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Emersacker

29.11.2019

Mutter und Sohn ziehen aus dem Container in Emersacker in ein Hotel

Mutter und Sohn leben auf 36 Quadratmetern in einem Container am Ortsrand von Emersacker.
Bild: Marcus Merk

Plus Das Schicksal von Franziska Schuster und ihrem Kind erschüttert. Nun können die beiden aus der Notunterkunft ausziehen. Doch das Glück ist nicht von Dauer.

Viele Menschen wollen Franziska Schuster* und ihrem siebenjährigen Sohn helfen. Die beiden leben noch immer auf 36 Quadratmetern in einem Container am Ortsrand von Emersacker. Ein Schicksal, das erschüttert. Nun können die beiden ausziehen – zumindest für ein paar Wochen. Ein anonymer Spender bezahle der kleinen Familie eine Suite im Hotel, sagt Schuster.

Nachdem die Geschichte der von Obdachlosigkeit bedrohten Frau öffentlich geworden war, meldeten sich viele Menschen, die helfen wollen. Sie können nicht verstehen, weshalb die kleine Familie in einem Container leben muss. Auch mehrere Wohnungen wurden Schuster angeboten. Letztlich wurde daraus aber nichts.

Nun kann sie dank einem anonymen Spender offenbar für fünf Wochen ins Hotel ziehen. Die Freude darüber ist groß. „Ich möchte einfach mal abschalten“, sagt Schuster. Ihr macht die große Aufmerksamkeit zu schaffen. „Es ist toll, wie viele Leute mir helfen wollen, aber ich brauche jetzt ein bisschen Ruhe.“ Weihnachten muss die kleine Familie nun wohl nicht im weißen Container am Ortsrand verbringen. Dort sei es kalt, sagt Schuster. Besonders ihrem Sohn, der an Asthma leide, mache das zu schaffen. Zwar gibt es eine Heizung, doch die Stromkosten seien zu hoch, sagt Schuster.

Mutter und Sohn ziehen aus dem Container in Emersacker in ein Hotel

Müssen die beiden zurück in den Container ziehen?

Doch wohin nach den fünf Wochen? Spätestens im April müssen Franziska Schuster und ihr Sohn aus dem Container. Solange duldet der Grundstücksbesitzer die Notunterkunft noch. Früher oder später werden aus den Zelten und dem Container wohl drei neue Einfamilienhäuser.

Weshalb Franziska Schuster ihre Wohnung verloren hat, erzählt sie nicht im Detail. Zwei Mal war sie verheiratet, elf Kinder habe sie zur Welt gebracht. Momentan lebt nur das jüngste Kind bei der Mutter.

Zur Wahrheit gehört auch: Mit dem Vermieter der letzten Wohnung – nicht weit vom Container – gab es große Probleme. Schuster hatte Mietschulden. Nachbarn beschreiben sie als schwierige Person. Immer wieder kam es zu Streit. Sie verlor ihren Job und wurde geschieden. Dann die Räumungsklage. Letztlich standen die Mutter und ihr Sohn beinahe auf die Straße. Die Gemeinde kümmerte sich um eine vorübergehende Unterkunft. Das ist Aufgabe der Kommune, gerät ein Bürger in Obdachlosigkeit. Bürgermeister Müller fragte beim Landkreis nach Sozialwohnungen, doch nichts war frei. Letztlich dann die Notlösung: der Container.

Ein kleines Zelt beherbergt die Spielsachen des Kindes.
Bild: Marcus Merk

Angebote für Wohnungen und Jobs

Nachdem unsere Redaktion über das Schicksal der kleinen Familie berichtet hatte, gingen mehrere Angebote von möglichen Vermietern ein, die helfen wollten. Doch Schuster lehnte ab. Ein Vermieter, der ihr neben Wohnung auch einen Job angeboten hatte, wolle sie als Arbeitskraft ausnutzen, sagt Schuster. Nachdem sie sich am Bein verletzt habe, könne sie nicht mehr vollzeit arbeiten. Ein anderes Zimmer war bereits möbliert. Das sei schwierig, da sie ihre eigenen Möbel unterbringen muss, sagt Schuster. Ein anderer Vermieter habe sie als Putzkraft ausnutzen wollen.

Auch Bürgermeister Müller sah sich gemeinsam mit Schuster nach Wohnungen um. Immer wieder kam es zu Besichtigungen. Grundsätzlich sei es sehr schwierig für die kleine Familie eine Unterkunft zu finden, sagt Müller. Auch wegen der Vorgeschichte Schusters. Nach monatelanger Suche sei man „wieder soweit wie am Anfang“, sagt Bürgermeister Müller. Er sehe derzeit wenig Hoffnung. Im schlimmsten Fall müsse die Frau und ihr Kind noch eine Weile im Container leben. Wenn der Vertrag mit dem Grundstückseigentümer ausläuft müsse man sich „eine andere Lösung“ überlegen.

Suche nach Wohnung nimmt vorerst kein Ende

Franziska Schuster sieht bei sich selbst keine Mitschuld an ihrer Situation. Sie sagt: „Es stimmt nicht, dass ich keine Hilfe annehme.“ Kleinere Jobs, im Hotel- und Gaststättengewerbe, würde sie gern erledigen. Aus ihrer Sicht seien ihre Ansprüche nicht hoch. Wichtig zu betonen ist ihr außerdem, dass sie durchaus dankbar für die angebotene Hilfe ist. „Ich möchte mich bei allen bedanken, auch bei der Gemeinde“, sagt Schuster. Zurück in den Container will sie auf keinen Fall. Vor allem für ihren kleinen Sohn.

*Der Name wurde von der Redaktion geändert, um die Betroffenen zu schützen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Der Container in Emersacker ist keine Lösung

Mehr Hintergründe lesen Sie hier: Familie lebt im Container: Wohin mit Obdachlosen auf dem Land?

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Die Diskussion ist geschlossen.

30.11.2019

Kann es sein, dass die Frau einfach zu faul zum Arbeiten oder eine notorische Querulantin ist? Es ist schon mehr als merkwürdig, dass sie sich bei mehreren Jobangeboten ‚Ausgenutzt‘ vorkommt!

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