1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Mutter und Kind (7) müssen in diesem Container leben

Emersacker

23.10.2019

Mutter und Kind (7) müssen in diesem Container leben

Ein Container muss in Emersacker für eine Frau und ihren Sohn die Wohnung ersetzen. Ihr Hab und Gut hat sie in Zelten untergebracht. Die Suche nach einer Wohnung blieb bisher ohne Erfolg.
Bild: Marcus Merk

Plus Seit sieben Monaten lebt eine 50-Jährige in der provisorischen Unterkunft in Emersacker – zusammen mit ihrem siebenjährigen Sohn. Sie findet keine neue Wohnung.

Eine kleine Nasszelle, ein Bett, eine winzige Küche – mehr ist Franziska Schuster* nicht geblieben. Zusammen mit ihrem siebenjährigen Sohn lebt die 50-Jährige am Ortsrand von Emersacker. Ihr Zuhause ist ein 36 Quadratmeter großer Container. Hunderte Wohnungen habe sie schon besichtigt. Doch kein Vermieter wolle sie haben. „Die Seele geht hier drin kaputt“, sagt Schuster.

Die Enge in der winzigen Unterkunft wirkt erdrückend. Man kann sich kaum bewegen. Weil der Container schief stehe, laufe das Wasser nach dem Duschen nicht ab, sagt Schuster. Nachts sei es bitterkalt. Der Wind pfeife durch die provisorische Behausung. Zwar gebe es eine elektrische Heizung, doch um Stromkosten zu sparen, könne sie die nicht immer laufen lassen. Um den Container herum stehen Zelte, in denen die 50-Jährige ihr Hab und Gut lagert. Gegenstände, die von einer anderen Zeit zeugen. Vom alten Leben.

Es ging ihr einmal gut, sagt Schuster. Zwei Mal war sie verheiratet, elf Kinder habe sie zur Welt gebracht. Doch das Jugendamt habe ihr nur ihren jüngsten Sohn gelassen. Weshalb, wird im Gespräch mit ihr nicht klar. Mit dem Bub lebte die 50-Jährige zuletzt in einer Wohnung nicht weit von dem Container entfernt. Seit einem folgenschweren Sturz mache ihr das Bein zu schaffen. Wegen ihrer Verletzung habe sie nicht mehr arbeiten können, sagt Schuster. Die Miete wurde zu teuer. Es gab Streit mit dem Vermieter. Über Details spricht Schuster nicht gerne. Letztlich landete sie mit ihrem Sohn auf der Straße. Obdachlos.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Gemeinde stellt Container in Emersacker zur Verfügung

Die Gemeinde kümmerte sich um die Frau und ihren Sohn. Wird ein Mensch obdachlos, ist es Aufgabe der Kommune für eine vorübergehende Unterkunft zu sorgen. In Städten und größeren Gemeinden gibt es oft eigene Wohnungen für diesen Zweck. In Emersacker habe man sich dazu entschieden, den Container für die Mutter und ihren Sohn zu mieten, berichtet Bürgermeister Michael Müller. Der Container steht auf einem erschlossenen privaten Bauplatz. Ein Teil der Kosten für die Miete werde mittlerweile vom Jobcenter gezahlt, erklärte Müller bei der jüngsten Bürgerversammlung. „Ich habe die Befürchtung, dass die derzeitige Unterbringung noch andauert.“ Bislang habe man keine Wohnung für die alleinerziehende Mutter gefunden.

Jeden Tag durchforste sie die Anzeigen in der Zeitung und im Internet, sagt Schuster. Hunderte Wohnungen habe sie nach eigenen Angaben schon angesehen. Kein Vermieter habe sie haben wollen. Schuster: „Es ist ein Teufelskreis, wer will schon einen Mieter, der vorher in so einem Container gelebt hat.“ Ihre Ansprüche seien nicht hoch: Eine Zwei-Zimmer-Wohunung für sich und ihre Siebenjähren Buben – egal wo. Sie sagt: „Der Container hat mir das Genick gebrochen“. So die Sicht der 50-Jährigen.

Das Schicksal der Mutter aus Emersacker ist kein Einzelfall

Schuster ist eine von vielen, die obdachlos werden und deshalb keine Wohnung mehr finden, sagt Knut Bliesemer. Er ist Sozialpädagoge in der Wohungslosenhilfe in Augsburg. Bliesemer: „Die Vermieter fragen natürlich nach der aktuellen Wohnsituation.“ Wer keine Wohnung habe, mache sich verdächtig. Vielleicht könne er sich die Miete nicht leisten, vielleicht gab es Probleme. „Es ist wirklich ein Teufelskreis“, sagt auch der Sozialarbeiter.

