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Dinkelscherben

06.11.2017

Musiker präsentieren stolz ihr neues Kulturzentrum

Ein Teil der fleißigen Helfer (von links): Markus Unverdorben, Simone Gleich, Maximilian Litzel und Stefanie Bäurle (vorne). Im Hintergrund spielt das Nachwuchsorchester zum Tag der offenen Tür.
Bild: Manuela Rauch

Unzählige ehrenamtliche Stunden stecken im sanierten Musikerheim Dinkelscherben. Wie groß das Engagement war, zeigte sich besonders, als der Dachstuhl einzustürzen drohte.

In Rekordzeit hat die Musikvereinigung Dinkelscherben ihr altes Musikheim generalüberholt. Am Wochenende wurden das neue Domizil nun eingeweiht. Für die Hobbymusiker brechen damit ruhigere Zeiten an, denn die meisten von ihnen haben den Großteil ihrer Freizeit auf der Baustelle verbracht. „Ohne die vielen freiwilligen Helfer, hätten wir das Projekt nie stemmen können“, erklärt Markus Unverdorben, Vorsitzender der Musikvereinigung.

Stolz ist er auf seine Schützlinge. Nicht mal zwei Jahre hatte die Sanierung des alten Gebäudes gedauert, dass nach dem Krieg ursprünglich als Not-Schule für heimatvertriebene Sudetendeutsche genutzt wurde. Später gründete sich hier unter der Leitung von Rudi Möschl die Erzgebirglerkapelle, die mit der Musikkapelle schließlich zur heutigen Musikvereinigung verschmolz. Mehr als 60 Jahre ist das jetzt her und rein optisch hatte sich das Musikheim seitdem auch nur wenig verändert. Weil aber das Gebäude von Jahr zu Jahr maroder wurde, wuchs die Unzufriedenheit im Verein. Unverdorben erinnert sich: „Im Proberaum gab es einfach kein Platz, da musste man förmlich auf Tuchfühlung mit seinem Sitznachbarn gehen. Und in den Pausen war Schlangestehen an den Toiletten angesagt.“ Die Küche hatte man vor mehr als zehn Jahren mal mit einer aus dem Internet ersteigerten Theke aufgefrischt, während man sich weiterhin über kaputte Schranktüren und abgefallene Drehknöpfe ärgerte. „Mit Gastro-Normen hatte das wenig zu tun“, sagt Unverdorben.

Nun hätte man mit dem Retro-Flair und dem Siebzigerjahre-Prilblumen-Design vielleicht noch leben können, aber die Akustik im Proberaum setzte allem die Krone auf. Manch ein Musikant hielt die Lautstärke nur noch mit Ohrstöpseln aus. 2015 wurde der Wunsch nach Modernisierung lauter. 70000 Euro hatte der Verein auf der hohen Kante, was aber bei weitem nicht ausgereicht hätte, um alle Macken auszubessern. Die Lösung winkte ein Jahr später mit einem Antrag auf EU-Fördermittel. Gemeinsam mit Schirmherr Eduard Oswald stellte der Verein ein wasserdichtes Konzept auf die Beine und machte aus dem Musikheim ein Leader-Projekt. Die Sanierung fiel daher wesentlich üppiger aus, als anfangs geplant, sagt Unverdorben. „Wir haben auch Aspekte wie Nachhaltigkeit oder Barrierefreiheit berücksichtigt.“

Für das Herz des Musikheims, den Proberaum, holte man sich Unterstützung aus dem benachbarten Österreich. „In Deutschland gibt es nicht so viele Firmen für Akustikprobleme. Und wir sind ja schließlich keine Elbphilarmonie“, sagt Unverdorben und lacht. Die Kooperation sei ein Glücksfall gewesen, erzählt er. „In erster Linie, weil wir selber mitarbeiten konnten, was natürlich viel Geld sparte.“

Doch nicht nur in Sachen Akustik packte der Verein mit an. So wie der 24 jährige Maximilian Litzel verbrachten viele der rund 160 aktiven Mitglieder ihre Wochenenden und Feierabende auf der Baustelle. „Ich bin oft morgens hergekommen und hab’ dann geholfen, bis meine Schicht bei der Arbeit anfing“, erzählt Litzel. Als am 15. August der Dachstuhl einzustürzen drohte, kamen binnen weniger Minuten fast 30 Leute zusammen, um das Dach abzudecken.

Wie viel Manpower wirklich im Musikheim stecken, bleibt offen. „Es ist total schwierig jetzt noch aufzuzählen, was man alles gemacht hat“, sagt Simone Gleich. „Schließlich gab es unglaublich viel zu tun.“ Melanie Pentz, die sogar einen Teil ihres Jahresurlaubs für den Umbau geopfert hat, erinnert sich gerne an die Zeit zurück. „Klar war es anstrengend, aber das Projekt hat uns total zusammengeschweißt und den Zusammenhalt im Verein noch verstärkt.“

Das Musikheim steht im Sinne der Förderung künftig übrigens auch anderen Musikgruppen aus der Umgebung zur Verfügung, zum Beispiel Stainless Brass, den Kaiserberg Musikanten oder dem Volkstanzkreis. Außerdem sollen hier in Zukunft auch Fortbildungen und Workshops stattfinden können. „Dinkelscherben erhält ein ganz neues Kulturzentrum“, schwärmt Unverdorben.

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