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Gessertshausen

22.11.2019

Mutmaßlicher Brandstifter aus den eigenen Reihen: Das sagt die Feuerwehr

Immer wieder mussten die Feuerwehren in den vergangenen Monaten zur Brandbekämpfung im Raum Gessertshausen ausrücken. 
Foto: Philipp Kinne

Plus Der Jugendliche ist Mitglied der Feuerwehr, bei der Fassungslosigkeit herrscht. Die Freiwillige Feuerwehr spricht von einem „absoluten Ausnahmefall“. 

Der 17-jährige mutmaßliche Brandstifter, den die Polizei am Dienstag festgenommen hat, war Mitglied bei der Feuerwehr: Das bestätigte gestern die Polizei. Offenbar hatte er auch bei Löscheinsätzen geholfen, für die er verantwortlich war. Der Jugendliche steht in dringendem Verdacht, seit Anfang August mehrere Brände in der Gemeinde gelegt zu haben. Laut Polizei hat er ein umfassendes Geständnis abgelegt. Nicht auf sein Konto gehen soll der Vorfall im Jugendheim an der Hauptstraße.

Der 17-Jährige war bei der Jugendfeuerwehr und durfte bei Einsätzen auch Hilfsdienste verrichten, bestätigte gestern Bürgermeister Jürgen Mögele. Er ist oberster Dienstherr der Feuerwehr im Ort. Gessertshausens Feuerwehrkommandant Bernd Wagner ist betroffen und stellte klar: „Hier handelt es sich um einen absoluten Ausnahmefall.“ Die Feuerwehr mit ihren 55 Aktiven formulierte eine eigene Erklärung. Darin heißt es:„Wir hoffen, dass das durchwegs positive Bild unserer Aktiven nicht durch die Taten eines Einzelnen beschädigt wird.“ Wagner sagte: „Wir alle investieren ehrenamtlich viel Freizeit, um anderen Menschen in Notlagen zu helfen, vor Schäden zu bewahren und zu schützen. Egal, zu welcher Tages- und Nachtzeit, ob Werk- oder Feiertag, wir wollen anderen helfen.“ Bürgermeister Mögele fasste die Arbeit und das Engagement der Freiwilligen so zusammen: „Unsere Feuerwehr ist eine feste Gemeinschaft. Sie wird es als Team verkraften.“

Gessertshauser sind froh, dass der mutmaßliche Täter geschnappt ist

Warum der 17-Jährige zündelte, ist bislang nicht bekannt. Bürgermeister Mögele, der den Jugendliche kennt, sagte: „Niemand kann sich erklären, wie es dazu gekommen ist.“ Er ist froh, dass es jetzt vorbei ist – wie viele andere Gessertshauser auch.

Zu ihnen gehört Josef Kraus. der Landwirt war das erste Opfer der Brandserie. Anfang August brannten dutzende Strohballen, die Kraus nahe der Moco-Hallen an der Bahnlinie gelagert hatte. „Hoffentlich bleibt es jetzt dabei“, sagt Kraus, der erst aus der Zeitung von dem 17-Jährigen mutmaßlichen Brandstifter erfuhr. Ein Gutachter hat den entstandenen Schaden aufgenommen, der dann über die Versicherung abgewickelt werde.

Erleichterung auch in Tankstelle in der Ortsmitte. „Wir sind froh, dass es vorbei ist“, sagte gestern Anita Mühlbauer. Die Brandserie war seit Wochen Tagesgespräch. In der Tankstelle war der Fahndungsaufruf der Polizei ausgehängt – zwischenzeitlich war von privat eine Belohnung von 10000 Euro ausgelobt worden, um dem Täter auf die Spur zu kommen. Hinweise seien bis zuletzt aber nicht eingegangen, bestätigte gestern ein Sprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Nord. Wie die Ermittler dem 17-Jährigen letztendlich auf die Schliche kamen, ist nicht bekannt.

Nicht alle Feuer sollen auf das Konto des Jugendlichen gehen

Der 17-Jährige hat laut Polizei ein umfangreiches Geständnis abgelegt. Nach dem aktuellen Ermittlungsstand schließt die Polizei aus, dass der Jugendliche mit dem Brand im sozialpädagogischen Zentrum Gessertshausen in Verbindung steht. Warum der Fall losgelöst betrachtet wird? Die Brandermittler halten sich bedeckt.

In dem Heim waren auch junge Flüchtlinge untergebracht. Sie sind nach dem Vorfall ausgezogen. Am Gebäude erinnern noch die beschädigte Dachdämmung sowie ein Gerüst und ausgetauschte Ziegel auf dem Dach an den Brand, bei dem vier Jugendliche verletzt wurden. Wie es Ende September dazu gekommen war, versucht die Kripo noch herauszufinden. Zuletzt brannte es am Sonntag gegen 1.40 Uhr in Gessertshausen: Die Feuerwehr musste einen von einer Plane abgedeckten Holzstapel löschen. Der Schaden ist vergleichsweise harmlos – denn als die Serie vor vier Monaten begann, standen eine Scheune und eine Lagerhalle mit den Futtervorräten für die Gessertshauser Tierklinik in Flammen. Sie dürften den größten Teil des entstandenen Gesamtschadens ausmachen. Die Polizei schätzt, dass er sich insgesamt auf einen sechsstelligen Betrag beläuft.

Hier finden Sie eine Übersicht der Brände in Gessertshausen:

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