Dennoch gebe es auch einige Vermieter, die Obdachlosen wohlwollend gegenüber stehen und helfen wollen. Problematisch sei allerdings, dass es insgesamt immer weniger Wohnungen gebe. „Und die, die noch da sind, werden immer teurer“, sagt Bliesemer. Weshalb Menschen in Obdachlosigkeit geraten, lasse sich pauschal nicht sagen. Die Trennung vom Partner, Mietschulden, Drogenabhängigkeit – es gebe viele Ursachen dafür. Bliesemer: „Das sind immer tragische Einzelschicksale.“

Besonders für den Sohn ist die Situation schlimm

Tragisch ist die Situation für Franziska Schuster vor allem im Hinblick auf ihren Sohn. Der Siebenjährige fühle sich nicht wohl im Container. Er hat kein eigenes Bett und kaum Freunde zum Spielen, auch weil er sich für die Situation schäme. Die Enge mache ihm zu schaffen. Anfangs sei es für den Bub noch ein großes Abenteuer gewesen. „Campingfeeling“, habe sie immer gesagt, erinnert sich Schuster. „Im Sommer geht das.“

Nun aber ist der Sommer vorbei. Es wird kalt, nachts frostig. Ob der Container stand halte, wenn es auf das Dach schneit, habe sie von der Gemeinde vor Kurzem wissen wollen, sagt Schuster. Sie rechnet nicht mit einem schnellen Ende ihrer Situation.

*Der Name wurde von der Redaktion geändert, um die Betroffenen zu schützen.

Lesen Sie auch den Kommentar: Container in Emersacker: Das ist ein Armutszeugnis

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

23.10.2019

>> Es ging ihr einmal gut, sagt Schuster. Zwei Mal war sie verheiratet, elf Kinder habe sie zur Welt gebracht. Doch das Jugendamt habe ihr nur ihren jüngsten Sohn gelassen. Weshalb, wird im Gespräch mit ihr nicht klar. <<

Man darf darüber nicht reden und es sind immer die anderen schuld...

>> „Der Container hat mir das Genick gebrochen“ <<

Permalink
23.10.2019

.... jeder Asylant mit Kind bekommt eine Wohnung nur die beiden nicht, da frage ich mich schon was da falsch läuft un unserem Land????

Permalink
23.10.2019

Was wollen Sie damit sagen? Ist ein Asylant etwa weniger Wert als ein Mensch mit deutscher Staatsangehörigkeit? Man kann gerne darüber diskutieren, ob man das im Artikel beschriebene Problem nicht politisch lösen sollte und den Betroffenen hier entsprechende Unterstützung bieten sollte. Die Diskussion aber, wie so oft, auf dem Rücken von Asylanten auszutragen, ist unterstes Niveau. Asylanten können nichts für das o.g. Problem. Wenn Sie unbedingt Schuldige benötigen, dann klopfen Sie doch bitte bei der Regierung an, welche beispielsweise die Privatisierung von Sozialwohnungen in den letzten Jahrzehnten massiv vorangetrieben hat. Oder 43 Mrd. Euro in den Wehretat steckt, anstatt in derartige soziale Angelegenheiten adäquat zu investieren. Oder melden Sie sich bei den Wählern, die mit ihren konservativ-rechten Stimmen diese Situation noch unterstützen.

Permalink
23.10.2019

@ B.

Der Verkauf von Sozialwohnungen war in Anbetracht der negativen Bevölkerungsprognosen vollkommen richtig!

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/familie/bevoelkerungsentwicklung-immer-weniger-einwohner-in-deutschland-1580161.html

Immer weniger Einwohner in Deutschland (2011)

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/bevoelkerungsschwund-deutschland-schrumpft-und-vergreist-1385443.html

Deutschland schrumpft und vergreist (2006)

Permalink
23.10.2019

Geflüchtete sind doch in derselben Situation wie diese Obdachlose Mutter, müssen in Containern wohnen oder in Unterkünften, wo mit Glück eine Familie ein einziges Zimmer nicht auch noch mit Fremden teilen muss. (In Ankerzentren ist dies gang und gäbe.) Selbst die, die eigentlich in eine "normale" Wohnung umziehen dürften, bekommen keine und müssen in den teils menschenunwürdigen und sicher nicht dem Kindeswohl dienlichen Unterkünften verharren.
Das Problem ist doch die vollkommen verfehlte Wohnungspolitik der letzten 20 Jahre. Gäbe es genug Sozialwohnungen, hätten wir kein Problem, Menschen egal welcher Herkunft und egal aus welchem Grund in finanzieller Not, eine menschenwürdige Wohnung zu beschaffen. Hier muss angesetzt werden, hier ist die Politik gefragt!
Arme gegen Arme auszuspielen ist hingegen weder christlich noch humanistisch.

Permalink
23.10.2019

warum fragt sich diese frau nicht einfach mal selber warum sie kein Vermieter will ???

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren