies sei vor der Sommerpause in entsprechenden Gutachten geschehen.

Ein Widerspruch sei, so Krenz weiter, bei der Auslegung eines Bebauungsplans nicht möglich. „Betroffene Bürger können aber ihre Wünsche und Anregungen vorbringen.“ Ein Widerspruch sei erst möglich, wenn der Bebauungsplan rechtskräftig geworden ist. „Dann müssen die Anwohner klagen“, so der Stadtbaumeister.

Martin Mayr will weiter für den Erhalt der Bäume kämpfen, die er als Kleinstlebensräume geschützter Tiere bezeichnet. „Weil wir uns noch bis 11. September zum Bebauungsplan äußern können, werden wir am Samstag, 8. September., auf dem Stadtmarkt noch weitere Unterschriften sammeln“, so Mayr.

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