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Klassik

11.05.2013

Musikalisches Sommergewitter

Das Symphonieorchester Stadtbergen startete mit dramatischer Wucht in den Sommer. Die Besucher des Konzerts im Bürgersaal waren überwältigt.
Bild: Thomas Hack

Das Symphonieorchester Stadtbergen zeigt sich im Bürgersaal dramatisch

Stadtbergen Mit düsterem Wehklagen aus der Unterwelt krochen langsam die Streicherklänge in den Raum. Dann herrschte abrupte Stille. Und mit einem orchestralen Paukenschlag setzten mit aller Wucht die restlichen 50 Instrumente mit ein, was eine wahre Gänsehaut am ganzen Körper erzeugte.

Das Symphonieorchester Stadtbergen hat dieses Jahr sein erstes Konzert im Bürgersaal gegeben und damit gleich mal mit der ganzen Macht seines Könnens zugeschlagen. Die opulente Ouvertüre zum „Freischütz“ von Carl Maria von Weber war der ausdrucksstarke Auftakt zu einem neuen Klassikerlebnis, welches zahlreiche Besucher in den Bann gezogen hatte.

Im folgenden Cello-Stück von Antonin Dvoˇrak zeigten die Bühnenkünstler, dass auch nach einem solch berauschenden Beginn das Niveau gehalten und sogar noch übertroffen werden kann: Das Orchester überrascht immer wieder mit musikalischen Gasteinlagen und so trat diesmal der Cellist Christian Bertoncello aus Bozen auf die Bühne. Souverän nahm er auf seinem Stuhle Platz, brachte das Instrument in Position – und wartete. Das fröhliche Allegro dieser Komposition wurde noch ganz von Trompete und Klarinette dominiert, doch dann durchbrachen die schwermütigen Klanglinien des majestätischen Cellos das Grundthema – fragend und wehmütig am Anfang, aber bald im ausgelassenen Charme eines fahrenden Zigeunervolkes.

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Wesentlich beschaulicher ging es zunächst im Adagio zur Sache, welches lediglich durch beschwingte Querflötenklänge unterbrochen wurde. Doch der sanfte Schein war trügerisch: Mit einer gewaltigen Instrumentalexplosion erbebte bald der ganze Saal, wobei Bertoncello seine Gabe souverän in den Mittelpunkt zu rücken vermochte.

Das Finale der Komposition schöpfte dagegen nicht aus lautstarkem Pathos seine Energie, sondern aus dem virtuosen wie auch verstörenden Zusammenwirken der Instrumente: Mit abgehackten Einzeltönen ähnlich wie bei der Filmmusik zum „Weißen Hai“ setzten sich die angezupften Saiten der Streicher in den Vordergrund. Das Cello schmiegte sich harmonisch an und stand doch in ehrfürchtiger Distanz dem Gesamtgeschehen gegenüber, mal dezent abgekoppelt, mal als dominantes Element eines musikalischen Sommerregens. Für seinen Einsatz erhielt Bertoncello lautstarke Beifallsrufe.

Frenetischer Applaus nach einem fulminanten Feuerwerk

Den gewaltigen Schlussakt präsentierte das Orchester schließlich mit der 6. Symphonie Ludwig van Beethovens. Alles erfolgte Schlag auf Schlag: In Beethovens dunkler Mär fegt ein Gewittersturm über das tanzende Volk hinweg und lässt letztendlich nur noch einen musizierenden Hirten übrig. Die letzten drei Sätze der Symphonie waren kaum noch als isolierte Einzelstücke zu erkennen. Alles bebte, alles donnerte, und am Ende brach das ganze Klanggemälde in einem fulminanten Feuerwerk wieder in sich zusammen.

Dann wurde es zunächst einmal ganz still im Saal. Und als sich schließlich Tristan Uth mit schweißüberströmtem Gesicht langsam zum Publikum umdrehte, gab es bei diesem kein Halten mehr: Den frenetischen Applaus hatte das Symphonieorchester verdient. Uth bedankte sich bescheiden: „Ich hoffe, ihr konntet an diesem Abend ein wenig Liebe, Passion und Leidenschaft mitnehmen...“

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